{"id":5427,"date":"2018-05-13T19:53:26","date_gmt":"2018-05-13T17:53:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5427"},"modified":"2020-05-09T08:23:34","modified_gmt":"2020-05-09T06:23:34","slug":"kirchengeschichte-bedeutung-und-geschichte-der-apostel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5427","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Bedeutung und Geschichte der Apostel"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Bedeutung und Geschichte der Apostel\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5427\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5422\">Das Apostelkonzil<\/a>\u201d gibt es heute das 9. Kapitel aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wer das Wachsen der jungen Kirche Christi bisher verfolgte, h\u00f6rte wohl von den Diakonen Stephanus und Philippus, von Petrus, Paulus und Barnabas; von den \u00fcbrigen Aposteln aber fast gar nichts. Wo waren sie geblieben? Hatten sie denn keine Bedeutung f\u00fcr die erste Entwicklung des Reiches Gottes, weil sie gar nicht erw\u00e4hnt wurden?<\/p>\n<p>Sie hatten eine grundlegende Bedeutung. Sie waren ja die von Jesus selbst unmittelbar hinausgesandten Zeugen seines Lebens, seiner Lehre und seiner Auferstehung. In ihren H\u00e4nden ruhten die Schl\u00fcssel des Himmelreiches. Sie hatten die junge Kirche zu bilden, sie hatten die Gl\u00e4ubigen zu lehren und durch Gesetze und Strafen zu leiten. Weil sie das Lebenswerk Jesu weiterzuf\u00fchren hatten, waren sie durch Wundergaben beglaubigt. Gegen ihre Lehren gab es keinen Einspruch und eine Berufung gegen ihre Gesetze war ausgeschlossen. Sie waren die T\u00fcre in das Reich Gottes. Ihre Gewalt \u00fcbten sie aus als einheitlicher Verband unter Petrus als ihrem Haupt. Dieser Verband soll bis zum Ende der Welt bestehen; er mu\u00df sich also immerfort erg\u00e4nzen und das geschieht durch die Wahl von Bisch\u00f6fen. Aber der einzelne Bischof ist nicht Nachfolger eines einzelnen, bestimmten Apostels; das ist nur der Fall beim Nachfolger des heiligen Petrus, dem Bischof von Rom.<\/p>\n<p>Was die Apostel kraft ihres Amtes vor ihren Nachfolgern voraus hatten, war die Wundergabe, die pers\u00f6nliche Unfehlbarkeit und der Lehr- und Hirtenauftrag f\u00fcr die ganze Kirche. Da\u00df sie bis jetzt nicht weiter genannt wurden, hat seinen Grund darin, da\u00df die Quellen f\u00fcr die Geschichte der Urkirche wenig von ihnen berichten. Dar\u00fcber d\u00fcrfen wir uns nicht wundern; denn diese Schriften wurden ja nicht zu dem Zweck verfa\u00dft, uns ein vollst\u00e4ndiges Bild der apostolischen Wirksamkeit in der Urkirche zu geben, und wenn wir auch von der Arbeit keines einzigen Apostels etwas w\u00fc\u00dften, das w\u00fc\u00dften wir dennoch und zwar aus dem Evangelium, da\u00df die Arbeit der Apostel die Fortsetzung der Arbeit unseres Heilandes war und darum f\u00fcr die Gr\u00fcndung und das Wachsen des Reiches Gottes so notwendig wie es f\u00fcr die Ernte das Pfl\u00fcgen und S\u00e4en, f\u00fcr den Baum das Pflanzen und Begie\u00dfen ist. Jeder einzelne Apostel war von Christus selbst gerufen und in den Heilsplan der Welt hineingestellt worden; das Apostolat war R\u00fcckgrat und Herz des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi. Deswegen wurde auch sofort die L\u00fccke ausgef\u00fcllt, die durch das Ausscheiden des unseligen Judas Iskariot entstanden war.