Über die Geistes- und Wundergaben

Justin der Märtyrer (ca. 100 – 165 n.Chr.):

(christlicher Philosoph in Rom, Italien)

“2. Gleichwie Gott damals um jener siebentausend Mann willen seinen Zorn zurückhielt, ebenso ließ beziehungsweise läßt er auch jetzt noch nicht sein Gericht kommen, da er weiß, daß es noch täglich solche gibt, die Jünger seines Christus werden und den Weg des Irrtums verlassen, welche auch, erleuchtet durch den Namen dieses Christus, je nach dem Maße ihrer Würdigkeit Gaben empfangen, indem der eine den Geist des Verstandes, ein anderer den des Rates, dieser den Geist der Stärke, jener den der Heilung, der eine den Geist der Prophetie, der andere den der Belehrung, wieder ein anderer den der Furcht Gottes erhält” [vgl. Jes 11,2 , 1. Kor 12,7-10 ] (…) Es wurde doch prophezeit, daß  Christus nach seiner Himmelfahrt uns vom Irrtum befreie, gefangen nehme und uns Geschenke gebe. Es heißt [Ps 68,19 , vgl. Eph 4,8 ]: ,Er fuhr auf in die Höhe, nahm gefangen die Gefangenschaft, gab Geschenke den Menschen.’ 5. Da wir nun von Christus, der in die Höhe aufgefahren ist, Geschenke erhalten haben, beweisen wir euch, die ihr ,bei euch selbst weise und vor euren eigenen Augen verständig’  [Jes 5,21 ] seid, aus den prophetischen Worten, daß ihr töricht seid und Gott und seinen Christus nur ,mit den Lippen ehrt’ [Jes 29,13 ]; wir dagegen, die wir die Weisheit aus der Quelle der vollen Wahrheit geschöpft haben, ehren dieselben in der Tat, in der Erkenntnis und von Herzen bis zu unserem Tode.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Justin der Märtyrer: Dialog mit dem Juden Trypho, Abs.39,1+4)

“Bei uns gibt es nämlich noch bis auf den heutigen Tag prophetische Charismen. Daraus solltet auch ihr ersehen, daß sie von eurem Volke [der Jude], wo sie ehedem waren, auf uns übertragen wurden.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Justin der Märtyrer: Dialog mit dem Juden Trypho, Abs.82,1)

“5. Die Geistesgaben ruhten nun, das heißt sie hörten auf, sobald jener [Jesus Christus] kam, nach welchem sie infolge dieses unter den Seinigen in der Zeit verwirklichten Heilsplanes bei euch [Juden] aufhören mußten, um in ihm ruhend gemäß der Prophezeiung zu Geschenken zu werden, welche er an jeden Christgläubigen, den er für würdig hält, erteilt durch die Güte jenes mächtigen Geistes. 6. Daß es nun prophezeit worden war, er werde nach seiner Himmelfahrt so handeln, habe ich bereits gesagt, und ich wiederhole es. Der Logos sagte [Ps 68,19 , vgl. Eph 4,8 ]: ‚Er stieg in die Höhe, nahm gefangen die Gefangenschaft, gab Geschenke den Söhnen der Menschen.’ Und in einer anderen Prophezeiung heißt  es [Joel 3,1-2 ]: ‚Hierauf werde ich ausgießen meinen Geist über alles Fleisch, über meine Diener und Dienerinnen, und sie werden prophezeien.’ .”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Justin der Märtyrer: Dialog mit dem Juden Trypho, Abs.87,5.-6.)


Irenäus von Lyon (ca. 135 – 202 n.Chr.):
(Bischof in Lugdunum in Gallien, heute Lyon/Frankreich)

