Mein Glaubensweg

Oder warum ich wieder katholisch bin…

Ich bin 1968 in Stuttgart geboren. Das Dorf, in dem wir wohnten war eines der wenigen katholischen „Flecken“ im protestantischen Umfeld. Da meine Eltern katholisch waren, bin auch ich katholisch aufgewachsen.

Bereits als Kind habe ich den christlichen Glauben recht stark verinnerlicht. Meine Mutter war es vor allem, die mich im Glauben unterwies. Von ihr habe ich auch das (meiner Ansicht nach) außergewöhnlich positive Bild von Gott als einen treuen Beschützer, der sehr gnädig und liebevoll ist (eben wie meine Mutter ;-)).

Als ich älter und zudem selbstsicherer wurde (ich war früher recht ängstlich) trat mein kindlicher Glaube an Gott jedoch mehr und mehr zurück. Auch in meiner Familie wurde das „zur Kirche gehen“ immer laxer genommen. Zugegebenermaßen fand ich die Gottesdienste oft auch nicht besonders interessant, auch wenn es für mich dennoch meist eine gute Zeit zur (Rück-)Besinnung auf Gott und auf das Wesentliche im Leben war.

Konversion zu einer freien christlichen Gemeinde

Nach meinem Studium der Elektrotechnik bin ich dann nach München gezogen und habe dort Leute aus einer freien christlichen Gemeinde kennen gelernt. Mich faszinierte ihre Ernsthaftigkeit im Glauben, ihre Bibelkenntnisse und wie sie ihren Glauben in ihr alltägliches Leben einbezogen. Das hatte mir in der katholischen Kirche gefehlt.
Auch wenn einige Dinge mir recht sektenhaft vorkamen, entschloss ich mich nach einigem Ringen und Gebet, mich in dieser Gemeinde nochmals – vermeintlich „richtig“ – als Erwachsener taufen zu lassen.

Ich habe in dieser freien Gemeinde sehr viel erfahren, was es heißt, ganz praktisch im Alltag den Glauben an Jesus Christus zu leben. Noch dazu habe ich meine jetzige Frau Connie dort kennen gelernt, die ursprünglich auch katholisch war, aber erst durch diese Gemeinde wirklich gläubig wurde.

Austritt aus der freien christlichen Gemeinde

Nach einigen Jahren haben wir dann jedoch diese Gemeinde wieder verlassen. Denn es hatten sich leider meine damaligen Vermutungen bestätigt, dass dort theologisch und bzgl. der Praxis einiges nicht stimmte. Vor allem musste ich erfahren, dass nicht wenige der dortigen Leiter (vor allem außerhalb Deutschlands) doch nicht ganz so ehrlich waren (was die Dinge „hinter den Kulissen“ anging) wie sie vorgaben. Viele Kritiker der Gemeinde wurden verleumdet und ihre berechtigte Kritik nicht wirklich ernst genommen oder ganz einfach vertuscht.

Suche nach der wahren christlichen Lehre

Nach dem Austritt aus unserer damaligen Gemeinde, mussten wir überlegen wie es weiter gehen sollte. Unsere alte Gemeinde war sehr elitär und lehrte, dass wir praktisch die einzig wahren Christen seien und der Rest der Christenheit weitgehend verloren wäre. Wo sollten wir jetzt hin gehen?

Ich fing an, nochmals alle Lehren unserer alten Gemeinde in der Bibel und mithilfe von verschiedenen Bibelkommentaren, Lexika und Internetrecherchen zu prüfen. Eine der Fragen war, ob die christliche Taufe rettungsnotwendig sei (was ja viele der evangelikalen christlichen Gemeinden verneinen). Ich kam schließlich zum ernüchternden Schluss, dass es mit der Bibel allein sehr schwer war, eine ganz sichere (d.h. unanfechtbare) Aussage hierzu zu machen. Es gab eben auch eine Menge nicht ganz eindeutig interpretierbare Stellen hierzu in der Bibel. Mit anderen christlichen Lehren war es leider ähnlich.

