{"id":5606,"date":"2018-07-01T17:03:05","date_gmt":"2018-07-01T15:03:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5606"},"modified":"2020-05-08T20:36:57","modified_gmt":"2020-05-08T18:36:57","slug":"kirchengeschichte-die-fuer-die-kirche-wertvollen-kraefte-des-roemischen-wesens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5606","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Die f\u00fcr die Kirche wertvollen Kr\u00e4fte des r\u00f6mischen Wesens"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Die f\u00fcr die Kirche wertvollen Kr\u00e4fte des r\u00f6mischen Wesens\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5606\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5594\">Die Kirche auf dem Zug nach Westen<\/a>\u201d folgt heute das zweite Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Geist ist an sich unsichtbar; aber er wird sichtbar in den Werken, die er schafft, in den Zielen, nach denen er ausschaut, kurz in allem, wonach er sich richtet, woran er h\u00e4ngt, wor\u00fcber er sich freut und worunter er leidet. Darum ist der r\u00f6mische Geist auch heute noch zu erkennen; wir wissen und kennen ja, was er schuf und verbrannte, was er liebte und ha\u00dfte.<\/p>\n<p>Wie notwendig uns die Kenntnis des r\u00f6mischen Geistes ist, geht aus der Tatsache hervor, da\u00df Rom Mittelpunkt des Reiches Christi und Sitz des sichtbaren Stellvertreters Jesu Christi wurde. Das konnte nicht geschehen, ohne da\u00df die Kirche in enge Ber\u00fchrung mit dem r\u00f6mischen Wesen kam. Dabei fand sie von der einen Seite dieses Wesens her eine F\u00f6rderung, von der anderen Seite des n\u00e4mlichen Wesens her drohte ihr ein Kampf auf Leben und Tod.<\/p>\n<p>Der r\u00f6mische Geist blieb sich zwar nicht immer vollkommen gleich. In der Holz- und Backsteinstadt Rom war er nat\u00fcrlich nicht der n\u00e4mliche wie in der sp\u00e4teren Marmorstadt. Dennoch sind in der Entwicklung des r\u00f6mischen Reiches einige gro\u00dfe durchlaufende Z\u00fcge erkennbar. Sie werden umso deutlicher, je \u00f6fter und aufmerksamer wir dabei auf andere V\u00f6lker, besonders auf die Griechen schauen. Diese Z\u00fcge seien kurz zusammengefa\u00dft und vorangestellt: <em>Rom hatte erstens viel Sinn f\u00fcr die greifbare Wirklichkeit und ihre Ausn\u00fctzung; zweitens viel Sinn f\u00fcr den Staat, seine Macht und Einheit; und drittens viel Sinn f\u00fcr das Recht und die gesetzliche Regelung der menschlichen Verh\u00e4ltnisse.<\/em><\/p>\n<p>Rom gr\u00fcbelte nicht. Rom bohrte nicht nach den tiefsten und legten Urspr\u00fcngen der Dinge und erhob sich auch nicht leicht und begeistert \u00fcber die Dinge hinauf in dichterische H\u00f6hen. Rom blieb mehr auf dem Boden. Die fruchtbare Furche war ihm lieber als der Brunnen gelehrter Weisheit. Das Schwert, womit es sich Gassen in die Feinde schlug, war ihm lieber als die klingende Leier. Selbst als in der sp\u00e4teren Zeit die Dichtkunst in Rom einzog, fand sie hier niemals ein so allgemeines und festes Heimatrecht wie in Griechenland und das gew\u00f6hnliche Volk, weniger f\u00fcr kunstvolle Form als f\u00fcr sinnenreizenden Inhalt aufgeschlossen, fand allzeit seinen gr\u00f6\u00dften Gefallen an \u00e4u\u00dferem Schaugepr\u00e4nge, an Wettk\u00e4mpfen und Seilt\u00e4nzern. Wenn das alte Rom Lorbeeren verteilte, so bekr\u00e4nzte es vor allem Kriegstaten, Mut und Opfer f\u00fcr das Vaterland. Wenn Rom Denkm\u00e4ler schuf, so waren es in alter Zeit meistens Bauwerke, die nicht blo\u00df r\u00fchmender Erinnerung, sondern auch dem allgemeinen Nutzen dienten; es waren z. B. Wasserleitungen und Heerstra\u00dfen. Schon ein Grieche jener Zeit bezeichnet den Unterschied zwischen dem St\u00e4dtebau seiner Heimat und dem St\u00e4dtebau im r\u00f6mischen Reich mit den Worten: \u201eDie R\u00f6mer haben mit klugem, verst\u00e4ndigem Sinn zu den nat\u00fcrlichen Vorteilen, welche