{"id":5780,"date":"2018-09-09T16:07:07","date_gmt":"2018-09-09T14:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5780"},"modified":"2020-05-08T17:03:41","modified_gmt":"2020-05-08T15:03:41","slug":"kirchengeschichte-die-verfolgungen-unter-den-kaisern-hadrian-und-antonius","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5780","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Die Verfolgungen unter den Kaisern Hadrian und Antonius"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Die Verfolgungen unter den Kaisern Hadrian und Antonius\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5780\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div>\n<p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5745\">Heidnisches Gesetz und christliche Kraft im zweiten Jahrhundert<\/a>\u201d folgt heute das siebte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des ganzen zweiten Jahrhunderts verliefen die Verfolgungen ungleichm\u00e4\u00dfig. Hier waren sie grausamer und blutiger, dort milder; hier waren sie umfangreicher, dort griffen sie weniger weit um sich. Damit verbunden war eine gewisse Unsicherheit der Staatsgewalt, wie sie die Verfolgung gesetzlich begr\u00fcnden und rechtfertigen sollte. Unter den Nachfolgern des Kaisers Trajan traten dazu noch zwei weitere Merkmale: der P\u00f6bel, die sittlich und wirtschaftlich tiefstehende Masse, gewann einen gro\u00dfen Einflu\u00df auf das Vorgehen gegen die Christen, und bei Ungl\u00fccksf\u00e4llen und Notlagen gab man den Christen die Schuld. F\u00fcr die erste Erscheinung, den b\u00f6sen Einflu\u00df des P\u00f6bels, hat uns die Geschichte ein sprechendes Zeugnis aus der Regierungszeit des Kaisers Hadrian (117\u2014136) bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Der Prokonsul, der h\u00f6chste\nBeamte der asiatischen Provinz, Serenius Gratianus mit Namen, hatte dem Kaiser\ngeschrieben, es sei doch eine Ungerechtigkeit, wenn man die Christen blo\u00df auf\ndas Geschrei des P\u00f6bels hin t\u00f6te, ohne da\u00df eine gerichtliche Untersuchung gegen\nsie gef\u00fchrt worden und ihnen eine Schuld nachgewiesen sei. Der Ha\u00df der Heiden\ngegen die Christen hatte sich n\u00e4mlich besonders in einem w\u00fctenden Toben bei\n\u00f6ffentlichen Festen Luft gemacht und es mu\u00df schon schlimm gewesen sein, wenn\nein Beamter wie der Prokonsul den Kaiser dagegen anrief. Seine Vorstellungen\nblieben nicht ohne Wirkung. Er selbst war bis dahin nicht mehr in seinem Amt,\naber sein Nachfolger Minucius Fundanus erhielt vom Kaiser folgenden Erla\u00df:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0 \u201eAn Minucius Fundanus.\nVon dem trefflichen Serenius Gratianus, deinem Vorg\u00e4nger, habe ich ein an mich\ngerichtetes Schreiben erhalten. Es scheint mir nun nicht gut zu sein, die Sache\nohne Untersuchung hingehen zu lassen; denn die Leute sollen nicht beunruhigt\nwerden und die Angeber sollen keine Gelegenheit haben, ihrer Bosheit freien\nLauf zu lassen. Wenn sich die Provinzbewohner f\u00fcr ihre Forderung gegen die\nChristen auf klare Gr\u00fcnde st\u00fctzen, so da\u00df sie sich auch vor dem Richterstuhl\nverantworten k\u00f6nnen, dann sollen sie nur diesen Weg gehen. Nicht aber sollen\nsie sich aufs Fordern und nur aufs Schreien verlegen. Denn es ist viel besser,\nda\u00df du, im Falle jemand eine Anklage erheben will, die Sache untersuchen l\u00e4\u00dft.\nWenn also jemand als Kl\u00e4ger auftritt und nachweist, da\u00df die Christen in\nirgendwelcher Weise gegen die Gesetze handeln, dann f\u00e4lle dein Urteil entsprechend\ndem Vergehen. Wer aber in verleumderischer Absicht Klage stellt, den f\u00fcrwahr\nziehe wegen seiner Frechheit zur Verantwortung und f\u00fcr dessen Bestrafung trage\nSorge.