{"id":5723,"date":"2018-08-05T10:17:17","date_gmt":"2018-08-05T08:17:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5723"},"modified":"2020-05-08T21:23:41","modified_gmt":"2020-05-08T19:23:41","slug":"kirchengeschichte-die-roemischen-verfolgungen-im-ersten-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5723","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Die r\u00f6mischen Verfolgungen im ersten Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Die r\u00f6mischen Verfolgungen im ersten Jahrhundert\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5723\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div><p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5705\">Der Aufenthalt und der Tod der Apostelf\u00fcrsten in Rom<\/a>\u201d folgt heute das f\u00fcnfte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<!--more--><\/p>\n<p class=\"Text\">Einen genauen Bericht \u00fcber die Vorg\u00e4nge, die zu der ersten Christenverfolgung und damit zum M\u00e4rtyrertod der Apostelf\u00fcrsten f\u00fchrten, gibt uns der im Jahre 117 n. Chr. gestorbene heidnische Schriftsteller Tacitus. Danach brach am 19. Juli 64 in Rom ein Brand aus, so furchtbar, da\u00df von den vierzehn Stadtgebieten drei ganz und sieben teilweise zerst\u00f6rt wurden. Die Feuersbrunst, die sechs Tage und sieben N\u00e4chte dauerte, war vielleicht von Kaiser Nero selbst angestiftet. Um aber den Verdacht von sich abzuw\u00e4lzen und den Ger\u00fcchten, die ihn als Brandstifter bezeichneten, ein Ende zu machen, schob Nero das entsetzliche Verbrechen auf die Christen ab. Er ging dabei in der Weise vor, da\u00df einige Personen die Angeber machen und, ergriffen, so tun mu\u00dften, als ob sie Christen w\u00e4ren, wobei sie aussagten, sie selbst und die Christen h\u00e4tten die Stadt angez\u00fcndet. Sehr wahrscheinlich spielte bei dieser Ablenkung des Verdachtes auf die Christen auch wieder der Ha\u00df der Juden eine Rolle.<\/p>\n<p class=\"Text\">Gern \u00fcberlie\u00df Nero die Christen nun der Volkswut, nicht blo\u00df, weil jetzt niemand mehr an seine Schuld glaubte, sondern auch deswegen, weil jetzt seine mit Wollust gepaarte Grausamkeit willkommene Nahrung fand. So grausam war ja dieser Kaiser, da\u00df er seinen Lehrer Seneka n\u00f6tigte, sich die Adern zu \u00d6ffnen. Seinen Halbbruder Britannikus lie\u00df er an der kaiserlichen Tafel vergiften, seine Gemahlin Popp\u00e4a Sabina t\u00f6tete er durch einen Fu\u00dftritt und seine eigene Mutter Agrippina lie\u00df er bei Neapel schm\u00e4hlich umbringen. Seine Grausamkeit schien auf das \u00fcber den Brand emp\u00f6rte Volk \u00fcberzuspringen. Tacitus berichtet, da\u00df viele Christen in Tierh\u00e4ute eingen\u00e4ht und von Hunden zerfleischt wurden; andere wurden gekreuzigt oder verbrannt, wieder andere bei Anbruch der Dunkelheit zur Beleuchtung in Brand gesteckt. Nero stellte zu diesen Schauspielen seine G\u00e4rten zur Verf\u00fcgung und gab ein Zirkusspiel, bei dem er sich in der Tracht eines bekannten Wagenlenkers unter das Volk mischte.<\/p>\n<p class=\"Text\">Mit der den Christen so teuflisch zugeschobenen Brandstiftung sind aber die tiefsten Ursachen der Christenverfolgung noch nicht erfa\u00dft. Wohl war die neronische Verfolgung nur ein Vorspiel zu vielen anderen; allein schon hier, bei dem ersten Sturm gegen die Kirche, waren auch tiefere Ursachen wirksam.