{"id":6724,"date":"2018-12-30T21:22:17","date_gmt":"2018-12-30T20:22:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6724"},"modified":"2020-05-10T02:57:13","modified_gmt":"2020-05-10T00:57:13","slug":"kirchengeschichte-lehrer-und-irrlehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6724","title":{"rendered":"Kirchengeschichte: Lehrer und Irrlehrer"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Kirchengeschichte: Lehrer und Irrlehrer\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6724\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div>\n<p> Nach dem Kapitel \u201c<a href=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=6664\">Die Verfolgungen unter den Kaisern Marc Aurel und Commodus<\/a>\u201d folgt heute das zehnte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag): <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das war ein Kampf! Auf der einen Seite die Bestien der Arena, der\num die zuckenden Glieder aufz\u00fcngelnde Feuerbrand, Folter, Kreuz und all die\nQu\u00e4lereien, die wie eine schmutzige Gosse aus der H\u00f6lle zu kommen schienen \u2014\nauf der anderen Seite die unersch\u00fctterliche Kraft, womit die Christen gegen\neine ganze Welt standen, hilflos und doch von einer Hilfe gest\u00fctzt, an der\njeder Sturm, wenn auch mit rasendem W\u00fcten, zerbrach&nbsp; Menschen, mit dem Fu\u00df noch auf der dunklen\nErde, mit dem Herzen schon im ersten Lichtglanz der Ewigkeit. Vollst\u00e4ndig und\ngetreu wird aber das Kampfbild erst, wenn wir das Ringen hineinzeichnen, womit\nder Geist den Schild vor den gepeinigten Leib zu halten versuchte, die\nBem\u00fchungen, womit auch die christliche Wissenschaft dem Heidentum entgegentrat.\nDer rohen Gewalt gegen\u00fcber hatten sie im Augenblick keinen besonderen Erfolg;\ndennoch bestimmten sie weithin den Lauf der Kirchengeschichte. \u00dcber ihren\nn\u00e4chsten Zweck, die Abkehr des Heidentums, hinaus, dienten sie ja dazu, die\nWelt immer mehr zur Erkenntnis Gottes zu f\u00fchren und die von Gott geschenkten\nund in der Kirche aufbewahrten Offenbarungen immer tiefer zu durchdringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren nicht blo\u00df die blutigen Verfolgungen, die Bisch\u00f6fe und\nchristliche Gelehrte auf die bedrohten W\u00e4lle riefen, es waren auch geistige\nAngriffe, und zwar sowohl von au\u00dfen her, von seiten der heidnischen Gelehrten,\nwie von innen her, von aufkeimenden Irrlehren. Wohl befa\u00dfte sich die gebildete\nSchicht der Heidenwelt nicht mit dem Christentum; sie hatte von dem Christentum\nnur die wenigen, fragenhaften Vorstellungen, wie sie die gro\u00dfe Masse hatte.\nImmerhin schrieben im Lauf des zweiten Jahrhunderts bereits einige gebildete\nHeiden B\u00fccher gegen die Christen und es fehlte auch nicht an Schriften, die\nsich um wirkliche L\u00e4uterung der heidnischen Gedankenwelt und ebenso der\nheidnischen Lebensf\u00fchrung bem\u00fchten. ohne sich hierbei immer in Angriff gegen\ndie Christen zu stellen. Die Kampfesweise war bald ernst, bald l\u00e4ppisch und\ndann ohne jede Vorstellung von dem wahren Wesen des Christentums. Das\nChristentum war in den Augen der Heiden entweder blo\u00df Schw\u00e4rmerei, Aberglaube\nund Gaukelei, oder es war ein Gemisch von j\u00fcdischem Wahn, neu erdachten\nIrrt\u00fcmern und einigen der griechischen Weltweisheit entlehnten guten\nSittenvorschriften.<\/p>\n\n\n\n<p>Die leidenschaftlichste und bedeutendste dieser heidnischen\nKampfschriften kam in den Jahren 177\u2014180 aus der Feder eines gewissen Celsus; sie\nfand erst im Jahre 248 eine gl\u00e4nzende und gediegene Widerlegung durch den\nchristlichen Gelehrten Origenes von Alexandrien. Aber schon durch das ganze\nzweite Jahrhundert hindurch sprangen, wie schon erw\u00e4hnt, bald hier, bald dort\nchristliche Geistesm\u00e4nner mit ihren Schutzschriften vor die Front und hielten\nden Heiden bis hinauf zum Raiser vor wie unsinnig ihre Anklagen und wie\nungerecht ihr Vorgehen gegen die Christen sei. Statt ihrer Namen, die ja im\nGed\u00e4chtnis doch nicht haften bleiben, seien die Haupts\u00e4tze verzeichnet, die sie\nden Heiden entgegenstellten und bewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ein Christ ein Verbrechen beging, so forderten sie, dann\nsolle man ihn strafen; aber nur dann und nicht schon um seines Namens willen.