{"id":1441,"date":"2009-12-27T21:55:32","date_gmt":"2009-12-27T19:55:32","guid":{"rendered":"http:\/\/sschweizer.wordpress.com\/?p=1441"},"modified":"2020-05-08T17:00:33","modified_gmt":"2020-05-08T15:00:33","slug":"warum-sich-protestanten-und-katholiken-oft-nicht-verstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=1441","title":{"rendered":"Warum sich Protestanten und Katholiken oft nicht verstehen&#8230;"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Warum sich Protestanten und Katholiken oft nicht verstehen&#8230;\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=1441\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Nach der letzten teilweise recht hitzigen Diskussion \u00fcber das katholische Dogma der &#8220;unbefleckte Empf\u00e4ngnis Marias&#8221; auf <a title=\"Storchs Blog &quot;die Sch\u00f6nheit des Simplexen&quot;\" href=\"http:\/\/www.pastor-storch.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Storchs Blog<\/a> (siehe den Artikel <a title=\"Die unbefleckte Empf\u00e4ngnis Marias\" href=\"http:\/\/www.pastor-storch.de\/2009\/11\/30\/die-unbefleckte-empfangnis-marias\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8220;Die unbefleckte Empf\u00e4ngnis Marias&#8221;<\/a>) habe ich mich (mal wieder) gefragt, warum sich eigentlich Protestanten und Katholiken oft so schwer tun, theologische Dinge<em> sachlich <\/em>zu er\u00f6rtern. Ich hatte zudem den Eindruck, dass die Bereitschaft,<em> gemeinsam<\/em> nach der Wahrheit zu suchen teilweise fehlte. Warum lassen wir uns nicht mehr auf den anderen und seine Sichtweise ein? Gibt es tats\u00e4chlich kaum etwas, was wir vom Anderen lernen k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Ich glaube, dass das Problem nicht einfach nur an un\u00fcberbr\u00fcckbaren Meinungsverschiedenheiten liegt, sondern vor allem an Vorurteilen dem anderen Gegen\u00fcber und damit letztendlich am mangelnden gegenseitigen Vertrauen. Ich kann das meine ich so sagen, da ich beider Konfessionen mittlerweile recht gut kenne. Denn ich war 28 Jahre Katholik (aufgrund der Entscheidung meiner Eltern), dann 13 Jahre Protestant (aufgrund meiner eigenen Entscheidung) und seit April 2009 wieder Katholik (nach gr\u00fcndlicher Pr\u00fcfung unter Ber\u00fccksichtigung aller mir bekannten Gegenargumente aus protestantischer\/freikirchlicher Sicht). Ich denke also, dass ich die Ansichten, Denkweisen und Argumente beider Seiten recht gut kenne.<\/p>\n<p>Gute Argumente zu haben, ist in den zwischenkonfessionellen Diskussionen meist nicht das Problem. M.E. sind es eher &#8220;eingefleischte&#8221; Vorurteile und emotionsgetriebene Polemik. Sind wir Christen denn eigentlich nicht zur gegenseitiger Liebe aufgerufen (<a title=\"www.bibleserver.com\" href=\"http:\/\/www.bibleserver.com\/act.php?text_ref=43013000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Joh 13,34ff<\/a>)? Dieses Gebot scheint zwischen Protestanten und Katholiken h\u00e4ufig nicht mehr zu gelten bzw. wichtig genommen zu werden.<\/p>\n<p>Warum ist es also oft so schwer, eine sachliche Diskussion \u00fcber theologische Differenzen zu f\u00fchren? Ich w\u00fcrde sagen in erster Linie, weil wir (s\u00fcndige) Menschen sind! Und weil wir wie gesagt so viele Vorurteile dem anderen gegen\u00fcber haben. Diese Vorurteile haben nat\u00fcrlich meist einen wahren Kern bzw. sind aufgrund tats\u00e4chlicher Fehler und Fehlverhalten in der Vergangenheit entstanden. Die Frage ist nur, ob man jetzt die n\u00e4chsten Jahrhunderte daran weiter festhalten muss bzw. ob sie immer noch &#8220;berechtigt&#8221; sind. Eine ganze Reihe von Vorurteilen sind m.E. sogar b\u00f6swillig aus Gr\u00fcnden der konfessionellen Polemik durch Verdrehung und Verf\u00e4lschung der Wahrheit verbreitet worden. Es ist schon erschreckend wie viel Unsinn teilweise \u00fcber die Katholiken und auch Protestanten erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p><!--more-->Hier mal eine beispielhafte Liste von (meist pauschalisierenden) Vorurteilen, die mir spontan so einfallen:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr Katholiken z\u00e4hlt die Bibel nicht (obwohl es stimmt, dass es viel zu viele Katholiken gibt, die die Bibel nur unzureichend kennen)<\/li>\n<li>Katholiken k\u00f6nnen\/m\u00fcssen nichts von Protestanten lernen<\/li>\n<li>Protestanten k\u00f6nnen\/m\u00fcssen nichts von Katholiken lernen<\/li>\n<li>Katholiken haben keine wirkliche Liebe(-sbeziehung) zu Gott, sondern pflegen nur Rituale<\/li>\n<li>Katholiken erfinden Dogmen<\/li>\n<li>Protestanten sind keine echten Christen (was angeblich sogar die kath. Kirche so lehren w\u00fcrde)<\/li>\n<li>Der kath. Kirche geht und ging es schon immer nur um Macht und nicht um Gott<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Liste k\u00f6nnte man endlos fortf\u00fchren.