die Lage ihrer Stadt gew\u00e4hrt, auch andere hinzugef\u00fcgt. Der Grieche glaubt bei St\u00e4dteanlagen alles getan zu haben, wenn er eine fruchtbare Gegend und einen guten Hafen ausfindig gemacht und dann seine Stadt mit sch\u00f6nen Geb\u00e4uden geschm\u00fcckt und mit t\u00fcchtigen Festungswerken versehen hat. Der R\u00f6mer aber denkt bei seinen St\u00e4dten mehr an das, was der Grieche vers\u00e4umt; er pflastert die Stra\u00dfen, er legt Wasserleitungen an und baut Kan\u00e4le, durch welche der Unrat weggef\u00fchrt wird. Auch die Landstra\u00dfen bauen die R\u00f6mer ohne R\u00fccksicht auf M\u00fche und Kosten so dauerhaft und zweckm\u00e4\u00dfig, da\u00df sie dazu selbst ganze H\u00fcgel abtragen und Abgr\u00fcnde mit Erde ausf\u00fcllen.&#8221;<\/p>\n<p>Bestes Zeugnis und Beispiel hierf\u00fcr ist die ber\u00fchmte <em>Appische Stra\u00dfe<\/em>, die im Jahre 312 v. Chr. begonnen, Rom und Capua verband. Sie war so breit, da\u00df zwei Wagen bequem einander ausweichen konnten und lag auf einem fest gemauerten Unterbau auf Steinen, die ein bis zwei Meter im Geviert hatten, nach Lineal und Winkelma\u00df gemessen und so genau zusammengef\u00fcgt waren, da\u00df man kaum die Fugen bemerkte. Es fehlten nicht die Meilenzeiger und Herbergen, auch nicht die Steine, auf die man treten konnte, um bequem das Pferd zu besteigen.<\/p>\n<p>Was also der echte R\u00f6mer suchte, war der Nutzen und zwar der Nutzen f\u00fcr die <em>Gemeinschaft<\/em>. Der r\u00f6mische Wirklichkeitssinn war <em>Staatssinn<\/em>, so sehr, da\u00df sogar die Religion nur eine Dienerin des Staates wurde. Ein Volk mit so ausgepr\u00e4gtem Staatssinn war nat\u00fcrlich nicht blo\u00df auf die Bewahrung und Pflege seines staatlichen Bestandes, sondern auch auf die Ausbreitung seiner staatlichen Macht bedacht und setzte alles daran, zu einer beherrschenden Weltmacht zu werden. Wie gut das Rom gelang, zeigt ein Blick auf eine Karte des R\u00f6merreiches zur Zeit seiner gr\u00f6\u00dften Ausdehnung, etwa f\u00fcnfundachtzig Jahre nach dem Tod Christi; es umfa\u00dfte damals ein Gebiet ungef\u00e4hr so gro\u00df, wie das europ\u00e4ische Ru\u00dfland im Jahre 1914 war.<\/p>\n<p>Obwohl nun dieses Gebiet des r\u00f6mischen Reiches \u00fcber drei Erdteile zerstreut lag und Menschen ganz verschiedener Rassen, mit ganz verschiedenen Kulturen und Sprachen in sich schlo\u00df, wurde er durch die staatsm\u00e4nnische F\u00e4higkeit Roms zu einer festen Einheit zusammengeschmiedet. Die <em>Einheit<\/em> zeigte sich vor allem in einer gro\u00dfen Gleichf\u00f6rmigkeit der Wohnungs- und Lebensformen, des Stra\u00dfenbaues und der Bodenbewirtschaftung und auch der Sprache. Gerade durch die sprachliche Einheit wurde die Ausbreitung des Evangeliums wesentlich erleichtert und gef\u00f6rdert. Dabei ist freilich zu beachten, da\u00df neben der lateinischen Amts- und Verkehrssprache in den ehemals griechischen Gebieten und dar\u00fcber hinaus auch die griechische Sprache ebenb\u00fcrtig weiterlebte. Um die Einheit des weitausgedehnten Verkehrs- und Wirtschaftsgebietes herzustellen, bedurfte es neben der M\u00f6glichkeit sprachlicher Verst\u00e4ndigung noch eines weiteren Bandes, n\u00e4mlich eines gut ausgebauten Stra\u00dfennetzes. Das vorz\u00fcgliche Stra\u00dfennetz des r\u00f6mischen Reiches sorgte nicht blo\u00df f\u00fcr dessen eigene Einheit und Ausbreitung, es war damit auch vorgesorgt f\u00fcr die leichte Ausbreitung und einheitliche Verwaltung des Reiches Gottes.