Über die Kirche als Tempel Gottes

Heute gibt es anlässlich der Fasten- und Vorbereitungszeit für Ostern einen sehr schönen Text von Papst und Kirchenlehrer Leo der Große (?-um 461), über die Kirche als den Tempel Gottes:

Beherzigen wir nun, was die gesamte Welt dem Kreuze des Herrn zu verdanken hat, dann erkennen wir auch, dass wir uns gebührenderweise auf die Osterfeier durch das vierzigtägige Fasten vorbereiten müssen, um an den göttlichen Geheimnissen würdig Anteil nehmen zu können. Ist es doch nötig, dass nicht allein die an der Spitze stehenden Bischöfe und Priester zweiten Ranges, dass nicht nur die Diener der Sakramente, sondern auch der ganze Leib der Kirche und die gesamte Schar der Gläubigen von jeder Befleckung rein sind. So soll der Tempel Gottes, dessen Grund sein Gründer selber ist (vgl. 1 Kor 3,11.16), aus lauter herrlichen Steinen bestehen und in jedem seiner Teile im reinsten Licht erstrahlen! […] Wenn auch dieses Haus nicht ohne seinen Baumeister begonnen und vollendet werden kann, so wurde ihm doch von diesem Baumeister die Möglichkeit gegeben, auch selbst etwas zum Ausbau beizutragen. Sind es doch „lebendige“ und „vernunftbegabte“ Steine, die zur Aufführung dieses Tempels verwendet werden (vgl. 1 Petr 2,5). Ist es doch der Geist der Gnade, der sie veranlasst, sich freiwillig zu einem Ganzen zusammenzufügen. […] Da also einerseits alle Gläubigen zusammen, andererseits alle wieder für sich allein ein und denselben „Tempel Gottes“ bilden (vgl. 1 Kor 3,16; 2 Kor 6,16), so muss dieser vollkommen im einzelnen und vollkommen im ganzen sein. Wenn auch nicht sämtliche Glieder gleich schön sind, wenn auch bei so verschiedenen Teilen die Verdienste nicht ein und dieselben sein können, so gehören doch alle, die das Band christlicher Liebe umschlingt, zu diesem herrlich geschmückten Tempel. Die durch solche Liebe Geeinten freuen sich gegenseitig über die verliehenen Gaben, selbst wenn nicht alle die gleichen Gnadengeschenke genießen. Was sie aber [an anderen] schätzen, das kann auch ihnen nicht fremd bleiben; denn wer das Vorwärtsschreiten des Nächsten gerne sieht, der bereichert sich selbst durch eigenes Wachstum. (Sermon 48, 1; 10. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit (vgl. Bibliothek der Kirchenväter, München 1927))

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