{"id":1898,"date":"2010-05-01T16:22:09","date_gmt":"2010-05-01T15:22:09","guid":{"rendered":"http:\/\/sschweizer.wordpress.com\/?p=1898"},"modified":"2020-05-08T14:59:19","modified_gmt":"2020-05-08T12:59:19","slug":"nachtrag-zu-uber-den-sexuellen-missbrauch-in-der-kath-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=1898","title":{"rendered":"Nachtrag zu &#8220;\u00dcber den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche&#8221;"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Nachtrag zu &#8220;\u00dcber den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche&#8221;\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=1898\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Hier noch ein Nachtrag zu meinem vorigen Beitrag &#8220;<a title=\"Projekt-Kirche-Blog\" href=\"http:\/\/sschweizer.wordpress.com\/2010\/04\/20\/ueber-den-sexuellen-missbrauch-in-der-kath-kirche\/\">\u00dcber den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche<\/a>&#8220;:<\/p>\n<p>Ich habe letzten Dienstag an der im letzten Artikel genannten <a title=\"Jesuiten St. Michael\" href=\"http:\/\/st-michael-muenchen.de\/index.php?id=220&amp;tx_seminars_pi1[showUid]=173&amp;PHPSESSID=c6834996265a654d82ecde3de007a117\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Podiumsdiskussion \u00fcber den \u201esexuellen Missbrauch in der Kirche<\/a>\u201c (Jesuiten, M\u00fcnchen) teilgenommen. Und es war wirklich sehr interessant und aufschlussreich.<\/p>\n<p>Schade fand ich nur, dass im Hinblick auf die in der letzten Zeit so intensiv gef\u00fchrten Diskussion zu diesem Thema verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenige Besucher da waren. Ich vermute, dass es eben <em>eine <\/em>Sache ist, als Unbeteiligter \u201eaus der Ferne\u201c mit zu diskutieren, <em>eine<\/em> <em>andere <\/em>sich ernsthaft(er) mit dem Thema zu besch\u00e4ftigen und es wirklich an sich (pers\u00f6nlich) heran zu lassen. D.h., wenn eine Sache f\u00fcr einen selbst konkreter wird, dann ist das Interesse offenbar nicht mehr ganz so gro\u00df&#8230;<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, im Folgenden m\u00f6chte ich ein paar Punkte aufgreifen, die ich aus der Veranstaltung mitgenommen habe:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ol>\n<li>Das,      was in der Zeitung \u00fcber die Missbrauchsf\u00e4lle steht stimmt (tats\u00e4chlich), betonte gleich zu Anfang ein Kirchenvertreter. Diese Aussage war m.E. wichtig, da doch das      eine oder andere Kirchenmitglied in der Vergangenheit von einer \u201eHetzkampagne\u201c der Medien gegen die Kirche gesprochen hatte. Nat\u00fcrlich      waren und sind die Medien nicht immer besonders objektiv und bauschen aus      Vermarktungsgr\u00fcnden auch mal das eine oder andere Thema auf. Aber das      machen sie m.E. bei allen brisanten Themen, nicht nur bei kirchlichen.<\/li>\n<li>Sexueller      Missbrauch ist so schwerwiegend, dass man unter Psychologen von      \u201eSeelenmord\u201c spricht. D.h. die Betroffenen sind f\u00fcr ihr Leben lang      psychisch schwer gesch\u00e4digt. Das best\u00e4tigte mich in meiner Einsch\u00e4tzung,      dass sexueller Missbrauch zu den schlimmsten Vergehen geh\u00f6rt, die Menschen      einander antun k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Lt.      der Missbrauchsbeauftragten des Jesuitenordens w\u00fcrde die      strafrechtliche Verfolgung der Taten den Opfern (i.d.R.) nicht viel helfen.      Im Gegenteil, viele Opfer wollen gar keinen Prozess, da sie diesen      emotional nur schwer durchstehen k\u00f6nnten. Denn sie w\u00fcrden dann wieder mit dem      T\u00e4ter und vor allem auch mit dessem Rechtsanwalt konfrontiert werden, der i.d.R. kritische Fragen stellen und      die Glaubw\u00fcrdigkeit des Opfers m\u00f6glicherweise anzweifeln wird. Das Bezweifeln des      Missbrauchs bzw. der Umstand, dass dem Opfer (wieder) nicht geglaubt wird, w\u00e4re eine      erneute massive Belastung f\u00fcr das Opfer. D.h. das, was der Kirche in der \u00d6ffentlichkeit mit am meisten vorgeworfen      wurde, n\u00e4mlich, dass sie nicht alle Missbrauchsf\u00e4lle (sofort) der      Staatsanwaltschaft gemeldet hatte ist zumindest f\u00fcr die meisten Opfer selbst nicht      so relevant bzw. sogar gar nicht erw\u00fcnscht gewesen.