{"id":5851,"date":"2018-10-03T20:01:09","date_gmt":"2018-10-03T18:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5840"},"modified":"2020-05-08T21:48:30","modified_gmt":"2020-05-08T19:48:30","slug":"kirchengeschichte-vom-wesen-des-martyriums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5851","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Vom Wesen des Martyriums"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Vom Wesen des Martyriums\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5851\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div>\n<p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5745\">Die Verfolgungen unter den Kaisern Hadrian und Antonius<\/a>\u201d folgt heute das achte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag): <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Smyrna war eine Stadt in Kleinasien. Der Bischof von Smyrna war\nPolykarp, ein Sch\u00fcler des heiligen Apostels Johannes. W\u00e4hrend nun Polykarp\neinmal des Nachts betete, sah er sein Kopfkissen brennen. In Wirklichkeit war\nes nicht so, das Kopfkissen lag noch unversehrt unter seinem Haupt; aber leerer\nSchaum und Traum war das Gesicht doch nicht gewesen. Etwas fing wahrhaftig zu\nbrennen an und dieser Brand war tausendmal schlimmer als ein brennendes\nKopfkissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Martyrium einiger Christen von Smyrna hatten n\u00e4mlich die\nHeiden einen rasenden Tumult vollf\u00fchrt und gerufen: \u201eAuf, holen wir Polykarp!&#8221;\nAls Polykarp von dieser Hetze gegen ihn erfuhr, beschlo\u00df er seelenruhig, sich\nnicht vom Platze zu r\u00fchren und zu bleiben, wo er war. Seine Umgebung dr\u00e4ngte\njedoch so z\u00e4h zur Flucht, da\u00df er schlie\u00dflich nachgab und sich auf ein Landgut\nzur\u00fcckzog. Aber die H\u00e4scher waren ihm auf den Fersen und so entwich er auf ein\nanderes Landgut. Er war allerdings nicht im Zweifel dar\u00fcber, da\u00df seine Tage\ngez\u00e4hlt seien; immer wieder mu\u00dfte er an das brennende Kissen denken. Wirklich \u2014\nda waren schon die H\u00e4scher. Bevor sie in das Haus eindrangen, h\u00e4tte der Bischof\nwohl noch fl\u00fcchten k\u00f6nnen; aber mit den Worten \u201eDein Wille geschehe&#8221; ging\ner den Verfolgern so liebensw\u00fcrdig und freundlich entgegen, da\u00df sie stutzten.\nDie ihn nicht schon vorher gekannt hatten, glaubten zuerst, eine wunderbare\nErscheinung zu sehen und erstaunt \u00fcber das w\u00fcrdige, gelassene Benehmen des\ngreisen Bischofes fragten sie sich, warum man sich so gro\u00dfe M\u00fche mache, um\neinen solchen Mann gefangen zu nehmen. Sie sch\u00e4mten sich geradezu, als er ihnen\nsofort den Tisch decken lie\u00df, sie bewirtete, und sie ihn dann beten h\u00f6rten.\nDoch sie mu\u00dften ihn nach Smyrna bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie setzten ihn also auf einen Esel und machten sich auf den Weg\nzur Stadt. Der Polizeipr\u00e4sident von Smyrna und dessen Vater kamen ihnen\nentgegen gefahren und nahmen den Bischof in ihren Wagen. Es sei doch nichts\nSchlimmes dabei, redeten sie ihm zu, \u201eHerr Kaiser&#8221; zu sagen, zu opfern und\nsich damit das Leben zu retten. Als aber alles Zureden nichts n\u00fctzte und er\nihnen nicht den Willen tat, wurden sie \u00e4rgerlich und stie\u00dfen ihn mit solcher\nGewalt vom Wagen, da\u00df er sich das Schienbein verletzte. Ohne darauf zu achten\nund als ob nichts geschehen w\u00e4re, ging Polykarp wohlgemut und so gut er konnte\nweiter. In Smyrna wurde er in die Rennbahn gef\u00fchrt. Dort fragte ihn der\nProkonsul, ob er Polykarp sei. \u2014 Polykarp bejahte es.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hie\u00df es: \u201eNimm R\u00fccksicht auf dein hohes Alter! Schw\u00f6re beim\nGl\u00fcck des Kaisers, \u00e4ndere deine Gesinnung! Sprich: Fort mit den Gottlosen!\nSchw\u00f6re und ich werde dich freilassen! \u2014 L\u00e4stere deinen Christus!