<\/p>\n<p class=\"Text\">Im r\u00f6mischen Reich waren Staat und Religion fest miteinander verbunden und wer zum Reich geh\u00f6rte, mu\u00dfte, mochte er vorher was immer f\u00fcr eines Glaubens gewesen sein, die r\u00f6mischen G\u00f6tter \u00f6ffentlich verehren. Wollte er neben den r\u00f6mischen G\u00f6ttern noch andere Gottheiten verehren, so stand ihm das frei und gerade diese Duldung trug dazu bei, da\u00df die eroberten Gebiete sich mit dem Zwang, den r\u00f6mischen Staatsg\u00f6ttern zu opfern, leicht abfanden. Die Verehrung der Staatsg\u00f6tter nun hatte sich schon einige Jahrzehnte vor der Geburt Christi dahin entwickelt, da\u00df man die alten, toten Reichsg\u00f6tter zur\u00fccksetzte und daf\u00fcr zum Mittelpunkt der Staatsreligion das lebendige Reichsoberhaupt, also den Kaiser, machte. Unter Augustus setzte sich die g\u00f6ttliche Verehrung des Kaisers vollends durch und besonders im Osten des Reiches wurde sie schnell pflichtm\u00e4\u00dfige Staatsreligion. Der religi\u00f6se Friede im Reich wurde dadurch keineswegs gest\u00f6rt. Durch das Christentum aber erhielt dieser Zustand pl\u00f6tzlich einen scharfen Sto\u00df.<\/p>\n<p class=\"Text\">Jetzt gab es Menschen, die, von den Aposteln gelehrt und getauft, ganz eigene Wege gingen. Man sah sie bei keinem G\u00f6tteropfer mehr, geflissentlich fehlten sie \u00fcberall, wo dem Kaiser g\u00f6ttliche Ehren zu erweisen waren; sie wichen jeder Arbeit, jedem Amt und jeder Besch\u00e4ftigung aus, die mit der Verehrung der Gottheiten oder des Kaisers zusammenhingen. Man sah sie nicht mehr bei gro\u00dfen Mahlzeiten und ausgelassenen Vergn\u00fcgungen, sie entschuldigten sich pl\u00f6tzlich und machten nicht mehr mit; sie zechten nicht, sie brachen schmutzige Verh\u00e4ltnisse ab, sie zogen sich von der Stra\u00dfe zur\u00fcck und \u2014 arbeiteten. Allm\u00e4hlich wurden Ger\u00fcchte laut, diese Leute k\u00e4men nachts zusammen und br\u00e4chten ein ganz absonderliches Opfer dar; man munkelte von einem Kind, von Blut, von einem Mann, der am Kreuz gestorben und von dem sie auch ihren Namen Christen h\u00e4tten. Zuerst meinte man, sie seien eine besondere Art der Juden. Als aber diese davon h\u00f6rten, wehrten sie sich mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gegen jede Verbindung mit den Christen.<\/p>\n<p class=\"Text\">Die Heiden erkannten immer mehr die Kluft, welche sie selbst von den Christen trennte. Man sollte nicht mehr treiben k\u00f6nnen, was man wollte; nicht mehr essen und trinken k\u00f6nnen, wie man wollte; seinen Feinden sollte man verzeihen; Sklaven sollte man behandeln wie ehrbare Menschen und arbeiten sollte man: wahrhaftig, so dachten die Heiden, das hei\u00dft ja die Ordnung aller Dinge umst\u00fcrzen, das staatliche Gef\u00fcge sprengen und das Reich vernichten \u2014 hinweg mit solchen Leuten! Es sch\u00fcrte der woll\u00fcstige R\u00f6mer, er b\u00e4umte sich gegen Christengebot und Christensitte auf; es sch\u00fcrte der vergn\u00fcgungss\u00fcchtige gro\u00dfe Haufe, der hier einmal Menschen fand, die nicht mehr mit ihm liefen; es sch\u00fcrten die Juden, die in den Christen die Verr\u00e4ter ihrer Sache sahen; es sch\u00fcrten alle, die von der heidnischen Staatsreligion lebten; es sch\u00fcrte der Satan und dann sch\u00fcrte Nero noch den Brand und die Verfolgung war da.<\/p>\n<p class=\"Text\">\u00dcber Rom hinaus scheint sich diese erste Verfolgung nicht ausgebreitet zu haben und auch unter den Nachfolgern Neros, der im Jahr 68 von allen verlassen und als Staatsgefahr betrachtet, sich umbringen lie\u00df, unter Kaiser Galba (68\u201469), Vespasian (69\u201470) und seinem trefflichen Sohn Titus (79\u201481) hatten die Christen auch in Rom Ruhe. Aber der unter Nero gegen sie entfachte Sturm war doch so furchtbar und ersch\u00fctternd gewesen, da\u00df die r\u00f6mische Heidenwelt auch weiterhin in den Christen Menschen sah, die, selbst ohne ein besonderes Verbrechen begangen zu haben, schon durch ihr Dasein allein das Recht auf das Leben verwirkt h\u00e4tten.