“Die Anhänger des Simon, Karpokrates [häretische Lehrer] und, wer sonst noch Zeichen wirken soll, die werden überführt werden, daß sie dies nicht durch die Kraft Gottes, noch in Wahrheit, noch zum Nutzen der Menschen verrichten, sondern zu ihrem Verderben und ihrer Irreführung, indem sie denen, welche ihnen glauben, durch magische Künste und allerlei Betrügereien mehr Nachteil als Nutzen bringen. Können sie Blinden das Gesicht, Tauben das Gehör wiedergeben, können sie andere Dämonen austreiben als höchstens die, welche sie selbst eingetrieben haben? Können sie Schwache, Lahme, Gichtbrüchige oder andere Kranke heilen, wenn es erforderlich ist bei irgend einem körperlichen Gebrechen, oder die Gesundheit wiederherstellen bei solchen Krankheiten, die von außen kommen? Unser Herr und die Apostel haben durch das Gebet Tote auferweckt, und unter unsern Brüdern ist sehr häufig wegen irgend einer Not, wenn die gesamte Kirche unter Fasten und vielem Beten darum flehte, der Geist des Toten zurückgekehrt und das Leben dem Menschen auf das Gebet der Heiligen geschenkt worden. Sie aber sind so weit davon entfernt, dies zu vermögen, dass sie nicht einmal glauben, es zu können. Vielmehr behaupten sie, die Auferstehung von den Toten sei nichts anders als die Erkenntnis ihrer sogenannten Wahrheit.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 31. Kap., Abs. 2)

“Ähnlich also wie diesen muß man jene [den Gnostikern] fliehen, und je größere Zaubereien man ihnen nachsagt, um so mehr muß man sich vor ihnen hüten, als hätten sie einen um so größeren Geist der Bosheit empfangen. Wer deshalb ihren täglichen Lebenswandel beobachtet, wird finden, daß er der gleiche wie bei den Dämonen ist.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 31. Kap., Abs. 3)

“In seinem [Christi] Namen wirken deshalb seine wahren Schüler [Jünger], die von ihm die Gnade empfangen haben, Wunder an den übrigen Menschen, wie ein jeder von ihm die Gnade empfangen hat. Die einen treiben wahrhaft und bestimmt Geister aus, so daß oftmals die ihnen glauben, die von den bösen Geistern befreit sind, und in die Kirche eintreten. Die andern schauen in die Zukunft, haben Gesichte und weissagen. Wieder andere legen den Kranken die Hände auf und machen sie gesund. Ja sogar Tote sind auferstanden, wie wir bereits gesagt haben, und lebten unter uns noch etliche Jahre. Doch wer vermöchte alle die Gnaden aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Welt von Gott empfängt und zum Heile der Völker im Namen Jesu Christi, des unter Pontius Pilatus gekreuzigten, Tag für Tag ausspendet. Und keinen verführt sie oder nimmt ihm sein Geld ab. Denn was sie umsonst von Gott empfangen hat, teilt sie umsonst auch aus.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 32. Kap., Abs. 4)

“Deshalb sagt auch der Apostel: „Weisheit reden wir unter Vollkommenen“: [1. Kor 2,6 ] , indem er die vollkommen nennt, die den Geist Gottes empfangen haben und durch den Geist wie er selber in allen Sprachen reden. Hören wir doch auch von vielen Brüdern in der Kirche, daß sie prophetische Charismen haben, in allerhand Sprachen durch den Geist reden, das Verborgene der Menschen zu ihrem Vorteil ans Licht bringen und die Geheimnisse Gottes erklären. Diese nennt der Apostel auch geistig wegen ihrer Teilnahme am Geist, aber nicht etwa, weil sie des Fleisches entkleidet und beraubt wären, sondern nur aus dem angegebenen Grunde.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Irenäus: Gegen dei Häresien, Zweites Buch, 32. Kap., Abs. 4)


Eusebius von Cäsarea (ca. 260-340 n.Chr.):
(Kirchenhistoriker und Bischof von Cäsarea in Palästina)

