{"id":5661,"date":"2018-07-17T20:47:29","date_gmt":"2018-07-17T18:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5661"},"modified":"2020-05-08T20:36:54","modified_gmt":"2020-05-08T18:36:54","slug":"kirchengeschichte-die-sittlichen-schaeden-des-roemischen-reiches-zur-zeit-christi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5661","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Die sittlichen Sch\u00e4den des r\u00f6mischen Reiches zur Zeit Christi"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Die sittlichen Sch\u00e4den des r\u00f6mischen Reiches zur Zeit Christi\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5661\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5606\">Die f\u00fcr die Kirche wertvollen Kr\u00e4fte des r\u00f6mischen Wesens<\/a>\u201d folgt heute das dritte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<!--more--><\/p>\n<p>Rom war nicht blo\u00df Geist. Als der heilige Petrus von Rom aus seinen ersten Brief an die Christengemeinden in Kleinasien schrieb, schlo\u00df er\u00a0 ihn mit den Worten: \u201eEs gr\u00fc\u00dft euch die mitauserw\u00e4hlte Gemeinde in Babylon (l Petr 5, 13). Babylon, hebr\u00e4isch <em>Babel<\/em>, der Name f\u00fcr die Hauptstadt des babylonischen Reiches, ist in den B\u00fcchern des Neuen Testamentes die Bezeichnung f\u00fcr einen Sammelpunkt der Gottlosigkeit und Sittenlosigkeit. Rom war nun nicht blo\u00df in den Augen des Apostels, Rom war in Wirklichkeit ein Babel. Das zeigte sich in den zu Rom weithin verbreiteten Lastern der <em>Unzucht<\/em>, der <em>Unm\u00e4\u00dfigkeit<\/em> und der durch diese beiden Laster verursachten <em>Arbeitsscheu<\/em>.<\/p>\n<p>Einzelerscheinungen als Zeugen f\u00fcr die allgemeine Unzucht entziehen sich nat\u00fcrlich hier der Schilderung; aber auch wenn wir uns den Blick auf die absto\u00dfenden Bilder aus den Niederungen Roms ersparen wollen, an drei Erscheinungen d\u00fcrfen wir vor\u00fcbergehen, weil gerade in diesen Erscheinungen die schlimmen Folgen der weitverbreiteten Unzucht deutlich zutage traten: es sind die <em>Kinderscheu<\/em>, die <em>Ehescheu<\/em> und der <em>Tiefstand der Frau<\/em>.<\/p>\n<p>Familie und Frau sind ja allezeit und \u00fcberall untr\u00fcgliche Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr den sittlichen Aufstieg und den Niedergang eines Volkes; denn geordnetes Familienleben und reines Frauenleben verlangen gro\u00dfe Zucht. Nun gab es in der Geschichte Roms wohl eine Zeit, in der das geordnete Familienleben und eine reine Ehe noch die Regel bildeten. Ehescheidung waren in jener Zeit schwer zu erwirken und kamen nur selten vor. Zu Beginn der christlichen Zeitrechnung aber waren diese Tage l\u00e4ngst vorbei; so lange vorbei, da\u00df der Staat durch die Zerr\u00fcttung des Familien- und Ehelebens in seinen Grundlagen bereits ersch\u00fcttert war und diese Ersch\u00fctterung eine sehr ernste Sorge f\u00fcr die Staatsverwaltung bildete. Mit allen Mitteln suchte man den Zusammenbruch aufzuhalten: mit \u00e4u\u00dferen Vorteilen und\u00a0\u00a0 Erleichterungen f\u00fcr Verheiratete, mit Strafen und Lasten f\u00fcr Eheflucht und Kinderscheu. Wie weit aber das \u00dcbel schon vorgeschritten war und wie schwer es hielt, das Unheil einzud\u00e4mmen, das zeigte sich wohl am deutlichsten darin, da\u00df Kaiser Augustus, als er durch die staatliche Gesetzgebung Wandel schaffen wollte, drei\u00dfig Jahre lang an seinen Gesetzen \u00e4ndern und sie immer wieder mildern mu\u00dfte, bis sie sch1ie\u00dflich einmal angenommen wurden. Zum Ziele f\u00fchrten sie keineswegs. Ebensowenig hatten die Ma\u00dfnahmen Erfolg, durch welche die Ehescheidungen erschwert werden sollten. Die Auffassung der Ehe und damit das Eheband wurden vielmehr so locker da\u00df im Jahre 65 nach Christus ein r\u00f6mischer B\u00fcrger schrieb: \u201eKeine Frau sch\u00e4mt sich mehr des Scheidebriefs, nachdem mehrere hohe und vornehme Frauen ihre Jahre nicht mehr nach der Zahl der Konsuln, sondern der Ehem\u00e4nner z\u00e4hlen und aus der Ehe treten, um zu heiraten, und in die Ehe treten, um sich scheiden zu lassen.