<\/p>\n<p>In einer Versammlung von ungef\u00e4hr einhundertzwanzig J\u00fcngern erhob sich der heilige Petrus und sprach: \u201eEiner von den M\u00e4nnern, die mit uns all die Zeit zusammen waren, da der Herr Jesus unter uns aus- und einging, von der Taufe des Johannes angefangen bis zum Tage seiner Himmelfahrt, einer von diesen mu\u00df mit uns Verk\u00fcndiger der Auferstehung Jesu werden. Darauf stellten sie zwei M\u00e4nner auf, Josef genannt Barnabas mit dem Beinamen der Gerechte und Matthias, und sie beteten: Du o Herr, kennst alle Herzen. Zeige an, wen von diesen beiden Du erw\u00e4hlt hast, damit er diesen Dienst, das Apostelamt, \u00dcbernehme, von dem Judas abgewichen ist, um seinem Schicksal zu verfallen. Darauf warfen sie das Los \u00fcber sie: es fiel auf Matthias und so war Matthias den zw\u00f6lf Aposteln beigef\u00fcgt&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Apostelgeschichte1%2C21\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Apg 1, 21<\/a>\u201426).<\/p>\n<p>Wie sehr die Apostel in Jerusalem den Mittelpunkt der jungen Kirche bildeten, geht schon daraus hervor, da\u00df der Mann, den der Herr selbst als Zeugnis seiner Auferstehung und als bevorzugtes Werkzeug der Glaubensverk\u00fcndigung vom Himmel herab bestimmte, da\u00df der heilige Paulus zu den zw\u00f6lf Aposteln nach Jerusalem ging und sich ihnen vorstellte. Daher schickten die Christen in Antiochia, als sie Zweifel hatten und eine Entscheidung wollten, eine Botschaft zu den Aposteln.<\/p>\n<p>Wurde die Bezeichnung \u201eApostel&#8221; auch auf andere um die Verk\u00fcndigung des Evangeliums verdiente J\u00fcnger des Herrn \u00fcbertragen, so ist sie doch urspr\u00fcnglich blo\u00df der auszeichnende Titel f\u00fcr die zw\u00f6lf J\u00fcnger, die Jesus, vielleicht mit R\u00fccksicht auf die zw\u00f6lf Stammv\u00e4ter Israels, gerade in dieser Zahl nach der Bergpredigt zu seinen best\u00e4ndigen Begleitern ausw\u00e4hlte und zur Fortsetzung seiner himmlischen Sendung und seiner irdischen Arbeit mit besonderen Vollmachten ausr\u00fcstete und in die Welt hinaus sandte.<\/p>\n<p>Von dem V\u00f6lkerapostel Paulus abgesehen sind wir am besten \u00fcber die Wirksamkeit des heiligen <i>Petrus<\/i> unterrichtet. Freilich stehen nicht alle Zeitangaben \u00fcber seine T\u00e4tigkeit bis auf Jahr und Tag fest. Als der Apostelf\u00fcrst im Jahr 42 oder 43 den Nachstellungen des K\u00f6nigs Herodes Agrippa I. durch einen Engel entrissen und aus dem Gef\u00e4ngnis befreit worden war, wandte er sich vermutlich nach Antiochia. Vielleicht war er in dieser Stadt schon fr\u00fcher einmal, es soll um das Jahr 35 gewesen sein; auf jeden Fall gilt Petrus als der Begr\u00fcnder des antiochenischen Bischofssitzes. Von Antiochia aus begab sich der Apostelf\u00fcrst nach Rom; in welchem Jahre das geschah, ist unbestimmt. Im Jahre 50 aber kehrte er von Rom wieder nach Jerusalem zur\u00fcck und leitete hier das Apostelkonzil. Von Jerusalem aus reiste er neuerdings nach Antiochia, um nach einem kurzen Aufenthalt daselbst die Christengemeinde in Kleinasien aufzusuchen und sich dann nach einem Besuch der Christen in Korinth zum zweitenmal nach Rom zu begeben. Hier wirkte er als Bischof von Rom bis zu seinem Tode im Jahre 67, besorgt nicht nur f\u00fcr die Christen in Rom, sondern auch, wie es sein Oberhirtenamt verlangte, f\u00fcr die ganze Herde Christi. Daf\u00fcr zeugen seine zwei Briefe; von Rom aus schrieb er sie an die kleinasiatischen Christen, die vom heiligen Petrus bekehrt und zu Gemeinden zusammengeschlossen in ihrer heidnischen Umgebung sehr gef\u00e4hrdet waren.