David Bercot

Dann stieß ich auf die Bücher und Vorträge von David Bercot, einem ehemaligen Zeuge Jehovas, der eine ganz ähnliche Geschichte hinter sich hatte. Auch er wollte prüfen, welche christlichen Lehren und Praktiken eigentlich richtig seien. Denn auch er war von seiner ehemaligen christlichen Gemeinschaft in vielen Punkten falsch gelehrt worden. Er befasste sich mit den Schriften der ersten Christen, um herauszufinden, wie diese die Bibel verstanden und was sie lehrten und wie sie lebten. Das machte in meinen Augen Sinn, denn schließlich waren die frühen Christen zeitlich viel näher am Ursprung der Lehre Jesu und der Apostel. Jetzt wurde mir Vieles klarer.

Erkenntnisse über die Bibel

Nach und nach wurde mir bewusst, dass die Bibel ganz offensichtlich nicht als reines Lehrbuch von Gott gegeben wurde (dazu war es in vielen Punkten m.E. viel zu unklar – zumindest für mich), sondern als Bestätigung der „wahren christlichen Lehre“, die zunächst mündlich verkündet wurde. Ich stellte fest, dass man mit der Bibel allein zu unterschiedlichsten Auffassungen über die christlichen Lehren und Praktiken kommen kann. Selbst wenn man wirklich ehrlich und offen nach der Wahrheit sucht.

Suche nach der „wahren“ christlichen Gemeinde

Das Problem, dass ich nun aber hatte war, dass ich keine christliche Gemeinde finden konnte (zumindest nicht in Deutschland), die genau dies lehrte und lebte, was die ersten Christen lehrten und lebten. So glaubte ich zwar (weiterhin), dass die christliche Taufe heilsnotwendig sei wie z.B. auch die evangelische und katholische Kirche, lehnte aber diese wegen ihrer Oberflächlichkeit in der christlichen Erziehung der Gläubigen und ihren Sakramentalismus ab. Vor allem glaubte ich, dass die Säuglingstaufe ungültig sei, da ja ein Säugling noch vollkommen unschuldig ist und zudem nicht den rettungsnotwendigen Glauben haben kann.

Connie und ich besuchten in der Zwischenzeit verschiedene freie christliche Gemeinden (u.a. eine Baptistengemeinde und eine FeG), fanden aber auch dort nicht wirklich unser geistliches zu Hause.

Theologische Recherchen

Ich las weiterhin Unmengen an Büchern verschiedenster christlicher Konfessionen, um mir klar zu werden, was ich selbst und meine Familie leben und dann auch anderen lehren wollen. Die aus meiner Sicht besten Bücher stellte ich irgendwann auf meiner (damaligen) Website zusammen, einerseits für mich selbst, aber auch für andere, die sich dafür interessierten (ein kleiner Teil findet sich heute noch unter Ressourcen).

Theologische Diskussionen im Internet

Auf der Suche nach „meiner Gemeinde“ stieß ich im Internet auf einige interessante Blogs von verschiedenen Christen und jungen Pastoren. Einerseits inspirierten mich die Diskussionen mit ihnen, andererseits stellte ich aber auch fest, dass – aus meiner Sicht – eine Menge falscher Lehren verbreitet wurde (nicht unbedingt aus böser Absicht, sondern meist wohl aus Unwissenheit). Und es war i.d.R. auch nicht möglich, dass man wirklich irgendwie was dagegen unternehmen konnte. Schließlich hat ja jeder ein Recht auf seine eigene Meinung und im freikirchlichen Bereich lehnt man ja auch jeder Art von übergemeindlicher Lehrautorität ab.
Der Glaube der protestantischen Christen, dass jeder die Bibel selbst auslegen darf und soll – im Gegensatz zur katholischen Kirche – führt zwangsläufig zu einer Flut von sich widersprechenden Lehren.

Die fehlende Einheit der christlichen Konfessionen

Natürlich stimmen die meisten freikirchlichen Christen in den Grundlagen des christlichen Glaubens überein (dem apostolischen Glaubensbekenntnis), aber auf mehr können sie sich i.d.R. nicht einigen. Auf diese Weise ist natürlich keine wirkliche Einheit der Christen zu erreichen, die Jesus ja eigentlich geboten hatte. Irgendwie fühlte ich mich in diesem Durcheinander von Gott auch ein wenig im Stich gelassen.
Wo war denn nun seine Kirche?
Muss jetzt jeder  sich alles (was die christliche Lehre betrifft) selbst nochmals erarbeiten?
Muss es wirklich immer mehr neue Gemeinden als Alternative zu den bestehenden (und teilweise „verkrusteten“) Gemeinden geben?