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Erla\u00df ist der Grund daf\u00fcr, da\u00df Kaiser Hadrian als\nchristenfreundlich gilt. In der Tat zeugt der Erla\u00df von Rechtsempfinden und er\nbrachte in das Vorgehen gegen die Christen nach drei Seiten hin eine\nwesentliche Milderung. Schon das war eine Milderung, da\u00df die Christen jetzt nur\nmehr verurteilt werden sollten, wenn ihnen vorher regelrecht der Proze\u00df gemacht\nworden ist. Noch einschneidender war die Bestimmung, da\u00df es zur Bestrafung von\nnun an nicht mehr hinreichen sollte, wenn festgestellt war, da\u00df sie Christen\nseien, es mu\u00dfte dazu feststehen, da\u00df sie auch ein Vergehen gegen die Staatsgesetze\nbegangen hatten. Wohltuend ber\u00fchren endlich das eigentlich selbstverst\u00e4ndliche\nGebot, die Strafe nach der Schwere der Vergehen abzustufen, und der Schutz\ngegen falsche Anklagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob der Erla\u00df den Christen aber auch tats\u00e4chlich Erleichterung\nbrachte? F\u00fcr den Teil Asiens, von dem er veranla\u00dft war und f\u00fcr den er\nausgefertigt wurde, d\u00fcrfen wir es annehmen; denn aus dieser Provinz haben wir\naus den folgenden Jahren keine Nachrichten \u00fcber M\u00e4rtyrer. Einen durchgreifenden\nEinflu\u00df auf das r\u00f6mische Reich hatte der Erla\u00df jedoch nicht und wenn auch die\nsogenannten M\u00e4rtyrerakten, die von zahlreichen Blutzeugen jener Zeit sprechen\nund sie mit Namen nennen, in den zeitlichen Angaben nicht unbedingt zuverl\u00e4ssig\nsind, so gab es gleichwohl auch unter Hadrian Christenprozesse und es flo\u00df auch\nunter seiner Regierung Christenblut. Ebenso war es unter seinem Nachfolger, dem\nKaiser Antonius Pius, obwohl auch dieser Kaiser, wie schon sein Name Pius d. h.\nder G\u00fctige besagt, keine grausame Natur war und den Einwohnern mehrerer St\u00e4dte\nverbot, neue feindselige Ma\u00dfnahmen gegen die Christen zu ergreifen. Aus dieser\nZeit besitzen wir den unzweifelhaft zuverl\u00e4ssigen Bericht \u00fcber einen Vorfall,\nder sich in Rom zutrug und uns nicht blo\u00df ein sicheres, sondern auch ein\nlebensvolles Bild davon vermittelt, wie es damals zuging.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Frau, die bei diesem Vorfall die erste Rolle spielte,\nwollte der r\u00f6mische Professor Justinus, ein gro\u00dfer Heiliger, sich bei dem\nKaiser verwenden und unterbreitete ihm also den ganzen Hergang. \u201eEine Frau\u00a0 so beginnt er seine Darlegung, \u201elebte in\nGemeinschaft mit einem ausschweifenden Mann. Auch sie selbst hatte fr\u00fcher\nausschweifend gelebt. Nachdem sie aber die Lehre Christi kennengelernt hatte,\nbeherrschte sie sich und suchte auch ihren Mann zu einem enthaltsamen Leben zu\nbewegen, indem sie ihm Christi Lehren mitteilte und ihm erz\u00e4hlte, da\u00df die,\nwelche nicht enthaltsam und vernunftgem\u00e4\u00df leben, in ewigem Feuer bestraft\nw\u00fcrden. Er aber setzte sein ausschweifendes Leben fort und entfremdete sich\ndadurch seine Gattin. Da die Frau es f\u00fcr s\u00fcndhaft hielt, noch weiter mit einem\nMann ehelich zu verkehren, der wider das Naturgesetz und wider das Recht seine\nSinnlichkeit auf jede Weise zu befriedigen suchte, wollte sie sich von ihm\ntrennen. Weil aber ihre Angeh\u00f6rigen dies nicht gerne sahen und ihr noch weiter\nauszuhalten rieten mit dem Bemerken, der Mann w\u00fcrde sich einmal in gehoffter\nWeise bessern, bezwang sie sich und blieb. Als aber ihr Mann nach Alexandrien\ngereist war und die Nachricht einlief, er treibe es da noch schlimmer, gab sie,\num nicht durch das Verbleiben in der Ehe und durch die Gemeinschaft von Tisch\nund Bett an seinen Lastern und S\u00fcnden teilzuhaben, den \u00fcblichen sogenannten\nScheidebrief und trennte sich. Ihr sauberer Gatte jedoch, der sich h\u00e4tte freuen\nsollen, da\u00df sie sich von all den S\u00fcnden, in die sie sich ehedem leichtsinnig\nmit Dienern und S\u00f6ldlingen bei fr\u00f6hlichen Gelagen und andern Unfug eingelassen\nhatte, lossagte