{"id":6664,"date":"2018-12-09T19:38:46","date_gmt":"2018-12-09T19:38:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6664"},"modified":"2020-05-10T02:57:14","modified_gmt":"2020-05-10T00:57:14","slug":"kirchengeschichte-die-verfolgungen-unter-den-kaisern-marc-aurel-und-commodus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6664","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Die Verfolgungen unter den Kaisern Marc Aurel und Commodus"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Die Verfolgungen unter den Kaisern Marc Aurel und Commodus\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6664\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div>\n<p>Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5851\">Vom Wesen des Martyriums<\/a>\u201d folgt heute das neunte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eDie ganze Menschenmenge\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht \u00fcber das Martyrium des heiligen Polykarp, \u201ewunderte sich \u00fcber den gro\u00dfen Unterschied, der zwischen den Ungl\u00e4ubigen und den Auserw\u00e4hlten ist.\u201c \u201eDie Schmach derjenigen\u201c,sagt der heilige Iren\u00e4us, \u201edie Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen,alle Qualen erdulden und dem Tod sich hingeben aus Liebe zu Gott und wegen des Bekenntnisses seines Sohnes, h\u00e4lt die Kirche allein in voller Reinheit aus, oft geschw\u00e4cht, aber sofort wieder die Glieder mehrend.&#8221; Ja, die Kirche hat das Bewu\u00dftsein, da\u00df sie au\u00dfer der Hilfe Gottes den M\u00e4rtyrern ihren Weiterbestand zu verdanken hatte; dessen wurde sie sich besonders dann bewu\u00dft,wenn sich aus der heidnischen Volksmasse, die rasend nach dem Tod der Christen schrie, pl\u00f6tzlich der eine oder der andere Zuschauer losl\u00f6ste und, von einer besonderen Gnade gef\u00fchrt und gest\u00fctzt, in die Arena sprang und rief: \u201eAuch ich bin ein Christ&#8221; und zugleich mit den anderen Christen in den Tod ging.Zahlreicher waren nat\u00fcrlich noch die F\u00e4lle, in denen von den christlichen M\u00e4rtyrern eine werbende Wirkung in der Weise ausging, da\u00df heidnische Zuschauer das Bild der sterbenden Gottesstreiter nicht mehr von ihrer Seele losbrachten, es gr\u00fcbelnd und sinnend mit sich herum trugen und keine Ruhe mehr fanden, bis sieselbst Christen wurden. Die \u00dcberzeugung der Christen, in dem M\u00e4rtyrium eine unverg\u00e4ngliche Quelle neuen Zustroms zu besitzen, fa\u00dfte der Kirchenschriftsteller Tertullian in die bekannten Worte: \u201eDas Blut der M\u00e4rtyrer ist der Same der Christen.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend so das Christentum sich ausbreitete und innerlich\nerstarkte, wurde das einst so feste Gef\u00fcge des r\u00f6mischen Reiches langsam\nschw\u00e4cher. Die Anzeichen daf\u00fcr konnte man kaum \u00fcbersehen. Im Osten und Westen\nwaren die Reichsgrenzen manchen Anst\u00fcrmen ausgesetzt; am bedenklichsten und\ngef\u00e4hrlichsten waren die aufr\u00fchrerischen und feindseligen Bewegungen, die fast\ngleichzeitig an der Donau und am Rhein entstanden. Hungersnot, Seuchen,\n\u00dcberschwemmungen und Erdbeben versetzten, auch wenn sie \u00f6rtlich begrenzt waren,\ndas Reich in eine geheime Unruhe. Die heidnischen Volksmassen machten wiederum\ndie Christen daf\u00fcr verantwortlich. So ist es zu erkl\u00e4ren, da\u00df unter dem\nNachfolger des Antoninus Pius, dem Kaiser Marc Aurel (161\u2014180), die\nVerfolgungen wieder heftiger wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Christen, \u00e4u\u00dferlich wehrlos, suchten sich zwar mit den Waffen\ndes