<\/p>\n<p>Weiterhin machen es m.E. folgende Denkfehler sehr schwierig, sachliche Diskussionen zu f\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Jeder Mensch ist f\u00fcr alles, was in der Vergangenheit in seiner &#8220;Gemeinschaft&#8221; passiert ist voll verantwortlich (z.B. jeder Katholik f\u00fcr jeden Fehler der kath. Kirche in der Vergangenheit)<\/li>\n<li>Menschen und Gemeinschaften k\u00f6nnen sich &#8211; selbst nach Jahrhunderten &#8211; nicht \u00e4ndern (z.B. denkt und handelt die kath. Kirche immer noch &#8220;mittelalterlich&#8221;)<\/li>\n<li>Es ist richtig und fair (tragische) Ereignisse in der Vergangenheit lediglich nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben zu beurteilen (z.B. wird die Verfolgung von Irrlehrern in der Geschichte der kath. Kirche nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben einer pluralistischen Gesellschaft bewertet und nicht nach der damaligen Zeit)<\/li>\n<li>(Kirchen-)geschichte ist nicht komplex, sondern ganz simpel &#8211; es ist eigentlich immer nur der andere allein schuld gewesen (z.B. bzgl. der Bewertung der Ereignisse der Reformation)<\/li>\n<li>Es ist nicht n\u00f6tig herauszufinden, was der andere wirklich glaubt, sondern es reicht aus, dem anderen das vorzuwerfen, was man meint, was der andere f\u00e4lschlicherweise glaubt (z.B. bzgl. des Vorwurfs, dass kath. Christen Maria anbeten w\u00fcrden, auch wenn es richtig sein mag, dass die Marienverehrung bei Katholiken teilweise \u00fcberbetont wurde)<\/li>\n<li>Was nicht (100%ig) bewiesen werden kann ist unwahr oder muss zumindest nicht (als Christ) geglaubt werden (damit stellt man die Glaubw\u00fcrdigkeit der christlichen Lehre insgesamt in Frage, denn ein theologisches Argument, auch ein &#8220;Schriftbeweis&#8221; kann von sich aus nie als <em>zwingend <\/em>als wahr zu glauben gelten; man kann lediglich versuchen, die eigenen Ansichten dem Andersdenkenden\/-gl\u00e4ubigen plausibel\/nachvollziehbar zu machen; letztendlich m\u00fcssen alle theologischen Argumente &#8211; nach gr\u00fcndlicher vernunftgem\u00e4\u00dfer Pr\u00fcfung &#8211; eben doch &#8220;geglaubt&#8221; werden; vgl. hierzu auch die Einf\u00fchrung zu <a title=\"Countering Bible Contradictions\" href=\"http:\/\/www.bringyou.to\/apologetics\/bible.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Countering Bibel Contradictions<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch diese Liste k\u00f6nnte ich noch sehr lange fortf\u00fchren. Mir geht es aber hier nicht um Vollst\u00e4ndigkeit, sondern um eine Anregung zum Nachdenken in der Hoffnung, damit den konstruktiven Dialog zwischen Protestanten und Katholiken zu f\u00f6rdern. Beide Konfessionen haben schlie\u00dflich von Jesus das Gebot des &#8220;Einsseins&#8221; erhalten (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Johannes17%2C21-23\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Joh 17,21-23<\/a>). Somit k\u00f6nnen und d\u00fcrfen wir nicht einfach nebeneinander her leben, ohne von ganzem Herzen die Einheit miteinander zu suchen. Eine Gelegenheit hierzu w\u00e4re vielleicht auch der <a title=\"\u00d6kumenischer Kirchentag in M\u00fcnchen\" href=\"http:\/\/www.oekt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00d6kumenische Kirchentag in M\u00fcnchen<\/a> am 12.-16. Mai 2010. Ich erhoffe und w\u00fcnsche mir da ernsthafte und tiefgehende Gespr\u00e4che, die uns einen echten Schritt zur \u00dcberwindung der Spaltung der Christenheit weiterbringen (zumindest auf lokaler Ebene). Dazu geh\u00f6rt m.E. auch die Offenheit f\u00fcr das Eingest\u00e4ndnis von eigenen Fehlern. Eine oberfl\u00e4chliche \u00d6kumene wird ja bereits heute gelebt, aber was wir brauchen ist eine <em>echte<\/em> Einheit der Christen, n\u00e4mlich eine einige Kirche, so wie Jesus das geboten hat&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der letzten teilweise recht hitzigen Diskussion \u00fcber das katholische Dogma der &#8220;unbefleckte Empf\u00e4ngnis Marias&#8221; auf Storchs Blog (siehe den Artikel &#8220;Die unbefleckte Empf\u00e4ngnis Marias&#8221;) habe ich mich (mal wieder) gefragt, warum sich eigentlich Protestanten und Katholiken oft so schwer tun, theologische Dinge sachlich zu er\u00f6rtern. 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