{"id":5594,"date":"2018-06-24T19:16:53","date_gmt":"2018-06-24T17:16:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5594"},"modified":"2020-05-08T16:05:37","modified_gmt":"2020-05-08T14:05:37","slug":"kirchengeschichte-die-kirche-auf-dem-zug-nach-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5594","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Die Kirche auf dem Zug nach Westen"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Die Kirche auf dem Zug nach Westen\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5594\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5524#more-5524\">Der Abschlu\u00df des Kampfes der Juden gegen die Urkirche<\/a>\u201d folgt heute das erste Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<!--more--><\/p>\n<p>Jerusalem war zerst\u00f6rt, jedoch nicht so vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt, da\u00df auf seinem blutgetr\u00e4nkten Boden und in seinen geschleiften Mauern kein Leben mehr geblieben w\u00e4re. Au\u00dfer dem westlichen Teil seiner Ringmauern waren von den R\u00f6mern drei T\u00fcrme verschont worden; sie dienten der r\u00f6mischen Besatzung zum Schutz. Aber auch Juden sammelten sich wieder auf dem Boden Jerusalems. Entsetzt \u00fcber die Verw\u00fcstung schlichen sie durch die leergebrannten H\u00e4user. Die verglimmenden Funken der rauschenden Tempeltr\u00fcmmer entz\u00fcndeten einen lichterlohen Ha\u00df gegen Rom. Rache f\u00fcr Jerusalem war der Traum des Judentums viele, viele\u00a0 Jahrzehnte lang. Allein so oft es aufstand, ihn zu verwirklichen \u2014 die R\u00f6mer wachten und dr\u00fcckten das sich aufb\u00e4umende Volk auf den Boden nieder. Einmal aber gelang es den Juden, das ganze rachedurstige Land aufzupeitschen und einen Kampf zu entfesseln, gegen den alle fr\u00fcheren Erhebungen Pl\u00e4nkeleien waren. Der Aufruhr wuchs sich zu einem wirklichen Emp\u00f6rungskrieg aus und wurde f\u00fcr das an Aufst\u00e4nde wahrlich nicht ungewohnte r\u00f6mische Reich zu einer schweren Sorge.<\/p>\n<p>Es war im Jahre 132, unter der Regierung des Kaisers Hadrian. Ein riesiger, bis dahin g\u00e4nzlich unbekannter Mensch tauchte auf und trommelte die ha\u00dferf\u00fcllten Juden zur Sammlung und zum Angriff. Bar Kochba, Sohn der Sterne, nannte man ihn. Von allen Seiten str\u00f6mten ihm die Juden zu und innerhalb Jahresfrist stand er an der Spitze von vierhunderttausend Mann. In kurzer Zeit waren f\u00fcnfzig feste Pl\u00e4tze und tausend Ortschaften in seiner Hand. Die Juden waren berauscht. Sie hielten Bar Kochba f\u00fcr den lang und sehns\u00fcchtig erwarteten Gesandten Gottes und Bar Kochba selbst soll im \u00dcbermut gebetet haben: \u201eHerr, wenn Du uns nicht helfen willst, so hilf auch den Feinden nicht; dann werden wir nicht untergehen.&#8221; Christen, die ehedem Juden waren, wurden grausam verfolgt; sie konnten nicht wie die R\u00f6mer der Gewalt die Gewalt gegen\u00fcberstellen und weil sie infolge ihrer Bekehrung zu Christus als Verr\u00e4ter am Judentum angesehen wurden, war die Erbitterung der Juden gegen sie fast w\u00fctender, als sie gegen die Heiden war.<\/p>\n<p>Aber die R\u00f6mer blieben schlie\u00dflich auch jetzt wieder Herr. Der Kampf zog sich allerdings bis zum Jahr 135 hinaus&#8217;; dann war Pal\u00e4stina eine W\u00fcste. F\u00fcnfhunderttausend Juden waren im Lauf dieser vier Jahre gefallen und wer noch lebte und den R\u00f6mern in die H\u00e4nde fiel, wurde in die Sklaverei verkauft; zu den geringsten Preisen, so viele waren es.<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlinge wurden zu Tode gehetzt oder sie kauerten zitternd und hungernd in H\u00f6hlen und Kl\u00fcften und a\u00dfen sich stier und verzweifelt an den Leichen Pest und Tod hinein. Kraft kaiserlichen Befehles sollte kein Jude oder Judenchrist k\u00fcnftighin auf dem Boden Jerusalems leben d\u00fcrfen; eine rein heidnische Stadt wurde darauf erbaut und an die Stelle des j\u00fcdischen Heiligtums stellte sich stolz ein heidnischer G\u00f6ttertempel.