“7. Übereinstimmend mit der Darstellung, die wir oben gegeben, hat Irenäus in seiner aus fünf Büchern bestehenden Schrift „Entlarvung und Widerlegung der fälschlich sog. Wissenschaft“ [.siehe “Gegen die Häresien”] diese Dinge berichtet. Im zweiten Buche der gleichen Schrift teilt er mit, daß es bis zu seiner Zeit noch in manchen Kirchen göttliche Wunder gegeben habe. Er sagt [vgl. Gegen die Häresien, II, 31. Kap., Abs. 2]: „Nicht haben (die Häretiker) die Kraft, in gleicher Weise einen Toten zu erwecken, wie der Herr sie erweckt hat oder wie es die Apostel getan haben durch ihr Gebet oder wie es oftmals in der Gemeinde der Brüder geschah, wo dann, wenn aus wichtigen Gründen die ganze Kirche einer Gegend unter vielen Fasten und Opfern darum gefleht hatte, der Geist des Verstorbenen zurückkehrte und der Mensch den Gebeten der Heiligen geschenkt wurde.“ Sodann erklärt Irenäus [vgl. Gegen die Häresien, II, 32. Kap., Abs. 4]: „Wenn (die Häretiker) aber einwenden sollten, daß auch die Taten des Herrn nur Gaukelei gewesen, dann wollen wir sie auf die Worte der Propheten verweisen und aus ihnen zeigen, daß über ihn alles so vorausgesagt wurde, wie es tatsächlich geschehen ist, und daß er allein der Sohn Gottes ist. Daher wirken auch seine wahren Jünger, die von ihm die Gnade empfangen haben, in seinem Namen zum Wohle der übrigen Menschen, entsprechend der Gabe, die der Einzelne von ihm erhalten hat. Die einen von ihnen treiben wirklich und wahrhaft Teufel aus, so daß oftmals diejenigen, welche von den bösen Geistern gereinigt wurden, den Glauben annahmen und nun zur Kirche gehören. Andere wiederum erkennen die Zukunft und besitzen die Gaben des prophetischen Schauens und Redens, wieder andere heilen die Kranken durch Handauflegung und machen sie gesund. Selbst Tote sind, wie wir erwähnten, bereits erweckt worden, um noch mehrere Jahre unter uns zu weilen. Wer vermöchte die Gnadengaben aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Erde von Gott empfangen hat und im Namen Jesu Christi, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist, tagtäglich zum Segen der Völker wirkt und durch welche sie niemanden betrügt und sich selbst nicht bereichert? Wie sie dieselben unentgeltlich von Gott empfangen hat, verwaltet sie dieselben auch unentgeltlich.“ An anderer Stelle schreibt Irenäus: [vgl. Gegen die Häresien, V, 6. Kap., Abs. 1]„Wie wir hören, besitzen viele Brüder der Kirche prophetische Gaben, sprechen durch den Geist in vielen Sprachen, offenbaren das Verborgene zum Nutzen der Menschen und verkünden die Geheimnisse Gottes.“ So viel über die Tatsache, daß sich noch bis zu den erwähnten Zeiten bei denen, die würdig waren, die Auszeichnung, Wunder zu wirken, erhalten hat.”

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Eusebius von Cäsarea: Kirchengeschichte, Fünftes Buch, 7. Kap.)


Die Apostolischen Konstitutionen (ca. 4.Jh. n.Chr.):
(eine aus acht Bänden bestehende Sammlung von unabhängigen, aber nahe verwandten Abhandlungen über Gottesdienst, Kirchenordnung und Lehre der frühen Kirche. Sie sind angeblich das Werk der Zwölf Apostel, deren Instruktionen von Clemens von Rom (ca. 50-100 n.Chr.) gesammelt und überliefert sein sollen. Die Synode von Konstantinopel 692 (Can. 2) hat die Apostolischen Konstitutionen jedoch – mit Ausnahme des Buch VIII 47 – als “von Häretikern verfälscht” verworfen (siehe Karl Suso Frank, “Lehrbuch der Geschichte der Alten Kirche”, 3. Aufl. 2002, S.419)