<\/p>\n<p>Geschichtlich verb\u00fcrgte Nachrichten haben wir auch \u00fcber den Apostel <i>Johannes<\/i> und \u00fcber die beiden Apostel Jakobus den \u00c4lteren und Jakobus den J\u00fcngeren. Nach dem Tod der Mutter Jesu, der nach glaubw\u00fcrdiger \u00dcberlieferung in Jerusalem erfolgte, wirkte der heilige Johannes in der gro\u00dfen kleinasiatischen Stadt Ephesus. Von hier aus f\u00fchrte er die Aufsicht \u00fcber die Christengemeinden Kleinasiens, bis er, wie eine \u00dcberlieferung berichtet, um das Jahr 90 unter der Regierung des Kaisers Nerva nach Rom gebracht, da in einen Kessel siedenden \u00d6les geworfen und, wunderbar vor dem Tode bewahrt, auf die Insel Patmos verbannt wurde. In der Verbannung schrieb er \u201eDie geheime Offenbarung&#8221;, ein prophetisches Buch, das in geheimnisvollen Bildern eine Geschichte des Reiches Gottes entwirft. Nach Ephesus zur\u00fcckgekehrt, schrieb er seine drei Briefe und ver\u00f6ffentlichte, gegen den Irrlehrer Cerinth gerichtet, sein Evangelium, das die drei anderen Evangelien voraussetzt, ausf\u00fchrlicher die Predigten Jesu in Jerusalem bringt und besonders die Gottheit Jesu in den Vordergrund stellt. In Ephesus, wo der Apostel in hohem Alter starb, wurde viele Jahrhunderte lang sein jetzt nicht mehr bekanntes Grab hoch verehrt.<\/p>\n<p>Sein Bruder, der <i>Apostel Jakobus der \u00c4ltere<\/i>, wurde, wie schon oben erw\u00e4hnt, der erste von den Zw\u00f6lfen, der f\u00fcr Christus den Martertod starb. Um den Juden zu gefallen, lie\u00df ihn Herodes Agrippa I. im Jahre 42 oder 43 hinrichten. Da\u00df er in Spanien gepredigt hat, ist nur eine Legende, m\u00f6gen auch die in Compostela gezeigten Reliquien echt sein.<\/p>\n<p>Sein Namensvetter, <i>Jakobus der J\u00fcngere<\/i>, ein Verwandter der allerseligsten Jungfrau, scheint nach der Himmelfahrt des Herrn immer in Jerusalem geblieben zu sein. Als der heilige Petrus im Jahre 42 oder 43 die Stadt verlie\u00df, \u00fcbernahm Jakobus der J\u00fcngere die Leitung der Christen in Jerusalem und gewann auch gro\u00dfen Einflu\u00df auf die Juden, haupts\u00e4chlich deswegen, weil er unter den Aposteln derjenige war, der am meisten den Zusammenhang mit dem mosaischen Gesetz und den alttestamentlichen Gebr\u00e4uchen bewahrte. Seinem Einflu\u00df hatten die Judenchristen es zu verdanken, da\u00df bei der Befreiung der Heidenchristen von den j\u00fcdischen Gebr\u00e4uchen auf dem Apostelkonzil immerhin noch eine so gro\u00dfe R\u00fccksicht auf sie genommen wurde. Sein Ansehen bei den Juden war auch der Grund, warum der Hohepriester Ananus ganz gegen das r\u00f6mische Recht \u2014 der Landpflegerposten war damals unbesetzt \u2014 ihn zum Tod verurteilen lie\u00df. Nach einem alten zuverl\u00e4ssigen Bericht wurde er im Jahre 62 oder 63 von der Zinne des Tempels herabgest\u00fcrzt und, da er nach dem Sturz noch lebte, durch einen Steinhagel und durch den Schlag mit einem Kn\u00fcppel get\u00f6tet. Es ist der Apostel, der uns den herrlichen Jakobusbrief hinterlie\u00df.