Über die Eucharistie (Abendmahl)

Justin der Märtyrer (ca. 100 – 165 n.Chr.):

(christlicher Philosoph in Rom, Italien)

“Darauf werden dem Vorsteher der Brüder Brot und ein Becher mit Wasser und Wein gebracht; der nimmt es und sendet Lob und Preis dem Allvater durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes empor und spricht eine lange Danksagung dafür, dass wir dieser Gaben von ihm gewürdigt worden sind.

Ist er mit den Gebeten und mit der Danksagung zu Ende, so gibt das ganze Volk seine Zustimmung mit dem Worte „Amen“. Dieses Amen bedeutet in der hebräischen Sprache soviel wie: Es geschehe! Nach der Danksagung des Vorstehers und der Zustimmung des ganzen Volkes teilen die, welche bei uns Diakonen heißen, jedem der Anwesenden von dem verdankten Brot, Wein und Wasser mit und bringen davon auch den Abwesenden.

Diese Nahrung heißt bei uns Eucharistie. Niemand darf daran teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie; sondern wie Jesus Christus, unser Erlöser, als er durch Gottes Logos Fleisch wurde, Fleisch und Blut um unseres Heiles willen angenommen hat, so sind wir belehrt worden, dass die durch ein Gebet um den Logos, der von ihm ausgeht, unter Danksagung geweihte Nahrung, mit der unser Fleisch und Blut durch Umwandlung genährt wird, Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei.

Denn die Apostel haben in den von ihnen stammenden Denkwürdigkeiten, welche Evangelien heißen, überliefert, es sei ihnen folgende Anweisung gegeben worden: Jesus habe Brot genommen, Dank gesagt und gesprochen: „Das tut zu meinem Gedächtnis, das ist mein Leib“, und ebenso habe er den Becher genommen, Dank gesagt und gesprochen: „Dieses ist mein Blut“, und er habe nur ihnen davon mitgeteilt.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Justin der Märtyrer: Erste Apologie, Kap. 65-66)


Fulgentius von Ruspe (ca. 467 – 533 n.Chr.):
(Bischof von Ruspe in Nordafrika, heute Tunesien)

“Halte mit felsenfestem, unerschütterlichem Glauben daran fest, dass das menschgewordene, eingeborene Wort Gottes sich für uns als Opfer und Opfergabe Gott zum lieblichen Wohlgeruch dargebracht hat! [Eph 5,2 ] Ihm wurden in der Zeit des Alten Bundes zugleich mit dem Vater und dem Heiligen Geist von den Patriarchen, Propheten und Priestern Tiere geopfert; jetzt, in der Zeit des Neuen Testamentes, bringt die heilige katholische Kirche ihm zugleich mit dem Vater und dem Heiligen Geist, mit denen er dieselbe göttliche Natur besitzt, in Glaube und Liebe unaufhörlich auf dem gesamten Erdkreis das Opfer des Brotes und Weines dar.

Jene fleischlichen Opfer nämlich waren ein Sinnbild des Fleisches Christi, das er selbst ohne Sünden für uns Sünder darzubringen bestimmt war, und des Blutes, das er zur Verzeihung unserer Sünden vergießen wollte. Dieses Opfer aber ist eine Danksagung und Erinnerung an den Leib Christi, den er für uns darbrachte, und an das Blut, das derselbe Gott für uns vergossen hat. Von ihm sagt der heilige Paulus in der Apostelgeschichte: „Habet acht auf euch und die gesamte Herde, in der euch der Heilige Geist eingesetzt hat als Bischöfe, um die Kirche Gottes zu regieren, die er mit seinem Blute erworben hat!“ [Apg 20,28 ].

In jenen Opfern wurde symbolisch angezeigt, was uns geschenkt werden sollte; in diesem Opfer aber wird uns klar dargestellt, was uns bereits geschenkt worden ist. In jenen Opfern wurde der Gottessohn für uns vorausverkündet, der für die Sünder getötet werden wollte; in diesem Opfer aber wird er als der für die Sünder Getötete verkündet nach dem Zeugnis des Apostels, daß „Christus, als wir schwach waren, zur rechten Zeit für die Sünder gestorben ist“, [Röm 5,6 ] und daß wir, „als wir Feinde waren, Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt worden sind“. [Röm 5,10 ]”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Fulgentius von Ruspe : Vom Glauben an Petrus, Kap. 60)