<\/p>\n<p>Damit war freilich Jerusalem aus dem Gesichtskreis der Christen keineswegs verschwunden; noch weniger aus dem Gesichtskreis der in der Welt zerstreuten Juden. So ehrw\u00fcrdig aber sein Boden den Juden war so heilig er den Christen war und blieb \u2014 war er doch geheiligt\u00a0 das kostbare Blut Jesu \u2014 die Rolle Jerusalems als religi\u00f6ser Mittelpunkt war ausgespielt, \u201edas unvollkommene Alte&#8221; war dem neuen Reich gewichen und um diesem seinem neuen Reid eine Mitte zu schaffen, ging der in seinen J\u00fcngern weiterlebende Jesus mit unsichtbaren Schritten \u00fcber die Erde hin. \u2014 Wohin?<\/p>\n<p>S\u00fcdlich von Pal\u00e4stina, an der K\u00fcste \u00c4gyptens lag eine gro\u00dfe, m\u00e4chtige Stadt, die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt der damals bekannten Welt; zu manchen Zeiten sogar die gr\u00f6\u00dfte; ein Mittelpunkt des Welthandels und zugleich Mittelpunkt der griechischen Geistesbildung \u2014 Alexandria. Es w\u00e4re gar nicht weit hin gewesen; aber der Herr lie\u00df Alexandria links liegen.<\/p>\n<p>Schon fr\u00fcher, bereits im ersten Jahrzehnt der Urkirche hatte n\u00f6rdlich von Pal\u00e4stina eine fast ebenso m\u00e4chtige Stadt wie Alexandria, die drittgr\u00f6\u00dfte bekannte Stadt f\u00fcr das junge Christentum eine gro\u00dfe Bedeutung gewonnen und man kann sagen, einen gewissen Abzug von Jerusalem eingeleitet. Hier, in Antiochia weidete sogar der heilige Petrus eine Zeitlang die L\u00e4mmer des Herrn; aber nur vor\u00fcbergehend, seines Bleibens war hier noch nicht. Die St\u00e4tte, wo der Herr ihm den Hirtenstab aus der m\u00fcden Hand nehmen und wo Jesus mit der \u00dcbergabe des Hirtenstabes an Petri Nachfolger den sichtbaren Stellvertreter auf Erden haben wollte, lag woanders. Sie lag auch nicht in dem nahen Griechenland; es war nicht Athen mit seinem unsterblichen Namen, es war nicht das reiche, gesch\u00e4ftige und fr\u00f6hliche Korinth \u2014 immer weiter nach Westen, \u00fcber das Adriatische Meer hin\u00fcber.<\/p>\n<p>Dort streckt das europ\u00e4ische Festland einen m\u00e4chtigen Arm weit in das Mittell\u00e4ndische Meer hinein, nur einen leicht bewachbaren Durchgang zwischen sich und der K\u00fcste Afrikas lassend, wie um das gro\u00dfe Weltgeschehen aufzuhalten, wenn es von Osten her nach dem Westen schreitet, wie um das Meer in eine Reihe von Wasserstra\u00dfen auseinanderzurei\u00dfen und zugleich ein Ziel zu schaffen, wo die von allen Seiten herbeieilende Bewegung m\u00fcnden und von wo sie wieder auslaufen kann: das ist die Apenninenhalbinsel \u2014 Italien.<\/p>\n<p>Schon den Griechen, die fr\u00fcher in die uns bekannte geschichtliche Entwicklung eintraten als die Bewohner Italiens, war es aufgefallen, wie wohlwollend die Natur die nachbarliche Halbinsel ausgestattet hatte und\u00a0wie g\u00fcnstig sie f\u00fcr die Beherrschung der L\u00e4nder um das Mittelmeer lag. Napoleon I. behauptete sogar, um eine Gro\u00dfmacht zur See zu werden, sei kein anderer Teil Europas so vorteilhaft gelegen. Das sind keine m\u00fc\u00dfigen Beobachtungen und Bemerkungen. Alles Erdengeschehen ist ja an die Erde gebunden; die Geschichte an das Land, worauf die geschichtlichen Ereignisse sich abspielen. Auch die Geschichte der Kirche ist ein Erdengeschehen, wenn auch nach der Himmelsh\u00f6he strebend, so doch im Erdengrund verwurzelt; darum mu\u00df, wer die Kirchengeschichte verstehen will, auch nach den L\u00e4ndern und ihrer Lage sehen.