<\/p>\n<p class=\"Text\">Darum brauchte es keines besonderen Anlasses zur Verfolgung, als mit Domitian (81-\u201496) ein Mann den Kaiserthron bestieg, der nicht blo\u00df au\u00dferordentlich habs\u00fcchtig und darauf bedacht war, m\u00f6glichst viele G\u00fcter einzuziehen, der ebenso argw\u00f6hnisch und besorgt um seine W\u00fcrde war; er lie\u00df sich \u201eHerr und Gott&#8221; nennen. Den Sprossen eines alten r\u00f6mischen Geschlechtes, den Christen Acilius Gabrio, lie\u00df er hinrichten; desgleichen seinen eigenen Vetter \u2014 schon bis in die kaiserliche Familie war das Evangelium vorgedrungen \u2014 den Konsular Flavius Klemens; dessen Frau Flavia Domitilla verbannte er auf eine Insel. Als er davon h\u00f6rte, da\u00df in Pal\u00e4stina noch Verwandte der Mutter Christi lebten, befahl er, dieselben sofort nach Rom zu bringen. Der um das Jahr 150 lebende Schriftsteller Hegesippus erz\u00e4hlt, wie sie von dem Kaiser verh\u00f6rt wurden. Zwei M\u00e4nner waren es. \u201eDomitian fragte sie, ob sie von David abstammten. Sie best\u00e4tigten es. Sodann fragte er sie nach dem Umfang ihrer Besitzungen und nach der Gr\u00f6\u00dfe ihres Verm\u00f6gens. Sie antworteten, sie bes\u00e4\u00dfen beide zusammen nur neuntausend Denare und davon geh\u00f6re jedem die H\u00e4lfte. Aber auch dieses Verm\u00f6gen best\u00fcnde, so f\u00fcgten sie bei, nicht in Geld, sondern im Werte eines Feldes von nur neununddrei\u00dfig Morgen, die sie mit eigener Hand bewirtschafteten, um davon die Steuern zu zahlen und ihren Lebensunterhalt zu decken. Hierauf zeigten sie ihm ihre H\u00e4nde und bewiesen durch die H\u00e4rte ihrer Haut und durch die Schwielen, welche sie infolge ihrer angestrengten Arbeit an ihren H\u00e4nden trugen, da\u00df sie Handarbeiter waren. Als man sie \u00fcber Christus und \u00fcber die Art, den Ort und die Zeit seines Reiches fragte, antworteten sie, dasselbe sei nicht von dieser Welt und von dieser Erde, es sei vielmehr ein himmlisches und engelhaftes Reich, das erst am Ende der Welt kommen werde, wenn Christus in Herrlichkeit erscheinen wird, um die Lebenden und die Toten zu richten und jedem nach seiner Gesinnung zu vergelten. Daraufhin verurteilte sie Domitian nicht, sondern er verachtete sie als gemeine Leute. Er setzte sie in Freiheit und befahl, die Verfolgung der Kirche einzustellen. Sie aber&#8221;, so schlie\u00dft der Bericht, \u201eerhielten nach der Freilassung, da sie Bekenner und Verwandte des Herrn waren, f\u00fchrende Stellungen in der Kirche. Nachdem Frieden geworden war, lebten sie noch bis Trajan&#8221; (Euseb. Kg. 3, 20).<\/p>\n<p class=\"Text\">Damit war aber der neuerdings entfachte Brand nicht gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt mit dem Kap. &#8220;<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5745\">Heidnisches Gesetz und christliche Kraft im zweiten Jahrhundert<\/a>&#8220;.<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cDer Aufenthalt und der Tod der Apostelf\u00fcrsten in Rom\u201d folgt heute das f\u00fcnfte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-5723","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1uj","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5723","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5723"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5723\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6142,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5723\/revisions\/6142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5723"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5723"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5723"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}