{"id":1680,"date":"2010-02-08T13:58:08","date_gmt":"2010-02-08T12:58:08","guid":{"rendered":"http:\/\/sschweizer.wordpress.com\/?p=1680"},"modified":"2020-05-08T15:08:47","modified_gmt":"2020-05-08T13:08:47","slug":"widerspruche-in-der-bibel-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=1680","title":{"rendered":"Widerspr\u00fcche in der Bibel (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Widerspr\u00fcche in der Bibel (Teil 1)\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=1680\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>In dieser Blogserie m\u00f6chte ich auf (scheinbare) Widerspr\u00fcche in der Bibel eingehen und wie man sie erkl\u00e4ren und ggf. aufl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>Vor einiger Zeit nun bin ich auf einen Artikel von <a title=\"Jacob Wiebe\" href=\"http:\/\/context21.wordpress.com\/about\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">jaasch<\/a> auf <a title=\"CONTEXT 21\" href=\"http:\/\/context21.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">CONTEXT 21<\/a> gesto\u00dfen mit dem Titel &#8220;<a title=\"CONTEXT 21\" href=\"http:\/\/context21.wordpress.com\/2009\/12\/14\/wahre-weihnacht-%E2%80%93-eine-kleine-entmythologisierung-02\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wa(h)re Weihnacht \u2013 eine kleine Entmythologisierung. 02<\/a>&#8220;. Dort wird behauptet, dass Jesus nicht wirklich in einer Krippe eines Stalles, sondern in einem (normalen) Wohnhaus (jedoch mit integriertem Stall wie das damals \u00fcblich gewesen sei) geboren wurde.<\/p>\n<p>Begr\u00fcndet wird dies damit:<\/p>\n<blockquote><p>Dass eine reisende, \u201cschwangere Familie\u201d in einen Stall verfrachtet wurde, widerspricht nicht nur dem biblischen Bericht, sondern steht auch im krassen Widerspruch zur damaligen Kultur der Gastfreundschaft, in der man bereit war, nicht nur seinen Wohnraum, sondern auch \u201csein letztes Essen\u201d mit einem Fremden zu teilen.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schauen wir uns doch mal zun\u00e4chst die besagte Passage im Lukas-Evangelium an:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;1 In jenen Tagen erlie\u00df Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. 2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. 3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. 4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galil\u00e4a hinauf nach Jud\u00e4a in die Stadt Davids, die Betlehem hei\u00dft; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. 6 Als sie dort waren, kam f\u00fcr Maria die Zeit ihrer Niederkunft, 7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz f\u00fcr sie war.&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Lukas2%2C1-6\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lk 2,1-6<\/a>\/E\u00dc)<\/p><\/blockquote>\n<p>Lukas berichtet also, dass Maria und Josef keinen Platz in einer Herberge fanden und Jesus deshalb in eine (Futter-)Krippe (in einem Stall) gelegt werden musste.<\/p>\n<p>Im Matth\u00e4us-Evangelium wird indes berichtet, dass die Sterndeuter das Jesuskind in einem Haus antrafen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;1 Als Jesus zur Zeit des K\u00f6nigs Herodes in Betlehem in Jud\u00e4a geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem 2 und fragten: Wo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 3 Als K\u00f6nig Herodes das h\u00f6rte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. 4 Er lie\u00df alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. 5 Sie antworteten ihm: In Betlehem in Jud\u00e4a; denn so steht es bei dem Propheten: 6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den f\u00fchrenden St\u00e4dten von Juda; denn aus dir wird ein F\u00fcrst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. 7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und lie\u00df sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. 8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgf\u00e4ltig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. 9 Nach diesen Worten des K\u00f6nigs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. 10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr gro\u00dfer Freude erf\u00fcllt. 11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Sch\u00e4tze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. 12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zur\u00fcckzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Matth%C3%A4us2%2C1-12\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mt 2,1-12<\/a>\/E\u00dc)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Kirchenvater und Kirchenhistoriker <a title=\"Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eusebius_von_Caesarea\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Eusebius von C\u00e4sarea<\/a> (ca. 260-340 n.Chr.) hat jedoch bereits in &#8220;Evangelienfragen und L\u00f6sungen an Stephanus&#8221; darauf hingewiesen, dass die Sterndeuter nach dem Matth\u00e4us-Evangelium (siehe <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Matth%C3%A4us2%2C13-17\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mt 2,13-17<\/a>) ganz offensichtlich erst zwei Jahre nach der Geburt Jesu in Bethlehem ankamen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;2. Welcher Zeitraum aber zwischen der Erscheinung des Sterns f\u00fcr die Magier bei der Geburt unseres Heilands und deren Ankunft in Jerusalem liegt, lehrt dich der Evangelist selbst mit den Worten: <em>Da rief Herodes die Magier heimlich zu sich und erkundete von ihnen den genauen Zeitpunkt der Erscheinung des Sterns<\/em> [<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Matth%C3%A4us2%2C7\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mt 2,7<\/a>].