<\/p>\n<p>Was Napoleon vor allem zu seinem Urteil \u00fcber die Eignung Italiens zur Seemacht veranla\u00dfte, war die gro\u00dfe K\u00fcste dieses Landes. Seine gro\u00dfen und kleinen Inseln miteingerechnet hat die Halbinsel zw\u00f6lfhundert Meilen K\u00fcste; ein Drittel mehr als Spanien, um die H\u00e4lfte mehr als Griechenland. Ungef\u00e4hr in der Mitte der Westk\u00fcste m\u00fcndet der Tiberflu\u00df in das Tyrrhenische Meer; rechts und links dieses Flusses, nicht weit von seiner Hafenstadt Ostia in das Land hinein, liegt die Stadt, deren Name so bekannt und leuchtend ist, wie ihr Ursprung unbekannt und dunkel ist: Rom, das \u201eewige&#8221; Rom, wie die Stadt schon im Altertum genannt wurde, wohl mehr in die Zukunft weisend als auf die Vergangenheit bezogen. Zur Zeit Christi stand Rom ja erst achthundert Jahre, war aber immer schon der Mittelpunkt des r\u00f6mischen Staatswesens von seinen Anf\u00e4ngen an. Bereits zur Zeit, als an seiner Spitze noch K\u00f6nige standen, dann in der Zeit des Freistaates von 530\u201431 vor Christus und ebenso in den Tagen des Kaiserreiches war Rom die Stadt, die dem Reich nicht blo\u00df den Namen gab, sondern auch dessen Herz und Hirn war.<\/p>\n<p>Die \u00fcberragende und beherrschende Stellung Roms zeigt sich schon in seiner Ausdehnung und Gr\u00f6\u00dfe. Es bedeckte zw\u00f6lfhundertdrei\u00dfig Hektar Boden und hatte in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit etwa hunderttausend bis eine Million Einwohner. Um die Bedeutung dieser Zahl zu erfassen, mu\u00df man sie an der damaligen Bev\u00f6lkerung Italiens und des ganzen r\u00f6mischen Reiches messen. Das r\u00f6mische Reich z\u00e4hlte in\u00a0 jener Zeit siebzig Millionen und Italien z\u00e4hlte sechs Millionen Einwohner. Fast ein Sechstel der Bewohner Italiens lebte also damals in Rom; Rom besa\u00df demnach im damaligen Italien eine viel gr\u00f6\u00dfere Bedeutung, als sie es f\u00fcr das heutige Italien hat. Aber mehr noch als durch seine Gr\u00f6\u00dfe und damit durch seine Macht war Rom zur Zeit der Apostel auch dadurch Haupt und Mitte des r\u00f6mischen Reiches, da\u00df hier des Reiches Pracht zusammenflo\u00df. Um die Zeit Christi wurde die ehemalige Backsteinstadt Rom zu einer Marmorstadt. Geb\u00fcsche und Baumgruppen, pl\u00e4tschernde Springbrunnen und kostbare S\u00e4ulen machten den Hof des r\u00f6mischen Hauses zu einem kleinen Paradies. Der Marmorestrich des Bades prunkte im roten Schein, den die s\u00fcdliche Sonne durch die von einem S\u00e4ulendach zum andern gespannten Purpurdecken warf. In den Wohnr\u00e4umen waren die B\u00f6den mit kunstvollen Mosaiken und die W\u00e4nde mit unme\u00dfbare Fernen vort\u00e4uschendem Spiegelglas bedeckt. \u00dcber dem Speisesaal w\u00f6lbten sich bewegliche Felderdecken, so da\u00df nach jedem Gang der Mahlzeit die Decken des Saales gewechselt werden konnten. Alle Pracht der B\u00fcrger war jedoch nur ein Abglanz der kaiserlichen Pracht. Der Kuppelsaal, in dem die strotzenden und sch\u00e4umenden kaiserlichen Gelage stattfanden, drehte sich Tag und Nacht um seine eigene Achse.<\/p>\n<p>Aber auch wenn es gel\u00e4nge, das Unm\u00f6gliche gel\u00e4nge, alle Pracht des kaiserlichen Rom widerzuspiegeln, Rom w\u00fcrde damit nicht erkannt und erfa\u00dft; Rom ist mehr als die Stadt am Tiber; Rom ist der r\u00f6mische Geist.<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt mit dem Kap. &#8220;<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5606\">Die f\u00fcr die Kirche wertvollen Kr\u00e4fte des r\u00f6mischen Wesens<\/a>&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cDer Abschlu\u00df des Kampfes der Juden gegen die Urkirche\u201d folgt heute das erste Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-5594","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1se","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5594"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5594\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6245,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5594\/revisions\/6245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}