&#8221; Wer solche und \u00e4hnliche zeitgen\u00f6ssische Berichte liest, gibt dem heiligen Petrus recht und sagt: Rom war Babel.<\/p>\n<p>Fast ebenso widerlich und ekelhaft wie das Laster der Unzucht, daher auch ebensowenig in allen Einzelz\u00fcgen zu schildern, war im sp\u00e4teren Rom das Laster der Unm\u00e4\u00dfigkeit in Speise und Trank. Es gab kein Land, das nicht mit seinen erlesensten Erzeugnissen die r\u00f6mischen Tafeln bedienen mu\u00dfte; kein Meer, in dessen geheimnisvolle Tiefe nicht die Netze tauchten, um die seltensten Fische und Schaltiere an das Licht und auf den r\u00f6mischen Tisch zu bringen. Immer erfinderischer wurde man, um den Gaumen zu kitzeln: die G\u00e4nse wurden mit Feigen und Datteln gem\u00e4stet, in Massen wurden die Pfauen f\u00fcr eine einzige Mahlzeit geschlachtet, damit aus ihren Zungen ein Ragout hergestellt werden konnte; das Fleisch erhielten die Sklaven. Kein Aufwand war zu gro\u00df, um die Mahlzeit der Vornehmen, die in ihrem Hauptteil gew\u00f6hnlich schon aus sieben G\u00e4ngen bestand, bei besonderen Anl\u00e4ssen mit unfa\u00dfbarer Verschwendung auszugestalten. Zwei bekannte R\u00f6mer, Cicero und Pompejus, besuchten einmal unvermutet den reichen Lukullus und wurden von ihm zu Tisch geladen. Sie baten ihn, ihretwegen keine Umst\u00e4nde zu machen und beobachteten auch nichts, was auf besondere Vorbereitung schlie\u00dfen lie\u00df. Nur das Zimmer, in welchem gespeist werden sollte, bezeichnete Lukullus der Dienerschaft. Und siehe, die unvermutet eingetroffenen G\u00e4ste erhielten eine Mahlzeit, die nach unserem Geld ungef\u00e4hr drei\u00dfigtausend Mark gekostet haben mochte. Es gab kein Mittel, das nicht versucht wurde, um die Mahlzeiten hinauszuziehen \u2014 kein Mittel bis zur k\u00fcnstlichen und ekelhaften Entleerung des Magens; kein Mittel, so unsinnig, da\u00df es nicht versucht wurde, nur um die Mahlzeiten zu verteuern; Perlen wurden gel\u00f6st, um mitgetrunken zu werden \u2014 Rom war Babel.<\/p>\n<p>Unzucht und Unm\u00e4\u00dfigkeit scheuen gewissenhafte Pflichterf\u00fcllung und anstrengende Arbeit. So kam es, da\u00df in Rom zur Zeit, als es ein Babel war, nur die Sklaven arbeiteten. Auf dem Feld und bei den Herden, in den Werkst\u00e4tten und in den Bergwerken, beim Bauen und bei der Unterhaltung der Bauten, im Haus und in den Amtsr\u00e4umen \u2014 \u00fcberall Sklaven. So viel Sklaven gab es in Rom, da\u00df bei einem Antrag, den Sklaven einen eigenen Stadtteil einzur\u00e4umen, die B\u00fcrger erschrocken und \u00e4ngstlich abwehrten; sie f\u00fcrchteten die schlimmsten Unruhen und Aufst\u00e4nde wenn die Sklaven gewahr w\u00fcrden, wie verschwindend klein die Zahl der freien B\u00fcrger und wie unerme\u00dflich gro\u00df ihre eigene Zahl sei. Zwischen der einen Seite und den Vornehmen und Beg\u00fcterten auf Seite stand in Rom der gro\u00dfe Haufe, der P\u00f6bel. Das waren die Menschen, die von \u00fcberall her und in immer steigender Zahl zugezogen waren und aus Arbeitsscheu und weil eine planm\u00e4\u00dfige und zwangsm\u00e4\u00dfige Arbeit fehlte, sich vom Staat ern\u00e4hren und unterhalten lie\u00dfen. Arbeit wurde ja als Schande betrachtet. Ungef\u00e4hr f\u00fcnfzig Jahre vor Christus war die Zahl derer, die vom Staat Getreide erhielten, auf dreihundertzwanzigtausend gewachsen. Der Feldherr C\u00e4sar sah, wie und unm\u00f6glich ein solcher Zustand war, und griff ein. Er beschr\u00e4nkte die Zahl auf hundertf\u00fcnfzigtausend; aber bereits unter Kaiser Augustus, also zur Zeit Jesu, lebten in Rom wieder zweihunderttausend Menschen, mithin der vierte Teil der Bev\u00f6lkerung, auf Staatskosten. Gerade der P\u00f6bel Roms galt f\u00fcr den gesunkensten und verworfensten des ganzen Erdkreises &#8211; Rom war Babel.