<\/p>\n<p>\u00dcber die anderen Apostel haben wir wenig Angaben, die geschichtlich zu gewinnen, sei mit Zur\u00fcckstellung der an den einzelnen Orten sich abspielenden Ereignisse sofort der weitere Weg des Apostels verfolgt. Er f\u00fchrte von Philippi \u00fcber die St\u00e4dte Amphipolis und Apollonia nach Thessalonich \u2014 dem jetzigen Saloniki \u2014 und von Thessalonich \u00fcber Ber\u00f6a s\u00fcdw\u00e4rts der K\u00fcste des \u00c4g\u00e4ischen Meeres entlang nach Athen und Korinth. Von Korinth aus kehrte der Apostel quer \u00fcber das \u00c4g\u00e4ische Meer nach Kleinasien zur\u00fcck, landete in der Hafenstadt Ephesus und fuhr trog der Einladung, l\u00e4nger zu bleiben, mit dem Versprechen, sp\u00e4ter wieder zu kommen, nach C\u00e4sarea an der K\u00fcste Pal\u00e4stinas, begr\u00fc\u00dfte dort die Christen und eilte nordw\u00e4rts nach seinem Antiochia. Die ganze Reise dauerte ungef\u00e4hr zwei Jahre und war, der Zeit nach k\u00fcrzer als die erste, an bedeutungsvollen Ereignissen, an Drangsalen und Erfolgen nicht \u00e4rmer.<\/p>\n<p>In Philippi werden Paulus und Silas gegei\u00dfelt und in den Kerker geworfen. Ein Erdbeben aber ersch\u00fcttert die Stadt, so da\u00df T\u00fcr und Tor offen stehen und die Gefangenen in die Freiheit laufen k\u00f6nnen. Der verzweifelte Kerkermeister will sich t\u00f6ten; Paulus h\u00e4lt ihn jedoch zur\u00fcck und tr\u00f6stet ihn. Nun w\u00e4scht der heidnische Mann den Aposteln die blutigen Striemen, wird ein J\u00fcnger des Herrn und l\u00e4\u00dft sich taufen. In Thessalonich sind die Juden wieder hinter ihm her, heben Volk und Obrigkeit gegen Paulus und Silas auf und sie m\u00fcssen fl\u00fcchtig gehen; aber sie lassen eine Christengemeinde zur\u00fcck. In Ber\u00f6a: auch hier die Juden mit W\u00fchlereien und Hetzereien, so da\u00df, w\u00e4hrend Silas und Timotheus, der schon die Apostel von Lystra aus begleitet hat, zur\u00fcck bleiben, Paulus den Staub von den F\u00fc\u00dfen sch\u00fcttelt und allein weiterreist. In Athen: die wunderbare ganz auf die neuartigen heidnischen Griechen eingestellte Predigt, die an den Altar mit der Inschrift \u201eDem unbekannten Gott&#8221; ankn\u00fcpft, und dann die Bekehrung des vornehmen Dionysus, des nachmaligen ersten Bischofs von Athen. In Korinth, wo der Apostel sich achtzehn Monate aufh\u00e4lt und seine beiden, in Ber\u00f6a zur\u00fcckgebliebenen Begleiter wieder zu ihm sto\u00dfen: wie \u00fcberall so auch hier Feindseligkeiten und Nachstellungen vonseiten der Juden. Auf seinen Nachweis, da\u00df Jesus der ihnen verhei\u00dfene Messias sei, wissen sie blo\u00df mit L\u00e4sterungen und Schm\u00e4hungen zu antworten und bringen es schlie\u00dflich so weit, da\u00df dem Apostel nichts anderes \u00fcbrig bleibt, als die halsstarrigen Juden sich selbst zu \u00fcberlassen und zu erkl\u00e4ren: \u201eEuer Blut komme \u00fcber euer Haupt! Ich habe keine Schuld. Von nun an werde ich zu den Heiden gehen&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Apostelgeschichte16%2C6\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Apg 16, 6<\/a>). Sie aber lassen ihn keineswegs gehen, sie ergreifen ihn und schleppen ihn an das Gericht des Statthalters Gallio, um seine Verurteilung zu erwirken, weil er sich gegen ihr Gesetz verfehlt habe. Dem heidnischen Gallio aber ist das j\u00fcdische Gesetz gleichg\u00fcltig; Gesetz hin, Gesetz her, denkt er und weist sie fort.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entwicklung des Reiches Gottes auf Erden gewann diese zweite Missionsreise eine gro\u00dfe Bedeutung. Schon dadurch, da\u00df Paulus jetzt sich immer mehr auf den <i>Westen<\/i> einstellt. Er l\u00e4\u00dft Bithynien liegen und betritt den Boden Europas. Auch innerlich ein Ruck nach dem heidnischen Westen, eine Abwendung von den mehr an der Ostk\u00fcste des Mittell\u00e4ndischen Meeres wohnenden Juden. Wir h\u00f6rten, wie er in Korinth sagte: \u201eVon nun an will ich zu den Heiden gehen.