<\/li>\n<li>Genauso w\u00e4re ein \u00f6ffentlich machen der Missbr\u00e4uche oft kontraproduktiv, n\u00e4mlich dann, wenn die Namen der Opfer bekannt w\u00fcrden. Diese seien n\u00e4mlich dann oft von ihrer Umgebung besch\u00e4menden Vorw\u00fcrfen ausgesetzt wie z.B. in einem Fall, wo sinngem\u00e4\u00df zum Missbrauchsopfer gesagt wurde: &#8220;Du bist schuld, dass wir jetzt keinen Pfarrer mehr haben!&#8221;. Es ist zwar kaum zu glauben, dass den Opfern zus\u00e4tzlich zu ihrem Leid auch noch solche (unberechtigte) Vorw\u00fcrfe gemacht werden, aber dies kommt in der Praxis leider wohl all zu oft vor.<\/li>\n<li>Lt.      der Erfahrung der eingeladenen \u00c4rztin und Psychotherapeutin (Arbeitsgebiet      Sexualmedizin\/Missbrauch) sind \u00fcbrigens viele Opfer erst Jahrzehnte sp\u00e4ter in der      Lage \u00fcber den Missbrauch zu sprechen. Selbst in einer Therapie br\u00e4uchte es      oft f\u00fcnf Jahre und mehr bis sich die Opfer dem\/der Therapeuten\/in bzgl. dieser      Dinge \u00f6ffnen k\u00f6nnten. Erschwerend komme dann oft noch das Problem der Finanzierung der Therapie hinzu, da von den Krankenkassen h\u00e4ufig so lange Therapien gar nicht bezahlt werden w\u00fcrden.<br \/>\nIch pers\u00f6nlich finde es schlimm mir vorzustellen, dass es Missbrauchsopfer in unserer Gesellschaft gibt, denen nicht geholfen wird bzw. werden kann, da sie entweder (noch) nicht \u00fcber ihr Trauma sprechen k\u00f6nnen oder aus finanziellen oder anderen Gr\u00fcnden keine ausreichende Hilfe in Form einer Therapie erhalten (k\u00f6nnen).<\/li>\n<li>Bzgl.      der T\u00e4ter sagte die Expertin, dass viele ihre Vergehen erst viele      Jahre sp\u00e4ter realisieren w\u00fcrden (selbst nach jahrelanger Haft und      Therapie). Viele h\u00e4tten wohl gar kein richtiges Schuldbewusstsein, da sie      die Tat bzw. Taten v\u00f6llig verdr\u00e4ngten bzw. als nicht verwerflich ansehen      w\u00fcrden. Das k\u00f6nnte m.E. erkl\u00e4ren, warum die Beichte oft      wenig hilft, da der Missbrauch gar nicht vom T\u00e4ter (als S\u00fcnde) er- und bekannt      wird.<\/li>\n<li>Die      besagte \u00c4rztin konnte \u00fcbrigens den im letzten Artikel von mir erw\u00e4hnten Zusammenhang      zwischen Homosexualit\u00e4t und P\u00e4dophilie nicht best\u00e4tigen.<\/li>\n<li>Einer      der kirchlichen Vertreter vermutete \u00fcbrigens, dass sich viele der Verantwortlichen      wohl deshalb so wenig um die Opfer gek\u00fcmmert h\u00e4tten, weil es f\u00fcr sie      einfacher (\u201eweniger anstrengend\u201c) war, einfach nur die T\u00e4ter      \u201eabzuschieben\u201c anstatt sich mit der Situation und dem Leid der Opfer      auseinander setzen zu m\u00fcssen (Eigenschutz vor Opferschutz). Damit war das Thema f\u00fcr      sie offenbar erst mal erledigt (d.h. das \u201eProblem\u201c war nun nicht mehr in ihrem      Verantwortungsbereich). Sie machten sich vermutlich keine      weiteren Gedanken, was aus den Opfern und dem T\u00e4ter weiter werden w\u00fcrde.      Und scheinbar belastete sie der Gedanke nicht so sehr (wenn sie ihn      \u00fcberhaupt hatten), dass sich der T\u00e4ter in seiner neuen Wirkungsst\u00e4tte neue      Opfer suchen k\u00f6nnte.<br \/>\nDieser (menschliche) Mechanismus, Verantwortung nicht wirklich (im vollen n\u00f6tigen Umfang) anzunehmen,      um sich dadurch selbst von schwierigen, belastenden und oft langwierigen Themen zu      entbinden kenne ich \u00fcbrigens auch aus eigener Erfahrung. So hatte man sich      in einer evang. Einrichtung eines offensichtlich unbequemen      Therapie-Patienten (ein mit mir befreundeten Alkoholiker) auf absolut nichtchristlicher Art und      Weise entledigt und selbst auf meinen Einspruch hin nicht positiv      reagiert.