Dass sich viele Gemeinden immerhin nicht als die einzig wahre Kirche ansahen, sondern lediglich als ein Teil der „unsichtbaren“ Kirche war nur ein schwacher Trost. Denn eine wirkliche Zusammenarbeit (in Liebe, Lehre und Erziehung) wie es zumindest in der Anfangszeit der Kirche war, gibt es m.E. nicht wirklich.

Eine Katholikin mit tiefen Überzeugungen

Schließlich lernte ich über die Bloggerei im Internet eine Katholikin kennen, die mich dadurch überraschte, dass sie sowohl sehr gute Bibelkenntnisse als auch – aus meiner Sicht – sehr vernünftige Ansichten bzgl. des christlichen Glaubens und Lebens hatte. Ihre Ausdrucksweise war zwar erstaunlich jugendlich und direkt (und damit zumindest sehr gut verständlich), ihre Ansichten jedoch sehr weise. Sie stach mit ihren guten Kommentaren regelrecht aus den teilweise wirklich verquerten Meinungen der anderen christlichen Blogger heraus. Mit der Zeit stellte ich fest, dass wir sehr ähnliche Überzeugungen hatten, was die christliche Lehre betraf, wie sie umzusetzen sei und wie man andere Lehrmeinungen beurteilen sollte. Das hatte ich noch nie erlebt: ein Katholik bzw. in diesem Fall eine Katholikin, die sehr tiefe Überzeugungen hat, sehr ernsthaft im Glauben ist und ihren Glauben zu verteidigen weiß.

Die katholische Kirche und die Säuglingstaufe

Das und eine zweite Sache war der Anlass warum ich mich wieder ernsthaft mit dem  katholischen Glauben und der katholischen Kirche befasste.
Ich hatte mich nämlich zu dieser Zeit nebenher mit der Frage beschäftigt, wann und wie die Säuglingstaufe entstanden ist. Ich hatte mir alle hierzu verfügbare fundierte Literatur besorgt (was nicht sehr viel war, da es leider nicht so viel wirklich gutes Material gibt, das einigermaßen objektiv ist).

Zu meinem Erstaunen stellte ich nach meinem Studium fest, dass entgegen der landläufigen Meinung, die Praxis der Säuglingstaufe schon sehr früh aus den historischen Dokumenten nachweisbar ist (ca. 2./3.Jh. n. Chr.). Was aber noch viel verblüffender war ist, dass es gegen diese Praxis so gut wie keinen Protest gab. Entweder hatten bereits die damaligen Christen schon keine Ahnung mehr von den grundlegenden christlichen Lehren oder sie waren allesamt feige oder vollkommen verblendet. In einer solchen wichtigen Sache darf man sich doch als Christ nicht irren, oder? Noch „schlimmer“: einer der „Kirchenväter“ (Origenes) behauptete sogar, dass die Kindertaufe von den Aposteln geboten wurde. War das eine bloße Erfindung oder steht in der Bibel tatsächlich nicht alles drin, was wir als Christen für das praktische Christenleben benötigen?

Katholische Websites

Um meine Geschichte etwas abzukürzen:
Ich stieß kurze Zeit darauf bei meinen Internetrecherchen auf einige sehr interessante katholische Websites, die den katholischen Glauben biblisch und von den Schriften der Kirchenväter zu belegen versuchten. Aus meiner Sicht gelang ihnen das auch sehr gut. Schließlich entdeckte ich auf der Suche nach deutschen katholischen Websites auch die von Robert Gollwitzer und bekam von ihm u.a. einige sehr gute (und wichtige) Büchertipps.

Katholische Apologeten

Ich fing an, alle möglichen Bücher amerikanischer katholischen Apologeten zu lesen. Die meisten von ihnen sind vom Protestantismus zum katholischen Glauben konvertiert. Aus diesem Grund waren ihre Bücher auch sehr gut verständlich für mich. Schließlich musste ich mit Erstaunen feststellen wie biblisch fundiert die (offizielle) Lehre der katholischen Kirche ist. Ich begann den Katechismus der katholischen Kirche zu lesen und kann nur sagen, dass ich selten ein so gutes und weises Buch über die christliche Lehre gefunden habe wie dieses.