&#8221; Wohl treffen wir ihn auch sp\u00e4ter noch, wie er in den Synagogen den Juden predigt; aber wir haben doch allen Grund anzunehmen, da\u00df das bisherige Verhalten der Juden seinem Herzen die Heiden n\u00e4her r\u00fcckt.<\/p>\n<p>Die zweite Bedeutung dieser Missionsreise liegt darin, da\u00df Paulus jetzt ganz nah und l\u00e4nger mit dem \u201eHellenismus&#8221;, d. h. der <i>griechischen Geistesrichtung<\/i> zusammentrifft. Der Einflu\u00df der griechischen Geistesrichtung auf die Entwicklung des Christentums zwingt dazu, nach ihrem Wesen zu fragen. Der Geist der Griechen war <i>wissenschaftlich<\/i> und strebte darnach, den Dingen auf den letzten Grund zu kommen und sie einheitlich zu erkl\u00e4ren. Der Geist der Griechen war <i>k\u00fcnstlerisch<\/i> und strebte darnach, die stofflichen Dinge kunstvoll zu gestalten und zu verkl\u00e4ren. Der Geist der Griechen war auch <i>sinnlich<\/i> und strebte darnach, diese Dinge restlos zu genie\u00dfen und sich von ihnen zu n\u00e4hren. Neben dem unleugbaren Aufschwung in die h\u00f6here Welt des Geistes war der griechische Geist ein ebenso unleugbares Herabgleiten in die Tiefen der Genu\u00dfsucht, in Unzucht und Unm\u00e4\u00dfigkeit. Insbesondere gilt dies von der Stadt, die Paulus auf dieser Reise ganz gr\u00fcndlich kennenlernte, von der zweihunderttausend Einwohner z\u00e4hlenden Handelsstadt Korinth. \u201eKorinthisch leben&#8221; war gleichbedeutend mit Unzucht treiben. In den griechischen Lustspielen der sp\u00e4teren Zeit erschien der Korinther vielfach als Trunkenbold. Die Hauptvertreter korinthischer Art waren der rastlose Kaufmann, der hemmungslose Schlemmer, der kraftstrotzende Athlet.<\/p>\n<p>Die zweite Missionsreise bietet uns schlie\u00dflich Gelegenheit, an dem heiligen Paulus einen Zug zu entdecken, der uns bei der Betrachtung seines Bildes nicht entgehen darf: er zeigt den Apostel als den selbstbewu\u00dften r\u00f6mischen B\u00fcrger. Nach jenem Erdbeben in Philippi, von dem vorhin die Rede war, sandten die Stadtobersten ihre Diener zu dem Kerkermeister mit dem Befehl, Paulus und Silas frei zu lassen. Als der Kerkermeister Paulus diese Botschaft \u00fcberbrachte, erwiderte der Apostel: \u201e\u00d6ffentlich und unverh\u00f6rt haben sie uns, die wir r\u00f6mische B\u00fcrger sind, gegei\u00dfelt und in das Gef\u00e4ngnis geworfen und jetzt entlassen sie uns heimlich? \u2014 Nein, nein; sie sollen kommen und uns selbst hinausf\u00fchren&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Apostelgeschichte16%2C37-38\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Apg 16,37 f)<\/a>. Als den Stadtobersten diese Worte berichtet wurden, f\u00fcrchteten sie sich, da sie h\u00f6rten, es seien r\u00f6mische B\u00fcrger und sie kamen, leisteten Abbitte, f\u00fchrten sie heraus und baten sie, die Stadt zu verlassen (<a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/NLB\/Apostelgeschichte16%2C38-39\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Apg 16, 38 f)<\/a>.<\/p>\n<p>Reich an M\u00fchsalen und Drangsalen war diese Reise, aber auch reich an Eroberungen und Erfolgen; was die Apostel von ihr heimtrugen, waren <i>Narben und Lorbeeren.<\/i><\/p>\n<p>Fortsetzung folgt das Kap. &#8220;<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5440\">Die dritte Missionsreise des Apostel Paulus<\/a>&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cDas Apostelkonzil\u201d gibt es heute das 9. 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