“Unser Gott und Erlöser Jesus Christus übergibt uns das große Geheimnis der Gottseligkeit [1. Tim 3,16 ] und ladet Juden und Heiden zur Erkenntnis des einen und wahren Gottes, seines Vaters, ein, wie er selbst, dankend für die Rettung der Gläubigen, sagt: „Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen; ich habe das Werk vollendet, welches du mir gegeben hast;“ [Joh 17,4-6 ] und unsertwegen zum Vater betet: „Heiliger Vater, die Welt kennet dich zwar nicht: ich aber kenne dich, und Diese haben dich erkannt.“ [Joh 17,11-25 ] Und von den Gnadengaben, welche er durch den hl. Geist gegeben hat, sagt er mit Recht uns allen zugleich, die wir nämlich zur Vollkommenheit gelangt sind: „Die Zeichen aber, die denen folgen, welche glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie Teufel austreiben, sie werden neue Sprachen reden, sie werden Schlangen hinweg nehmen, und so sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; den Kranken werden sie die Hände auflegen, und es wird mit ihnen besser werden.“ [Mk 16, 17-18 ] Diese Gnadengaben oder Geschenke wurden zuerst uns Aposteln verliehen, die wir das Evangelium jeder Kreatur verkünden sollten; sodann aber werden sie notwendiger Weise auch Denen zu Teil, welche durch uns zum Glauben gelangt sind, und sie werden gegeben nicht zum Nutzen Derer, welche die Wunder wirken, sondern zur Umstimmung der Ungläubigen, damit Diejenigen, welche das Wort nicht überzeugte, die Wundermacht zu Schanden mache. Diese Zeichen werden nicht für uns, die wir gläubig sind, gegeben, sondern für die Ungläubigen, sowohl unter Juden, als auch Griechen. Auch die Austreibung böser Geister bringt nicht uns Gewinn, die wir sie vornehmen, sondern Denen, welche durch die Kraft des Herrn von den dämonischen Einflüssen befreit werden. Hierüber belehrte uns der Herr selbst und zeigte es mit den Worten: „Darüber sollt ihr euch nicht freuen, dass euch die Geister untertänig sind, sondern freuet euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben stehen.“ [Lk 10, 20 ] Denn Jenes geschieht durch die Kraft des Herrn selbst, Dieses aber durch unsere Sorge und Mühe, wobei wir bekanntlich von ihm unterstützt werden. Es ist also nicht notwendig, dass jeder Gläubige Teufel austreibe oder Tode erwecke oder in verschiedenen Sprachen rede, sondern derjenige, welchem besondere Gnaden- und Wundergaben aus irgend einem nützlichen Grunde verliehen sind, besitzt dieselben zum Heile der Ungläubigen, die sich häufig nicht durch einen Wortbeweis, wohl aber durch die Macht der Wunder überführen lassen, da sie des Heiles würdig sind; denn nicht alle Gottlosen lassen sich  durch Wunder bekehren. Dies bezeugt der Herr selbst mit den Worten im Gesetze: „In fremden Sprachen und fremden Zungen will ich zu diesem Volke reden, und doch werden sie nicht glauben.“ [Jes 28, 11 ] [1. Kor 14, 21 ] Denn auch die Ägypter glaubten nicht an Gott, obgleich Moses so viele und so große Zeichen und Wunder tat. Auch die Mehrzahl der Juden glaubte nicht an Christum, der wie Moses jegliche Krankheit und Not heilte; die Ägypter ließen sich auch durch die Verwandlung des Stabes in eine lebendige Schlange, durch das an der Hand geschehene Wunder und durch die Umwandlung des Nil in Blut nicht im Mindesten bekehren; [Ex 7-11] auch die Juden blieben verstockten Herzens, obwohl sie gewahrten, dass Blinde sehen, Lahme geben, Tode aufstehen. [Mt 11, 5 ] Dem Moses widersetzten sich Jannes und Mambres, [2. Tim 3, 8 ] Christo aber Annas und Kaiphas. So werden nicht alle Menschen durch Zeichen und Wunder zum Glauben gebracht, sondern nur jene, welche ein unbefangenes Urteil über die Sachen haben, und zu deren Heile Gott, der Alles weise anordnet, Wunder wirken lässt; denn nicht in Folge menschlicher Kraft, sondern kraft göttlichen Willens werden Wunder gewirkt. Hiervon tun wir deswegen Erwähnung, damit ja Keiner, dem solche Gnadengaben verliehen sind, sich über Andere erhebe, welche nicht im Besitze derselben sind. Wir meinen hier jene Gnadengaben, die sich durch Wunder äussern; denn es gibt Niemanden, der durch Christus an Gott glaubt, welcher nicht eine geistige Gnadengabe erhalten hätte; es ist nämlich dies ein Gnadengeschenk Gottes, befreit zu sein von gottloser Verehrung vieler Götter und durch Christus an Gott den Vater zu glauben, gleichwie