<\/p>\n<p>Woher das kam? Einmal schon daher, da\u00df Rom der <em>Mittelpunkt eines Weltreiches<\/em> und damit auch ein Anziehungspunkt und ein Sammelpunkt den Unrat aus aller Welt wurde, Die r\u00f6mischen Legionen, die nach allen vier Himmelsrichtungen hinauszogen, kamen nicht zuchtvoller zur\u00fcck; in ihrem Tro\u00df schlichen die Laster der Fremde, besonders des Morgenlandes, durch die Tore Roms. Menschen, die untertauchen wollten, Menschen, die sich ausleben wollten, kurz, der vielgestaltige Schmutz der Erde wurde von den Str\u00f6men des Verkehrs in das Meer der Gro\u00dfstadt geschoben.<\/p>\n<p>Der tiefste Grund f\u00fcr die Sittenlosigkeit Roms lag in seiner <em>religi\u00f6sen<\/em> <em>Haltlosigkeit<\/em>. Es war schon immer eine Schw\u00e4che im religi\u00f6sen Leben der heidnischen R\u00f6mer gewesen, da\u00df ihr Gottesglaube nicht tief in das Gewissen griff. In ihrem Gewissen hatten sie sich eigentlich niemals von G\u00f6ttern gebunden gef\u00fchlt und daher wurde auch schon in der alten Zeit eine Verfehlung nicht als pers\u00f6nliche Beleidigung der Gottheit empfunden. Immerhin war fr\u00fcher wenigstens noch der Glaube an eine Strafvergeltung lebendig, und schon der getreue Vollzug der \u00fcblichen religi\u00f6sen Gebr\u00e4uche vermochte einen, wenn auch nur allgemeinen und mittelbaren Einflu\u00df auf das sittliche Leben auszu\u00fcben. In der sp\u00e4teren Zeit waren dagegen die gesamten religi\u00f6sen \u00dcbungen ohne Kraft f\u00fcr das Leben; sie waren nur die Erf\u00fcllung \u00e4u\u00dferer staatlicher Verpflichtungen,\u00a0 wenig religi\u00f6se Hilfe und sittlichen Halt die Religion des heidnischen Rom dem Menschen bieten konnte, geht aus drei Erscheinungen hervor: aus der Entwicklung der G\u00f6tterverehrung zur g\u00f6ttlichen Verehrung des Kaisers; aus der Vielzahl von Gottheiten, die in Rom verehrt wurden und deren Reihe sich stets durch die Gottheiten der eroberten L\u00e4nder vermehrte, ohne da\u00df der Staat, der nur auf der gleichzeitigen Verehrung der r\u00f6mischen G\u00f6tter bestand, dagegen Einspruch erhob; schlie\u00dflich und das am deutlichsten aus der Rolle, die der Aberglaube in Rom spielte. Der linke und der rechte Fu\u00df, der Vogelflug und das \u00fcber den Weg laufende Tier, das Ansto\u00dfen der Zehe und das Niesen, der Schrei der Tiere und die Tage der Gewitter, alle, auch die kleinsten Vorkommnisse in der Luft und auf der Erde, im stillen h\u00e4uslichen Leben und auf der Stra\u00dfe hatten ihre Bedeutung. so da\u00df der heidnische Schriftsteller Plinius feststellte, auf der ganzen Welt, an allen Orten und zu allen Stunden werde aus aller Mund im Gebet blo\u00df der Zufall angerufen. Eine Welt, die sich nicht an den \u00fcberweltlichen Gott und seine Vorsehung h\u00e4lt, f\u00e4llt auch ohne ihr eigenes Zutun. Um wieviel leichter und wieviel tiefer mu\u00dfte das unz\u00fcchtige, unm\u00e4\u00dfige und unt\u00e4tige Rom fallen! Was f\u00fcr ein Gegensatz zwischen der Christengemeinde, aus der die Glaubensboten auszogen, und der Welt, deren Pesthauch ihnen aus den Toren Roms entgegenschlug!<\/p>\n<p>Arme Apostel! Wie wird es euch in diesem Babel ergehen!<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt mit dem Kap. &#8220;<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5705\">Der Aufenthalt und der Tod der Apostelf\u00fcrsten in Rom<\/a>&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cDie f\u00fcr die Kirche wertvollen Kr\u00e4fte des r\u00f6mischen Wesens\u201d folgt heute das dritte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-5661","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1tj","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5661"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5661\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6258,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5661\/revisions\/6258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}