{"id":2111,"date":"2013-07-07T18:30:57","date_gmt":"2013-07-07T17:30:57","guid":{"rendered":"http:\/\/sschweizer.wordpress.com\/?p=2111"},"modified":"2020-05-08T23:17:06","modified_gmt":"2020-05-08T21:17:06","slug":"und-es-gibt-doch-noch-gute-predigten-robert-spaemann-uber-gen-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=2111","title":{"rendered":"Und es gibt doch noch gute Predigten: Robert Spaemann \u00fcber Gen 1"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Und es gibt doch noch gute Predigten: Robert Spaemann \u00fcber Gen 1\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=2111\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Heute morgen auf dem Weg zur Friedenskirche in Stuttgart hatte ich noch einen kurzen <a title=\"Predigt das Evangelium!\" href=\"http:\/\/sschweizer.wordpress.com\/2013\/07\/07\/predigt-das-evangelium\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blogbeitrag zur desolaten Lage der Verk\u00fcndigung des Evangeliums<\/a> geschrieben. Kurz darauf durfte ich ein sehr sch\u00f6nes Gegenbeispiel erfahren als ich <a title=\"Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Spaemann\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prof. Dr. Robert Spaemann<\/a> \u00fcber den Sch\u00f6pfungsbericht (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/1.Mose1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Genesis 1<\/a> &#8220;Im Anfang war&#8230;&#8221;) referieren h\u00f6rte. Ich war regelrecht &#8220;weggebeamt&#8221;, mit welcher Weisheit, Klarheit und fundiertem Glauben dieser (katholische) Philosoph in einfach verst\u00e4ndlicher Sprache und dem\u00fctiger Art \u00fcber Gott und den Glauben in seiner &#8220;Predigt&#8221; sprach.<\/p>\n<p><!--more-->Da es zu seinem Vortrag leider kein Skript gibt, versuche ich hier auf Basis meiner wenigen Notizen eine kurze Zusammenfassung zu geben.<\/p>\n<p>Zu Beginn las Prof. Spaemann das Gedicht &#8220;Menschen getroffen&#8221; von Gottfried Benn vor, dass mit dem Satz endete:<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden,<br \/>woher das Sanfte und das Gute kommt,<br \/>wei\u00df es auch heute nicht und mu\u00df nun gehn.<\/p><\/blockquote>\n<p>Spaemann fragte: Woher kommt das Gute? Gottfried Benn wusste es offenbar nicht. Die Antwort steht jedoch in <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/1.Mose1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Genesis 1<\/a> (Verse 1-31):<\/p>\n<blockquote>\n<p>Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde (&#8230;)<br \/>Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. (&#8230;)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&#8220;Im Anfang&#8221; hei\u00dft nicht &#8220;am Beginn&#8221; erkl\u00e4rte Spaemann. Es geht nicht um eine zeitliche Abfolge wie in einem Film, bei dem eine Szene der anderen folgt und das vorhergehende die Ursache f\u00fcr das Folgende ist. &#8220;Im Anfang&#8221; bedeutet eher &#8220;der Grund&#8221;. Der Grund des Films ist im Film gar nicht zu sehen. Das ist n\u00e4mlich der Regisseur oder der Projektor. Der Film wurde vom Regisseur gemacht bzw. vom Projektor gezeigt. Ohne diese beiden g\u00e4be es keinen Film. Gott hat einen Plan (\u00e4hnliche eines Regisseurs), den Er auf jeden Fall umsetzt (\u00e4hnlich einer Geschichte in einem Film).<\/p>\n<p>Aber wo bleibt denn da die Freiheit des Menschen? Spaemann verglich diese mit interaktiven Filmen, bei denen die Zuschauer an verschiedenen Stellen entscheiden k\u00f6nnen wie der Film weiter geht. Wir haben die Freiheit uns zu entscheiden. Gott wird aber auf jeden Fall Seinen Plan zum Ziel f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das ist wie bei einem Navigationsger\u00e4t im Auto. Wir k\u00f6nnen da beliebig oft die Fahrvorschl\u00e4ge ignorieren und falsch abbiegen. Das Navigationsger\u00e4t berechnet dann aber immer wieder Alternativrouten, die auch zum Ziel f\u00fchren. Gott ist allwissend und wei\u00df wie wir uns entscheiden werden und hat alle Umwege bereits eingeplant.<\/p>\n<p>Prof. Spaemann \u00fcbersetzte das H\u00f6hlengleichnis von Platon in unsere moderne Welt: Wir sitzen im Kino und schauen einen Film. Wir nehmen nur den Film als Realit\u00e4t war, sitzen selbst aber im Dunkeln und sehen einander nicht. Wir sind an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gefesselt, so dass wir uns auch nicht sp\u00fcren k\u00f6nnen. Der Film ist unsere Realit\u00e4t, alles andere nehmen wir nicht war.