<\/p>\n<p>Einer Eigenart des r\u00f6mischen Geistes mu\u00df noch gedacht werden; an letzter Stelle, nicht weil sie von geringerer Bedeutung gewesen w\u00e4re, sie war im Gegenteil eine Voraussetzung f\u00fcr die einheitliche Verwaltung und \u00fcberhaupt f\u00fcr den Bestand des Riesenreiches; es war der Sinn f\u00fcr das <em>Recht<\/em>, es war der Trieb und die F\u00e4higkeit, die menschlichen Verh\u00e4ltnisse durch feste Rechtsbestimmungen allgemeing\u00fcltig und dauernd zu ordnen. Das R\u00f6mische Recht lebte und gab noch Leben, als das r\u00f6mische Schwert schon lange rostig und zerbrochen bei den Sehensw\u00fcrdigkeiten der vergangenen Jahrhunderte lag. Nun ist f\u00fcr jede Gemeinschaft das Recht eine Lebens\u00adnotwendigkeit. Das Recht kl\u00e4rt und gliedert, das Recht verbindet und festigt, das Recht tr\u00e4gt und verb\u00fcrgt Bestand. Schon mehr als einmal sah die Geschichte das Werk eines gro\u00dfen Herrschers rasch verschwinden, weil es nicht durch Verfassung und Gesetz verankert war. Also bedurfte auch die Gemeinschaft der Kirche des menschlichen Rechtes, umso mehr, als sie eine Gemeinschaft f\u00fcr alle Menschen und alle Zeiten sein sollte. Zur Schaffung und Entwicklung ihres Rechtes h\u00e4tte die Kirche keinen besseren Boden finden k\u00f6nnen als Rom, keinen besseren Lehrer als den in der r\u00f6mischen Rechtsschule gebildeten Geist.<\/p>\n<p>Sogar das R\u00f6mische Recht selbst, als dessen st\u00e4rkste Quelle man die Fassung und Zusammenfassung der im R\u00f6merreich entstandenen Rechtsbestimmungen durch den Kaiser Justinian versteht, wurde der Kirche bei der Sicherung und Ordnung ihrer Verh\u00e4ltnisse eine wertvolle Hilfe. Die Kirche trug freilich keineswegs die Schuld daran, da\u00df die noch weniger entwickelten Volksrechte durch das R\u00f6mische Recht lange Zeit zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden. Hier ist auch weniger das R\u00f6mische Recht als die r\u00f6mische Anlage zur Rechtsbildung gemeint.<\/p>\n<p>D\u00fcrfen wir es wagen, den Absichten Gottes bei der F\u00fchrung seines Volkes nachzusp\u00fcren \u2014 und das d\u00fcrfen wir wohl, sollen wir sogar, weil Gott ja seine Spur dazu in der Welt zur\u00fcckl\u00e4\u00dft, damit wir, sie ins Auge fassend, zu ihm hinfinden \u2014 dann kann es uns nicht entgehen, warum Jesus das \u00e4gyptische Alexandria im S\u00fcden und das syrische Antiochia im Norden liegen lie\u00df und sich geradeaus nach Westen wandte, warum der Engel den heiligen Paulus aus dem Gef\u00e4ngnis f\u00fchrte und der Hirtenstab des Apostelf\u00fcrsten nicht endg\u00fcltig in Antiochia stehen blieb, warum der V\u00f6lkerapostel nicht unter den Steinw\u00fcrfen vor der Stadt Lystra starb und nicht unter der Wut der Juden in Jerusalem und nicht am Schlangenbi\u00df auf der Insel Malta die weit und schlank hervorspringende Apenninenhalbinsel Italien sollte eben das Evangelium auffangen, um \u00fcber die Alpen zu leiten und nach Westen weiter zu geben; die Hirten des Reiches Gottes sollten bei den im weltlichen Walten erfahrenen Meistern Roms in die Schule gehen und f\u00fcr die L\u00f6sung ihrer Aufgabe nach der irdischen Seite hin die besten Kr\u00e4fte aus der Schule des r\u00f6mischen Geiltet her\u00fcberholen.<\/p>\n<p>Jedoch \u2014 Rom war nicht blo\u00df Geist.<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt mit dem Kap. &#8220;<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5661\">Die sittlichen Sch\u00e4den des r\u00f6mischen Reiches zur Zeit Christi<\/a>&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cDie Kirche auf dem Zug nach Westen\u201d folgt heute das zweite Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-5606","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1sq","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5606","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5606"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5606\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6259,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5606\/revisions\/6259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5606"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5606"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5606"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}