es eine Gnadengabe Gottes ist, abgeworfen zu haben die jüdische Decke und zu glauben, dass nach dem Wohlgefallen Gottes der Eingeborne, welcher vor Jahrtausenden das Dasein hatte, am Ende der Zeiten aus einer Jungfrau geboren wurde,  ohne Zutun eines Mannes, und dass er als Mensch hienieden wandelte, ohne Sünde, und jegliche Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllte, und dass Gott das Wort, unbekümmert um die Schmach, mit Gottes Zulassung das Kreuz auf sich nahm, und dass er gestorben und begraben wurde und nach drei Tagen auferstanden ist; und dass er nach seiner Auferstehung vierzig Tage mit den Aposteln beisammen blieb und nach Erfüllung aller Anordnung vor ihren Augen aufgenommen wurde zu Gott und dem Vater, welcher ihn gesandt hatte. Wer Dieses glaubt, nicht blindlings und nicht gegen die Vernunft, sondern auf Prüfung hin und mit voller Gewissheit, der hat von Gott eine Gnadengabe erhalten; in gleicher Weise auch der, welcher von jeder Ketzerei rein bewahrt worden ist. Wer also Zeichen und Wunder tut, verurteile und verdamme nicht jenen Gläubigen, welchem diese Gnadengaben nicht verliehen sind. Verschieden sind nämlich die Gnadengaben Gottes, die von ihm durch Christum ausgeteilt worden sind; und du hast [1. Kor 12, 8-10 ] diese empfangen, Jener wieder eine andere, nämlich entweder die Rede der Weisheit oder der (tieferen) Erkenntnis oder die Unterscheidung der Geister oder die Erkenntnis des Zukünftigen, oder die Lehrgabe, oder die Geduld, oder die gesetzliche Enthaltsamkeit. Denn auch Moses, der Mann Gottes, da er in Ägypten Wunder wirkte, erhob sich nicht gegen seine Landsleute, und da er ein Gott genannt worden, ward er nicht stolz gegen seinen Propheten Aaron.  [Ex 7, 1 ] So auch Jesus, der Sohn des Nave, welcher nach Moses der Führer des Volkes gewesen, obgleich er im Kriege gegen die Jebusiten, da ein Tag nicht hinreichte zum Siege, die Sonne still stehen ließ gen Gabaon und den Mond gen Ajalon, war nicht übermütig gegen Phinees oder Kaleb. [Jos 10] Auch Samuel, welcher so viele Wunder getan, ließ sich gegen den frommen und Gott lieben David Nichts zu Schulden kommen, sondern beide waren Propheten, jener nämlich der Priester, dieser aber der König. Und da in Israel siebentausend Heilige waren, welche das Knie vor Baal nicht beugten  [1. Kö 19, 18 ], und aus ihnen Elias und sein Schüler Elisäus allein Wunder wirkten, so hat doch Elias den gottesfürchtigen Hausmeister Abdias, welcher nicht Wunder tat, nicht verachtet, noch Elisäus [2. Kö 6] seinen Schüler, welcher vor den Feinden flüchtete, verhöhnt; aber auch der weise Daniel, [Dan 6,3ff]  welcher zweimal aus dem Rachen der Löwen befreit wurde, noch die drei Jünglinge, welche aus dem Feuerofen befreit wurden, ließen den übrigen Männern ihres Volkes davon Etwas fühlen. Denn sie wussten, dass sie nicht durch ihre Kraft den Gefahren entkommen, sondern dass sie durch Gottes Kraft sowohl Wunder gewirkt haben als in den Bedrängnissen gerettet worden. Daher soll Niemand von euch, wenn auch Prophet oder Wundertäter, sich gegen seinen Bruder erheben. Denn ergäbe es sich, dass kein Ungläubiger mehr wäre, so wäre fürder jegliches Wunderwirken überflüssig. Denn fromm zu sein, entspringt aus dem guten Willen eines Jeglichen, aber Wunder zu wirken aus der Kraft Desjenigen, welcher die Wundergabe verleiht; das Erstere davon bezieht sich auf uns selbst, das Andere auf Gott, welcher aus oben genannten Gründen wirkt. Folglich soll auch der König die ihm untergebenen Feldherrn, der Herrscher seine Untergebenen nicht gering schätzen. Denn wenn es keine Untergeordneten gäbe, so wären die Präfekten überflüssig, und wenn es keine Führer des Heeres gäbe, so könnte das Reich nicht bestehen: so soll auch nicht der Bischof gegen die Diakonen oder Priester sich erheben und nicht die Priester gegen das Volk; denn aus beiden besteht die Gemeinschaft. Die Bischöfe und Ältesten sind Priester für Jemanden (für die Laien), und die Laien sind für Jemanden (für die Priester) Laien; und ein Christ zu sein, steht in unserer Macht, aber Apostel oder Bischof oder etwas Ähnliches, das ist nicht in unserer Macht, sondern wem Gott das Charisma verleiht. Dieses also bisher Gesagte bezieht sich auf Diejenigen, welche gewürdigt worden, Gnadengaben oder Würden zu empfangen.