<br \/>\nIn einem anderen Fall wurde ein demenzkranker Rentner (mein ehemaliger Nachbar) offensichtlich von      einer betr\u00fcgerischen Pflegerin um sein Verm\u00f6gen gebracht, womit sich aber      weder staatliche Stellen noch ein involvierter Rechtsanwalt wirklich      besch\u00e4ftigen wollten.<br \/>\nIn beiden F\u00e4llen handelte man zwar formal korrekt (zumindest in der eigenen      Auslegung der Sachverhalte), aber man wollte den Opfern ganz      offensichtlich nicht auf \u201eeigene Zeit und Kosten\u201c helfen.<\/li>\n<li>Ein      weiterer kirchlicher Vertreter, der mit der Aufarbeitung der      Missbrauchsf\u00e4lle z.Z. befasst ist, wies auf die Problematik hin, dass mancher      in der Kirche (bzw. im Jesuitenorden) die Diskussion \u00fcber die Missbrauchsf\u00e4lle lieber schon beenden      wollte, da doch \u201ejetzt schon lange genug \u00fcber dieses Thema gesprochen      wurde und es doch endlich mal wieder Schluss sein muss\u201c.<br \/>\nDaraus l\u00e4sst sich      m.E. erkennen, dass viele der Beteiligten die Schwere und das Ausma\u00df      dieser Kirchenkrise gar nicht wirklich erfasst haben bzw. nicht verstehen,      dass mit ein paar Entschuldigungen das \u201ekirchen-systemische\u201c Problem noch      lange nicht gel\u00f6st ist. Dieses Verhalten ist mir \u00fcbrigens aus meiner      eigenen Missbrauchserfahrung (jedoch nicht sexueller, sondern geistlicher Art)      in einer (nicht-katholischen) Freikirche bekannt (siehe &#8220;<a title=\"Projekt-Kirche-Website\" href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/html\/uber_mich.html\">\u00dcber mich<\/a>&#8221; bzw. &#8220;<a title=\"Projekt-Kirche-Blog\" href=\"http:\/\/sschweizer.wordpress.com\/2009\/03\/15\/geistlicher-missbrauch\/\">Geistlicher Missbrauch<\/a>&#8220;). Das ist m.E. auch nicht weiter verwunderlich, denn wenn die      entsprechenden Verantwortlichen sich dieser Problematik wirklich bewusst      gewesen w\u00e4ren bzw. sie wirklich verstanden h\u00e4tten, dann h\u00e4tten sie ja      schon sehr viel fr\u00fcher \u2013 von sich aus \u2013 gehandelt. Leider hatte es ja      dem Druck der Medien bedurft, um die Aufarbeitung der Missbrauchsf\u00e4lle ins      Rollen zu bringen.<\/li>\n<li>Von      kirchlicher Seite wurde zum Schluss bemerkt, dass es als Pr\u00e4vention f\u00fcr sexuellen      Missbrauch bzw. um einen besseren Umgang mit diesem zu gew\u00e4hrleisten, wohl hilfreich w\u00e4re, wenn mehr (bzw.      \u00fcberhaupt) Frauen Verantwortung in den entsprechenden Leitungsgremien der      jeweiligen kirchlichen Einrichtungen erhalten w\u00fcrden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zum Schluss noch einige Adressen zum Thema, die bei der o.g. Veranstaltung in Form von Handzetteln auslagen:<\/p>\n<p><strong>Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums M\u00fcnchen und Freising:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Frau Dr. Elisabeth Bleske<\/li>\n<li>Monsignore Dr. Siegfried Knei\u00dfl<\/li>\n<li>Frau Andrea Maria Schober, Dipl.-Theol.<\/li>\n<li>Sekretariat und Vermittlung: (089) 2137-2313<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ursula Raue, Leipziger Platz 3, 10177 Berlin,<br \/>\nTel: (030) 32766710, Fax: (030) 32766715<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Hotline der Deutschen Bischofskonferenz:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Tel: 0800 120 1000<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier noch ein Nachtrag zu meinem vorigen Beitrag &#8220;\u00dcber den sexuellen Missbrauch in der kath. Kirche&#8220;: Ich habe letzten Dienstag an der im letzten Artikel genannten Podiumsdiskussion \u00fcber den \u201esexuellen Missbrauch in der Kirche\u201c (Jesuiten, M\u00fcnchen) teilgenommen. 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