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf Polykarp: \u201eSchon 86 Jahre diene ich Christus und er hat\nmir kein Leid getan. Wie kann ich meinen K\u00f6nig, der mich erl\u00f6st hat, l\u00e4stern!\nVernimm das offene Bekenntnis: Ich bin Christ.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigem Hin und Her erkl\u00e4rte der Prokonsul: \u201eEs stehen mir\nwilde Tiere zur Verf\u00fcgung; ihnen werde ich dich vorwerfen lassen, wenn du nicht\nnachgibst.&#8221; \u2014 Polykarp: \u201eLa\u00df sie kommen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn du dir aus den wilden Tieren nichts machst und hartn\u00e4ckig\nbleibst, lasse ich dich vom Feuer verzehren.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Polykarp dagegen: \u201eDu drohst mir mit deinem Feuer, das nur einige\nZeit brennt und bald wieder erlischt. Du kennst nicht das Feuer des kommenden\nGerichtes und der ewigen Strafe, das den Gottlosen bestimmt ist. Doch warum\nz\u00f6gerst du? Hole herbei, was du willst!&#8221; Und dabei strahlte sein Angesicht\nvon Anmut, hei\u00dft es im Bericht.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf befahl der Prokonsul einem Herold, dreimal durch die\nRennbahn zu rufen: \u201ePolykarp hat sich als Christ bekannt.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt begann die Masse zu toben und zu schreien und verlangte von\ndem Direktor der \u00f6ffentlichen Spiele, er solle auf Polykarp einen L\u00f6wen\nloslassen. Der Direktor aber erkl\u00e4rte, das sei ihm nicht gestattet, weil das\nTierhetzen bereits beendet sei. Da beschlossen sie, so f\u00e4hrt unser Bericht\nfort, einstimmig zu rufen, Polykarp solle lebendig verbrannt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesagt, getan. Eilig holte die Menge aus den Werkst\u00e4tten und\nB\u00e4dern Holz und Reisig zusammen, wobei die Juden ihrer Gewohnheit gem\u00e4\u00df\nbereitwillig die gr\u00f6\u00dften Dienste leisteten. Als der Holzsto\u00df errichtet war,\nlegte Polykarp selbst seine Oberkleidung ab und l\u00f6ste seinen G\u00fcrtel. Sodann\nsuchte er auch seine Schuhe auszuziehen. Sonst brauchte er dies nicht zu tun,\nda stets alle Gl\u00e4ubigen gewetteifert hatten, zuerst ihn ber\u00fchren zu d\u00fcrfen;\ndenn schon vor seinem M\u00e4rtyrium wurde er wegen seines tugendhaften Wandels auf\njede Art und Weise ausgezeichnet. Das f\u00fcr den Scheiterhaufen beigeschleppte\nHolz wurde sofort um ihn herumgelegt. Als man ihn auch annageln wollte,\nerkl\u00e4rte er: \u201eLasset mich so! Denn der, welcher mich f\u00fcr das Feuer bestimmt hat,\nwird mir auch die Gnade geben, ohne da\u00df idch angenagelt und derart gesichert\nbin, unbeweglich auf dem Scheiterhaufen stehen zu bleiben.&#8221; Sie nagelten\nihn daher nicht an; doch banden sie ihn fest. Er aber, die H\u00e4nde auf dem R\u00fccken\nund festgemacht, wie der Bericht sagt, gleich einem herrlichen Opfertier, das\naus einer gro\u00dfen Herde zu einem f\u00fcr den allm\u00e4chtigen Gott angenehmen Opfer\nauserlesen Wurde, sprach folgendes Gebet: \u201eO Vater deines geliebten und\ngepriesenen Sohnes Jesus Christus, der es uns vermittelt hat, da\u00df wir dich\nkennen. o Gott der Engel und M\u00e4chte und aller Sch\u00f6pfung und des ganzen Geschlechts\nder Gerechten, die dich vor Augen haben, ich preise dich, da\u00df du mich dieses\nTages und dieser Stunde gew\u00fcrdigt hast, so da\u00df ich unter der Schar der M\u00e4rtyrer\nam Kelche deines Christus teilnehme, um mit Seele und Leib in der\nUnverg\u00e4nglichkeit des Geistes zu ewigem Leben neu aufzuerstehen. M\u00f6chte ich\nunter die Zahl der M\u00e4rtyrer heute vor dir aufgenommen werden als reiches,\nwohlgef\u00e4lliges Opfer; denn du, untr\u00fcglicher, wahrhaftiger Gott, du hast dieses\nOpfer vorher verk\u00fcndet und erf\u00fcllt, du hast es zubereitet. Deshalb bringe ich\ndir f\u00fcr alles Lob, Dank und Preis durch den ewigen Hohenpriester Jesus\nChristus, deinen geliebten Sohn, durch welchen dir mit ihm im Heiligen Geist\ndie Ehre sei jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNachdem Polykarp&#8221; \u2014 wir folgen immer noch dem Bericht \u2014\n\u201edas Amen ausgesprochen und sein Gebet beendet hatte, z\u00fcndete man das Feuer an.