&#8221; Und als er ihn von ihnen erfragt und erkannt hatte, da\u00df es der und der sei, und als er nach der heimlichen Abreise der Magier sah, da\u00df er von ihnen hintergangen worden war, <em>da wurde er sehr zornig, sandte Leute aus und lie\u00df alle Knaben in Bethlehem und der ganzen Umgebung umbringen, die zweij\u00e4hrig und j\u00fcnger waren, entsprechend dem Zeitpunkt, den er von den Magiern erfahren hatte <\/em>[<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Matth%C3%A4us2%2C16\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mt 2,16<\/a>]<em>. <\/em>Also war von der Geburt Jesu bis zur Ankunft der Genannten bereits ein Zeitraum von zwei Jahren verstrichen.\u00a0 Und somit stehen die Angaben bei den heiligen Evangelisten nicht im Widerspruch zu einander, wenn Lukas ihn am achten Tag nach der Geburt zusammen mit seinen Eltern zur Erf\u00fcllung der Gesetzesvorschriften nach Jerusalem hinaufgehen und ihn von dort nach Nazareth bringen l\u00e4\u00dft, w\u00e4hrend Matth\u00e4us schreibt, sie seien nach zwei Jahren wieder nach Bethlehem gekommen und auf Grund der Nachstellung des K\u00f6nigs nach \u00c4gypten weggegangen; denn nat\u00fcrlich kamen sie nicht nur ein zweites Mal, sondern sehr oft an diesen Ort zur\u00fcck im Gedenken an das Wunder. So wird unzweifelhaft bewiesen, da\u00df der Zeitpunkt, an welchem nach Lukas unser Heiland geboren wurde, nicht derselbe ist wie derjenige, an welchem nach Matth\u00e4us die Magier aus dem Orient ankamen.<\/p>\n<p>3. Da\u00df es sich bei beiden Evangelisten nicht um denselben Zeitpunkt handelt, kann man auch noch auf andere Weise erschlie\u00dfen. Lukas n\u00e4mlich sagt, sie h\u00e4tten keine Herberge in Bethlehem gefunden; daher h\u00e4tte sie (d.h. Maria) nach Geburt das Kind in eine Krippe gelegt, da sie keinen Raum in der Herberge hatten; es ist ja nat\u00fcrlich, da\u00df auf Grund des Zensus von allenthalben alle Abk\u00f6mmlinge des Hauses und der Sippe Davids in der genannten Stadt zusammenstr\u00f6mten, und da\u00df wegen der Menge der G\u00e4ste sie keine Herberge fanden. Matth\u00e4us aber sagt: <em>Als die Magier den K\u00f6nig Herodes geh\u00f6rt hatten, zogen sie nach Bethlehem. Und siehe, der Stern, den sie im Orient gesehen hatten, zog vor ihnen her, bis an den Ort, wo das Kind mit Maria, seiner Mutter, war; und sie warfen sich zu Boden und huldigten ihm<\/em> [vgl. <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Matth%C3%A4us2%2C9-11\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mt 2,9-11<\/a>]<\/a>. Sie aber finden das Kind nicht in der Krippe vor, wie es bei den Hirten der Fall war, sondern sie sehen es zusammen mit seiner Mutter in einem Haus. Wenn nun Lukas sagt, sie h\u00e4tten keinen Raum in der Herberge gehabt, wie kann dann Matth\u00e4us ihnen ein Haus zuteilen? Da Lukas die Zeit der Geburt beschreibt, die auch die Zeit des Zensus war, zu welcher die Angeh\u00f6rigen desselben Geschlechts massenweise in der Stadt Davids zusammenstr\u00f6mten, w\u00e4hrend Matth\u00e4us die Begebenheit nach einem Zeitraum von zwei Jahren berichtet (denn dies war die Zeit, die Herodes von den Magiern genau erfragt hatte); so also herrschte in Bethlehem Ruhe und sie fanden nach Matth\u00e4us leicht eine Unterkunft; und daher gingen die Magier in das Haus hinein, sahen das Kind zusammen mit Maria, seiner Mutter, warfen sich zu Boden und huldigten ihm. Dies ist die L\u00f6sung des Problems.&#8221; (aus Helmut Merkel: &#8220;<a title=\"Google Books\" href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=FWMcAAAAMAAJ&amp;source=gbs_slider_thumb\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Pluralit\u00e4t der Evangelien<\/a>&#8220;, S. 75-76)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie man sieht, sollte man bei der Interpretation der Bibel keine voreiligen Schl\u00fcsse ziehen. Viel zu schnell ist man sonst dabei, die Glaubw\u00fcrdigkeit der Bibel zu Unrecht in Frage zu stellen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Blogserie m\u00f6chte ich auf (scheinbare) Widerspr\u00fcche in der Bibel eingehen und wie man sie erkl\u00e4ren und ggf. aufl\u00f6sen kann. Vor einiger Zeit nun bin ich auf einen Artikel von jaasch auf CONTEXT 21 gesto\u00dfen mit dem Titel &#8220;Wa(h)re Weihnacht \u2013 eine kleine Entmythologisierung. 02&#8220;. 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