Geistes zu verteidigen. Schon unter Antoninus Pius waren von mehreren christlichen\nGelehrten sogenannte <em>Schutzschriften<\/em>\nan den Kaiser gerichtet worden; dem Kaiser Marc Aurel \u00fcbersandte jetzt Bischof\nMelitto von Sardes eine Schrift, worin er mit der Versicherung treuer Hingabe\nan den Kaiser ihn auf die wilden Zust\u00e4nde aufmerksam machte, die sich besonders\nim Osten herausgebildet hatten und den Christen uns\u00e4gliche Bedr\u00fcckungen und\nLeiden brachten. \u201eAuf unerh\u00f6rte Weise&#8221;, schreibt er, \u201ewird das Geschlecht\nder Gottesf\u00fcrchtigen durch neue, f\u00fcr Asien erlassene Gesetze aufgescheucht und\nverfolgt. Freche Angeber und nach fremden G\u00fctern gierige Menschen ben\u00fctzen die\nErlasse, um offen auf Raub auszugehen und solche, die nichts B\u00f6ses getan haben,\nTag und Nacht auszupl\u00fcndern. Geschieht dies auf deinen Befehl hin&#8221;, so f\u00e4hrt\nder Bischof fort, \u201edann soll es recht sein! Denn ein gerechter F\u00fcrst&#8221;\ndamit sucht er den Kaiser zu gewinnen \u2014 \u201ewird niemals ungerechte Verordnungen\nerlassen. Und gerne nehmen wir die Ehre eines solchen Todes hin. Doch tragen\nwir dir die eine Bitte vor, da\u00df du zuvor diese als Aufwiegler hingestellten\nChristen kennenlernst und dann erst urteilst, ob sie die Todesstrafe oder ein\nruhiges Leben verdienen. Wenn aber der Erla\u00df und diese neue Verordnung, die man\nnicht einmal gegen barbarische V\u00f6lker anwenden sollte, nicht von dir\nausgegangen sind, dann bitten wir dich um so inst\u00e4ndiger, du m\u00f6gest uns, die\nwir ja offen beraubt werden, nicht im Stiche lassen&#8221; (Euseb. Kgsch. 4,\n26).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Kaiser erf\u00fcllte die Erwartung des Bischofs nicht. \u2014Alle\nSchutzschriften hatten \u00fcberhaupt wenig Erfolg. Wohl entkr\u00e4fteten sie die drei\ngro\u00dfen Anklagen, die im Heidentum gegen die Christen gang und g\u00e4be waren, und\nlegten klar, da\u00df die Christen deswegen, weil sie die heidnischen G\u00f6tter\nablehnten, nicht gottlos seien, wie gegen sie ausgesprengt wurde; sie seien\nvielmehr der Tr\u00e4ger des wahren Gottesglaubens. Die Schutzschriften zeigten dann\nauf, wie unsinnig die Ger\u00fcchte \u00fcber die heimliche Unsittlichkeit der Christen\nseien; sie brauchten dabei nur auf ihren heiligen Lebenswandel hinzuweisen.\nAuch staatsfeindlich seien die Christen. Was immer mit Fug und Recht von ihnen\nverlangt werden k\u00f6nne, das erf\u00fcllten sie in aller Treue; nur solle man ihnen\ndie Gewissensfreiheit lassen. Dar\u00fcber hinaus legten die Schutzschriften dar,\nwie t\u00f6richt der heidnische G\u00f6tterglaube und wie unsittlich seine\nG\u00f6ttergestalten seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Feder war aber keine wirksame Waffe, weder dem Kaiser\ngegen\u00fcber, noch gegen\u00fcber dem Geschrei des Volkes. Es erschien vielmehr eine\nVerordnung, die den Christenfeinden eine neue willkommene Handhabe bot; es\nsollten n\u00e4mlich diejenigen auf eine Insel verbannt werden, die, so hie\u00df es,\n\u201eetwas tun, wodurch den beweglichen G\u00fctern der Menschen eine abergl\u00e4ubische\nFurcht vor der Gottheit eingefl\u00f6\u00dft werden k\u00f6nne&#8221;, und auch das alte Verbot,\nwonach von Sklaven keine Gest\u00e4ndnisse gegen ihren Herrn erpre\u00dft werden durften,\nbrauche nach dieser Verordnung den Christen gegen\u00fcber nicht gehalten zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Verfolgungen, die w\u00e4hrend der Regierung des Kaisers\nMarc Aurel einsetzten, war besonders heftig die Verfolgung in