\nAls die Flamme m\u00e4chtig emporloderte und sich gleich einem vom Wind geschwellten\nSegel w\u00f6lbte, umgab es rings den Leib des M\u00e4rtyrers wie eine sch\u00fctzende Mauer.\nSein Fleisch verbrannte nicht darin, sondern es war wie Gold und Silber in\neinem <em>Schmelzofen<\/em>. Auch empfanden wir\neinen Wohlgeruch wie von duftendem Weihrauch oder anderen kostbaren Gew\u00fcrzen.\nAls schlie\u00dflich die Gottlosen merkten, da\u00df sein Leib nicht vom Feuer verzehrt\nwerden k\u00f6nne, befahlen sie dem Henker, der den verwundeten Menschen und Tieren\nden Todessto\u00df zu geben hatte, er solle zu Polykarp hingehen und ihm das Schwert\nin die Brust sto\u00dfen. Er tat dies, und es ergo\u00df sich eine solche Menge Blutes\naus der Wunde, da\u00df davon das Feuer ausgel\u00f6scht wurde. Die ganze Menschenmenge\nwunderte sich \u00fcber den gro\u00dfen Unterschied zwischen den Ungl\u00e4ubigen und den Auserw\u00e4hlten.\n&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Dr\u00e4ngen der Juden sollte der Prokonsul den Leichnam Polykarps\nja nicht herausgeben, damit nicht die Christen, wie die Juden sagten, den\nGekreuzigten verlassen und anfangen w\u00fcrden, den Polykarp anzubeten. \u201eSie sahen\nnicht ein&#8221;, so hei\u00dft es in unserem Bericht, \u201eda\u00df wir Christus, der f\u00fcr das\nHeil aller, die auf Erden erl\u00f6st werden, gelitten hat, da\u00df wir Christus nicht\nverlassen und einen andern anbeten k\u00f6nnen. Christus beten wir an, weil er der\nSohn Gottes ist, den M\u00e4rtyrern aber erweisen wir als Sch\u00fclern und Nachahmern\ndes Herrn w\u00fcrdige Verehrung wegen ihrer un\u00fcbertrefflichen Liebe zu ihrem K\u00f6nig\nund Lehrer.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die Geschichte von dem Martyrium des heiligen Polykarp,\nzuverl\u00e4ssig aufgeschrieben im Jahre 156 n. Chr. und \u00fcberaus wichtig f\u00fcr die\nGesamtgeschichte der Verfolgungszeit. Sie zeigt uns, welch gro\u00dfe Rolle die\nheidnischen Volksmassen bei den Verfolgungen der Christen spielten. Sie\nunterrichtet uns dar\u00fcber, da\u00df die Christen sich nicht leichtfertig fangen\nlie\u00dfen und blindlings den H\u00e4schern in die H\u00e4nde liefen, sondern ihnen\nausweichen, sich verstecken und sich den Ihrigen zu erhalten suchen durften.\nSie wirft ein Licht auf den Ha\u00df, womit auch jetzt noch die Juden den Christen\nnachstellten. Von h\u00f6chstem Wert aber ist sie deswegen, weil sie uns sagt, wie\nChristen in ihren letzten qualvollen Augenblicken dachten und beteten. Damit\nweist sie den Unterschied zwischen Ungl\u00e4ubigen und Auserw\u00e4hlten und das tiefste\nWesen des Martyriums auf. Es liegt in der Lehre, f\u00fcr welche Christen lebten und\nstarben und dann in der Liebe, womit sie es taten. \u201eEin Christ&#8221;, sagt\nOrigenes, \u201egibt f\u00fcr seinen Glauben eher das Leben als ein Heide f\u00fcr alle G\u00f6tter\nein St\u00fcck seines Mantels&#8221; (C. Cels. 7, 39). <\/p>\n\n\n\n<p>Fortsetzung folgt mit dem Kap. &#8220;<a href=\"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5745\">Heidnisches Gesetz und christliche Kraft im zweiten Jahrhundert<\/a>&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cDie Verfolgungen unter den Kaisern Hadrian und Antonius\u201d folgt heute das achte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-5851","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1wn","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5851"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5851\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6667,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5851\/revisions\/6667"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}