<\/p>\n<p>Weiter meinte Spaemann, dass wer die Naturgesetze kennt, noch lange nicht die Welt verstanden h\u00e4tte. Die Naturgesetze gehen der Natur voraus. Die Natur selbst folgt bereits bei ihrer Entstehung den Naturgesetzen (sie ist nicht selbst das Gesetz.)<br \/>Die Naturgesetze erkl\u00e4ren somit nicht selbst bereits die Welt. Sie k\u00f6nnten auch ganz anders sein. Bezugnehmend auf das anf\u00e4nglich zitierte Gedicht sagte Spaemann: Die Evolutionstheorie kann nicht das &#8220;Gute&#8221; erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel: Auf dem Boden ist inmitten eines dahin geworfenen Buchstabensalats ein eingerahmtes Gedicht von H\u00f6lderlin. Viele Menschen schauen mehr auf das Chaos (der Buchstaben) als auf das genauso sichtbare Sch\u00f6ne, Gute. Sie zweifeln an Gott, weil sie mehr auf das Chaos der Welt blicken als auf die genauso f\u00fcr alle sichtbaren Spuren Gottes. Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Welt von einem Vernunftwesen wie Gott erschaffen wurde als durch einen Zufall. Dennoch glauben viele Menschen eher an das Unwahrscheinliche als das Wahrscheinliche.<\/p>\n<p>Spaemann fuhr fort mit dem Satz &#8220;Es werde Licht&#8221; aus <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/1.Mose1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Genesis 1<\/a>. Damit kann nicht das Licht der Sonne und der Sterne gemeint sein, da diese erst sp\u00e4ter am dritten Tag erschaffen wurden. Mit dem Licht in <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/1.Mose1\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Genesis 1<\/a> verstanden die Kirchenv\u00e4ter den geistlichen Raum, in dem ein gegenseitiges Erkennen erst m\u00f6glich wird. Die Welt ist ja kein opakener Klumpen, sondern ein Raum f\u00fcr Gesch\u00f6pfe, f\u00fcr Engel und Menschen. Mit der Erschaffung des Lichtes wurde das Verst\u00e4ndnis erst m\u00f6glich. Ein g\u00f6ttliches Licht, dass uns erhellt und uns ein &#8220;Licht aufgehen&#8221; l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Warum k\u00f6nnen Menschen nicht glauben? Paulus schreibt im R\u00f6merbrief : Die Heiden k\u00f6nnen Gott anhand der Sch\u00f6pfung erkennen, wollen Ihm aber nicht danken. Das Danken meint Spaemann ist ein Urbed\u00fcrfnis der Menschen. Sie wollen jemanden f\u00fcr das Gute, das sie erfahren danken &#8211; aber auch sich \u00fcber das Ungl\u00fcck, das sie erfahren beklagen.<\/p>\n<p>Spaemann vergleicht die Welt mit einem Teppich. Wir haben alle Anteil an diesem Teppich, den wir mit unserem Leben mitkn\u00fcpfen. Wir sehen jedoch nur die Unterseite des Teppichs, die mehr einem Chaos \u00e4hnelt. Wir sind aufgefordert zu glauben, dass es auch eine Oberseite des Teppichs gibt, an dem wir arbeiten, dessen Sch\u00f6nheit wir aber erst sp\u00e4ter sehen werden.<\/p>\n<p>Wahrheit muss geglaubt werden. Und entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung, dass der Glaube mit der Vernunft nicht vereinbar sei, hilft der Glaube der Vernunft. <\/p>\n<p>Zum Schluss zitierte Spaemann die oft gestellte Frage: Wo war denn Gott in Auschwitz? Man k\u00f6nnte antworten: am Kreuz!<\/p>\n<p>Wie passt Ausschwitz mit einem guten Gott zusammen?<br \/>Spaemann f\u00fchrt das Beispiel aus der Bibel von Hiob und seinen Freunde an. Hiob wusste, dass etwas nicht stimmte, da im Schlechtes widerfuhr, Gott aber doch gut sei. Seine Freunde hingegen dachten es passe so und dass Gott Hiob f\u00fcr seine Schuld bestrafe. Aber wir kennen Gottes Wege nicht. Gott tadelte die Freunde und lobte Hiob, da er daran festhielt, dass etwas nicht stimmte und an Gottes G\u00fcte festhielt.<\/p>\n<p>Spaemann las am Ende aus den letzten Seiten des Tagebuches eines gl\u00e4ubigen H\u00e4ftlings in einem KZ vor, welche seiner Meinung nach zwar kein Beweis f\u00fcr Gott, aber doch ein starkes Indiz daf\u00fcr seien. Darin schrieb der Gefangene zusammengefasst: Gott, Du hast mir sehr schwere Tage bereitet. Du hast alles gemacht, so dass ich an Dir irre werden muss. Ich liebe Dich aber trotzdem und werde nicht aufh\u00f6ren Dich zu lieben. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute morgen auf dem Weg zur Friedenskirche in Stuttgart hatte ich noch einen kurzen Blogbeitrag zur desolaten Lage der Verk\u00fcndigung des Evangeliums geschrieben. Kurz darauf durfte ich ein sehr sch\u00f6nes Gegenbeispiel erfahren als ich Prof. Dr. Robert Spaemann \u00fcber den Sch\u00f6pfungsbericht (Genesis 1 &#8220;Im Anfang war&#8230;&#8221;) referieren h\u00f6rte. 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