Re-Konversion zur katholischen Kirche

Nach vielen Gesprächen mit Connie und der Teilnahme an einem katholischen Glaubenskurs ließen wir uns schließlich im April 2009 wieder in die katholische Kirche aufnehmen.

Zum Schluss

Ich glaube, dass ich ohne die Lektüre der Schriften der frühen Christen (der Apostolischen Väter, der Kirchenväter und -lehrer) nicht wieder in die katholische Kirche zurückgekehrt wäre. Denn ich musste feststellen, dass es kaum vorbildlichere Christen mit besseren Bibelkenntnissen und vor allem Bibelverständnis gab als sie.
Sie haben mir gezeigt, dass die frühe katholische Kirche nicht einfach allgemein korrupt war oder die Bischöfe alle keine Ahnung von der Bibel gehabt hätten (wie das oft so in protestantischen Kreisen fälschlicherweise dargestellt wird). Ich lernte also den Kirchenvätern zu vertrauen. Das war der entscheidende Punkt.

Natürlich gab es in der gesamten Kirchengeschichte eine Menge Missstände und auch Verdorbenheit bei vielen Christen (auch Bischöfen und Päpsten). Aber irgendwie hat Gott immer wieder für Menschen gesorgt, die verhinderten, dass die Kirche in ihrer Gesamtheit (dauerhaft) lehrmäßig als auch moralisch vollkommen zugrunde ging.

Als „Wieder-Katholik“ beginnt für mich ein neuer Abschnitt in meinem Leben als Christ. Meine bisherigen Erfahrungen in protestantischen Freikirchen waren nicht umsonst. Ganz im Gegenteil. Sie waren sehr wichtig für mich. Ohne sie wäre ich wohl nie so tief in den christlichen Glauben eingestiegen. Dort habe ich wichtige Grundlagen und die praktischer Umsetzung des Glaubens gelernt. In der kath. Kirche habe ich jedoch einen neuen Reichtum und eine ungeahnte Tiefe des Glaubens entdeckt (der leider in der katholischen Kirche sehr gut versteckt wird).
Jetzt geht es mir darum, die Stärken beider christlicher „Lager“ miteinander zu verbinden, um meinen Teil zur Förderung und Wiederherstellung der von Jesus gebotenen Einheit der Christen beizutragen, damit das Evangelium nicht nur überall verkündet, sondern auch gelebt wird.

Nachtrag von meiner Frau

Nun muss ich (Connie) auch noch meine Anmerkungen dazu schreiben.

Für mich waren neben den Tatsachen, die Stefan herausgefunden hat, noch zwei Dinge ausschlaggebend: Ein großer Konfliktpunkt zwischen den evangelikalen Leuten und uns war immer wieder die „Tauffrage“. Aus meinem Bibelverständnis heraus war die Taufe der Moment, wo man den heiligen Geist empfangen darf und somit versiegelt und zu Gott gehörig ist, d.h. man darf auch in Ewigkeit mit ihm leben. Für die evangelikale Seite ist die Taufe nur ein Symbol, was letztlich nicht zur Rettung beitrug. Damit wird man meiner Meinung nach der Bedeutung der Taufe nicht gerecht. Hier kann ich mich in der Position der kath. Kirche sehr viel besser wieder finden.

Mittlerweile kann ich auch die Praxis der Säuglingstaufe nachvollziehen. Diese Praxis unterstützt sogar die Ansicht der Evangelikalen und der Protestanten, dass es dem „eigenen Werk“ der Taufe nicht bedarf, da ja die Eltern die Entscheidung für das Kind treffen. Somit ist die Taufe ein Geschenk Gottes, zudem man nichts beitragen kann und sie beinhaltet den Moment der Versiegelung und Rettung.

Das andere, was mich in der Entscheidung für die kath. Kirche bestärkt hat, ist man höre und staune: unser Papst Benedikt. Nachdem ich zwei Bücher von ihm gelesen habe, kann ich die katholische Lehre sehr viel besser nachvollziehen und bin außerdem tief beeindruckt von der Weisheit, der Weitsichtigkeit und auch der Demut dieses Mannes.

(München, 25. Mai 2009)