Vom Almosen geben

Passend zur Fastenzeit (aber auch sonst) ein klasse Kommentar von Cäsarius von Arles (470-543), Mönch und Bischof zum Thema Mildtätigkeit und Großzügigkeit:

Wenn wir genau hinschauen, meine Brüder, dann ist es zu unserem Nutzen, wenn Christus in den Armen hungert […] Schaut: ein Pfennig auf der einen Seite, das Reich Gottes auf der anderen. Was soll dieser Vergleich? Du gibst einem Armen eine kleine Münze und erhältst von Christus das Reich; du gibst ein Stück Brot und empfängst dafür von Christus das ewige Leben; du gibst ein Kleidungsstück und bekommst von Christus die Vergebung der Sünden. Verachten wir also die Armen nicht, wünschen wir uns vielmehr, dass es welche gibt, und versuchen wir, ihren Bitten zuvorzukommen. Das Elend der Armen ist nämlich die Arznei der Reichen, wie der Herr selber gesagt hat: „Gebt lieber als Almosen, was ihr habt; und siehe, alles ist für euch rein“ (Lk 11,41), und weiter: „Verkauft euren Besitz und gebt Almosen!“ (Lk 12,33). Durch den Propheten ruft der Heilige Geist: „Wasser löscht loderndes Feuer und eine Liebestat sühnt Sünden“ (Sir 3,30). Seien wir also mildtätig, liebe Brüder, und handeln wir mit Christi Hilfe so, dass seine Zusage uns gilt, vor allem die Zusage, auf die ich euch schon hingewiesen habe: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden!“ (Lk 6,38), und auch: „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5,7). Jeder soll nach seinen Möglichkeiten bestrebt sein, nicht mit leeren Händen in die Kirche zu kommen: Wer etwas bekommen möchte, muss auch etwas geben. Wer kann, soll die Blöße des Armen mit einem neuen Gewand bedecken; wer dazu nicht in der Lage ist, der stelle wenigstens ein altes zur Verfügung. Wer glaubt, dass seine Mittel dazu nicht reichen, der möge ein Stück Brot geben, einem Reisenden Obdach gewähren, ihm ein Bett bereitstellen und ihm die Füße waschen, damit er es verdient, die Worte Christi zu vernehmen: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe […] Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“. Meine geliebten Brüder, wer keine Almosen gibt, ist nicht entschuldbar; denn Christus hat sogar für einen Becher frischen Wassers einen Lohn versprochen (Mt 10,42). (25. Predigt, zitiert aus Evangelium Tag für Tag)

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