(aus “Bibliothek der Kirchenväter”, Die apostolischen Konstitutionen: Achtes Buch: Von den Gnadengaben, 1. Kap.)

Johannes Chrysostomos (ca. 349 – 407 n.Chr.):
(Erzbischof von Konstantinopel, heute Istanbul/Türkei)

1 Corinthians 12:1-2

‘Now concerning spiritual gifts, brethren, I would not have you ignorant. You know that when you were Gentiles, you were led away unto those dumb idols, howsoever ye might be led.’

This whole place is very obscure: but the obscurity is produced by our ignorance of the facts referred to and by their cessation, being such as then used to occur but now no longer take place. And why do they not happen now? Why look now, the cause too of the obscurity has produced us again another question: namely, why did they then happen, and now do so no more?

This however let us defer to another time, but for the present let us state what things were occurring then. Well: what did happen then? Whoever was baptized he straightway spoke with tongues and not with tongues only, but many also prophesied, and some also performed many other wonderful works. For since on their coming over from idols, without any clear knowledge or training in the ancient Scriptures, they at once on their baptism received the Spirit, yet the Spirit they saw not, for It is invisible; therefore God’s grace bestowed some sensible proof of that energy. And one straightway spoke in the Persian, another in the Roman, another in the Indian, another in some other such tongue: and this made manifest to them that were without that it is the Spirit in the very person speaking. Wherefore also he so calls it, saying, „But to each one the manifestation of the Spirit is given to profit withal;“ [1 Corinthians 12:7 ] calling the gifts „a manifestation of the Spirit.“ For as the Apostles themselves had received this sign first, so also the faithful went on receiving it, I mean, the gift of tongues; yet not this only but also many others: inasmuch as many used even to raise the dead and to cast out devils and to perform many other such wonders: and they had gifts too, some less, and some more. But more abundant than all was the gift of tongues among them: and this became to them a cause of division; not from its own nature but from the perverseness of them that had received it: in that on the one hand the possessors of the greater gifts were lifted up against them that had the lesser: and these again were grieved, and envied the owners of the greater. And Paul himself as he proceeds intimates this.”

(aus “New Advent: Chruch Fathers, Homilies on First Corinthians (Chrysostomus), Homiliy 29)

Augustinus von Hippo (354-430):
(Kirchenlehrer in Hippo Regius in Numidien, heute Annaba in Algerien)

“In the earliest times, „the Holy Ghost fell upon them that believed: and they spoke with tongues,“ which they had not learned, „as the Spirit gave them utterance.“ [Acts 2:4 ] These were signs adapted to the time. For there behooved to be that betokening of the Holy Spirit in all tongues, to show that the Gospel of God was to run through all tongues over the whole earth. That thing was done for a betokening, and it passed away. In the laying on of hands now, that persons may receive the Holy Ghost, do we look that they should speak with tongues? Or when we laid the hand on these infants,  did each one of you look to see whether they would speak with tongues, and, when he saw that they did not speak with tongues, was any of you so wrong-minded as to say, These have not received the Holy Ghost; for, had they received, they would speak with tongues as was the case in those times? If then the witness of the presence of the Holy Ghost be not now given through these miracles, by what is it given, by what does one get to know that he has received the Holy Ghost? Let him question his own heart. If he love his brother the Spirit of God dwells in him.”

(aus New Advent, Fathers of the Church, Homilies on First John (Augustine), Homily 6, par. 10)