S\u00fcdfrankreich Sie\nbegann damit, da\u00df bei der gro\u00dfen Messe, die im August 177 zu Lyon gehalten\nwurde, die heidnischen Volksmassen gegen die Christen schrien und in\nAbwesenheit des Statthalters sofort Verhaftungen vorgenommen wurden. Alle\nBem\u00fchungen, dem zur\u00fcckgekehrten Statthalter klar zu machen, da\u00df die Christen\nweder Religions- noch Majest\u00e4tsverbrecher seien, schlugen fehl. Folter und\nMarter setzten so heftig und grausam ein, da\u00df sogar zehn Christen von ihrem\nGlauben abfielen. Alle Christen von irgendwelcher Stellung und Bedeutung wurden\nin das Gef\u00e4ngnis geworfen, auch diejenigen wieder, die den Herrn verleugnet\nhatten, und die Stadt erlebte Greuel, die zu den schlimmsten in der ganzen\nGeschichte der Verfolgungen geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcberragenden Helden in diesem Kampfe waren die Heiligen\nMarturus, Sanctus, Attalus, der f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Pontikus und die \u00fcber allen\nPreis erhabene heilige Blandina. \u00dcber ihre Marter haben wir einen Bericht von\nAugenzeugen; er gibt uns auch die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, wie ein Mensch diese\nuns\u00e4glichen Marterqualen ertragen konnte. \u201eNachdem Blandina gegei\u00dfelt worden\nwar&#8221;, so hei\u00dft es, \u201eden wilden Tieren vorgeworfen, und von ihnen zerfetzt,\nimmer noch lebend, auf einen gl\u00fchenden eisernen Stuhl zum R\u00f6sten gesetzt\nworden, steckte man sie zulegt in ein Netz und warf sie einem Stier vor. Als\nsie von dem Stiere wiederholt emporgeschleudert worden war, wof\u00fcr sie infolge\nihrer unersch\u00fctterlichen Hoffnung auf das, was sie glaubte und infolge ihres\nVerkehrs mit Christus gar kein Empfinden mehr hatte, wurde auch sie\nget\u00f6tet.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Christen atmeten auf, als auf Marc Aurel dessen Sohn Commodus als Kaiser folgte und die Befehle und das W\u00fcten gegen die Christen aufh\u00f6rten.Zwar nicht \u00fcberall gleichzeitig; manche Statthalter verfolgten auch jetzt noch Christen und zum ersten mal flo\u00df jetzt in Afrika Christenblut. Immerhin konnte der Kirchenschriftsteller Eusebius die Lage der Christen unter dem Kaiser Commodus mit den Worten zeichnen: \u201eUnsere Verh\u00e4ltnisse wurden ruhiger und durch die Gnade Gottes erhielten die Kirchen des ganzen Erdkreises Frieden. Und so f\u00fchrte das Wort des Heiles Seele um Seele aus allen Geschlechtern zur frommen Verehrung Gottes, so da\u00df selbst mehrere von denen, die in Rom durch ihren Reichtum und ihre Abstammung h\u00f6chstes Ansehen genossen, mit ihrem ganzen Haus und ihrer ganzen Verwandtschaft den Weg des Heils beschritten&#8221; (Euseb.Kgsch. 5, 21). Sogar Iren\u00e4us, der Bischof von Lyon, stellte um das Jahr 185 fest: \u201eDie Welt hat durch die R\u00f6mer Frieden und wir Christen wandeln ohne Furcht auf den Stra\u00dfen und fahren zur See, wohin wir wollen.&#8221; Da\u00df es doch immer so geblieben w\u00e4re!<\/p>\n\n\n\n<p>Fortsetzung folgt mit dem Kap. &#8220;<a href=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6724\">Lehrer und Irrlehrer<\/a>&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cVom Wesen des Martyriums\u201d folgt heute das neunte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-6664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1Ju","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6664"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6727,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6664\/revisions\/6727"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}