und auch ihn selbst zu bewegen suchte, davon abzulassen, erhob\ngegen sie, weil sie sich wider seinen Willen von ihm getrennt hatte, die\nAnklage, sie sei Christin. ,Diese nun reichte bei dir&#8217;, so schrieb Justinus dem\nKaiser, ,eine Bittschrift ein, worin sie bat, ihr zu gestatten, da\u00df sie zun\u00e4chst\nihre h\u00e4uslichen Angelegenheiten in Ordnung bringe und da\u00df sie sich erst nach\nderen Regelung gegen die Anklage verteidige. Du bist auf ihre Bitte\neingegangen&#8217;. Ihr ehemaliger Gatte wandte sich nunmehr, da er ihr jetzt nichts\nmehr anhaben konnte, gegen einen gewissen Ptolem\u00e4us, der die Frau in der\nchristlichen Lehre unterrichtet hatte. Dieser wurde vor den Richter\nUrbikus\u00a0 geladen, und zwar auf folgende\nWeise. Urbikus \u00fcberredete einen ihm befreundeten Hauptmann, den Ptolem\u00e4us zu\nverhaften und ihn nur das eine zu fragen, ob er Christ sei. Als Ptolem\u00e4us, der\ndie Wahrheit liebte und von Lug und Trug nichts wissen wollte, sich als Christ\nbekannte, befahl der Hauptmann, ihn in den Kerker zu werfen, wo er ihn lange\nZeit mi\u00dfhandeln lie\u00df. Als der Mann schlie\u00dflich dem Richter Urbikus vorgef\u00fchrt\nwurde, erging an ihn wiederum nur die eine Frage, ob er Christ sei. Und\nwiederum bekannte sich Ptolem\u00e4us im Bewu\u00dftsein, da\u00df er das Gute der Lehre\nChristi verdanke, zur Schule der g\u00f6ttlichen Religion. Entweder leugnet n\u00e4mlich\njemand etwas, weil er eine Sache verwirft, oder er geht einem Bekenntnis aus\ndem Weg, weil er sich dessen bewu\u00dft ist, seiner nicht w\u00fcrdig zu sein oder es\nnicht zu verstehen. Bei einem wahren Christen trifft weder das eine noch das\nandere zu.&#8217; Als Urbikus befahl, ihn zur Hinrichtung abzuf\u00fchren, da wandte sich\nein gewisser Lucius, ebenfalls ein Christ, in der Erkenntnis, da\u00df das Urteil\nganz unvern\u00fcnftig sei, an ihn mit den Worten: ,Warum hast du diesen Mann, der\ndoch kein Ehebrecher, kein ausschweifender Mensch, kein M\u00f6rder, kein Dieb,\nkein\u00a0 R\u00e4uber ist, \u00fcberhaupt keiner b\u00f6sen\nTat \u00fcberf\u00fchrt werden konnte, sich aber als Christ bekannt hat, bestrafen\nlassen? Dein Urteil, Urbikus, macht dem Kaiser Pius und dem philosophisch geschulten\nSohne des Kaisers und dem heiligen Senate keine Ehre.&#8217; Des Urbikus eine Antwort\nwar, da\u00df er zu Lucius sagte: ,<em>Auch du\nscheinst mir so einer zu sein.<\/em>&#8216; Als Lucius es bejahte, lie\u00df Urbikus ihn zur\nHinrichtung abf\u00fchren. Lucius dankte ihm daf\u00fcr offen und bemerkte, er sei von\ndiesen schlimmen Herrschern befreit und gehe zu Gott, dem guten Vater und\nK\u00f6nig&#8221; (Euseb. Kgsch. 4, 17).\n\n\u201e<em>Auch so einer<\/em>&#8220;, das war\ndas kurze Urteil, womit der heidnische Richter den Lucius dem Tod \u00fcberlieferte.\n\u201eWas f\u00fcr einer&#8221;, das h\u00e4tte er aus dem Leben des tadellosen Ptolem\u00e4us\nersehen k\u00f6nnen. Aber man brauchte nichts zu sehen und nichts zu denken und\nnichts zu beweisen, man brauchte blo\u00df hinzugehen und zu sagen: er ist ein\nChrist \u2014 und dann hie\u00df es \u201e<em>Auch so einer<\/em>&#8221;\nund das Urteil war gef\u00e4llt. \n\n\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Fortsetzung folgt mit dem Kap. &#8220;<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5840\">Vom Wesen des Martyriums<\/a>&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cHeidnisches Gesetz und christliche Kraft im zweiten Jahrhundert\u201d folgt heute das siebte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-5780","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1ve","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5780"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6132,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5780\/revisions\/6132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}