\nAuch wenn die Christen dem Kaiser nicht opferten wie einem Gott, so seien sie\ndoch keineswegs dem Kaiser gef\u00e4hrlich; im Gegenteil, zu jedem anderen Opfer\nbereit und treu, treuer als so viele Heiden, die heute den Kaiser als Gott\nverehren und morgen ihn aufr\u00fchrerisch vom Thron st\u00fcrzen. Kein Verbrechen k\u00f6nne\nman den Christen nachweisen, nur Tugenden bewundern und wie unschuldig sie\nseien, gehe schon daraus hervor, da\u00df man andere Leute foltere, damit sie\ngestehen sollten, die Christen aber foltere man, damit sie ableugnen sollten.\nMan werfe den Christen Gottlosigkeit vor; gottlos sei niemals, wer sich weigere,\nvon Menschenhand gemachte G\u00f6tzenbilder zu verehren, daf\u00fcr aber den einen wahren\nGott an. bete. Man werfe ihnen Unsittlichkeit vor und sie lebten doch so keusch,\nda\u00df sie sogar Theater, rauschende Feste, alles was nur eine Gefahr bedeuten k\u00f6nnte,\n\u00e4ngstlich meiden und viele ein ganz jungfr\u00e4uliches Leben f\u00fchren. Vollends\nunsinnig sei die scheu\u00dfliche Verleumdung, die Christen schlachteten Kinder, die\nChristen, die so wenig von Blut wissen wollen, da\u00df sie keinem blutigen\nGladiatorenspiel zuschauen und bei der Hinrichtung der Verbrecher sich zur\u00fcckziehen\nund in ihrer Sorge f\u00fcr den N\u00e4chsten lieber selber sterben, als andere t\u00f6ten\nwollen. Und ebenso verkehrt sei es, den Christen die Schuld an Ungl\u00fccksf\u00e4llen\nzuzuschreiben.&nbsp; Ungl\u00fccksf\u00e4lle habe es\nschon immer gegeben, vor Christus vielleicht noch mehr; denn jetzt werde\nweniger ges\u00fcndigt und jetzt habe man mehr F\u00fcrsprecher bei Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen was alles die Christen sich wehren mu\u00dften! Ihre Abwehr war\nzugleich Angriff. Sie deckten auf, wie blind und r\u00fcckst\u00e4ndig die Juden waren,\ndie aus ihren Propheten doch leicht zu erkennen verm\u00f6chten, wer Christus ist;\nwie nichtig und t\u00f6richt doch die ganze G\u00f6tzendienerei war und wie schlimm die\nS\u00fcnden und Laster im Heidentum geworden seien und bei einem solchen Aberglauben\nund bei solchen G\u00f6ttern werden mu\u00dften. Dieser Finsternis stellten sie dann das\nLicht gegen\u00fcber, das himmlische Licht, das von Christus in die Welt strahlt,\ndas Licht der Apostel und M\u00e4rtyrer, das Licht der christlichen Lehren und\nEinrichtungen und nicht zulegt das helle Licht des gesamten christlichen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben die zwei Feinde, Judentum und Heidentum, die von au\u00dfen her gegen\n\u201edie himmlische Pflanzung&#8221;, wie der christliche Schriftsteller Laktantius\ndie Kirche nannte, anst\u00fcrmten, trat im Laufe des zweiten Jahrhunderts ein neuer\nFeind, und zwar von innen her: der Irrlehrer. Nicht immer gleich so geh\u00e4ssig\nund roh wie die Juden und Heiden, vielleicht auch nicht immer auf den ersten\nBlick so deutlich als Feind erkennbar, da durch aber nicht weniger gef\u00e4hrlich,\neher noch gef\u00e4hrlicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Irrlehren mu\u00df das Reich Gottes immer rechnen. Der\nV\u00f6lkerapostel sagt im ersten Korintherbrief: \u201eEs m\u00fcssen auch Irrlehren unter\neuch sein, damit die Bew\u00e4hrten unter euch offenbar werden&#8221; (11, 19).\nPaulus wu\u00dfte es vom Herrn; der Herr selbst hatte es ja als eine Grundlinie im\nBild der wachsenden Kirche festgelegt, da\u00df Unkraut unter dem Weizen steht bis\nzum Erntetag. So wenig der Acker deshalb aufh\u00f6rt, der Acker seines Herrn zu\nsein, ebensowenig h\u00f6rt das Reich Gottes deswegen auf, das Reich Gottes zu sein.\nDie Knechte im Gleichnis des Evangeliums hatten den Acker ihres Herrn darum\nnicht weniger lieb, waren jetzt eher noch sorgsamer und treuer auf ihn bedacht.\nSo ist auch dem katholischen Christen seine Kirche&nbsp; nur noch teurer, wenn er sie in Gefahr sieht.\nAber er wird sich doch fragen und mit Recht fragen d\u00fcrfen, wie es zu einer\nIrrlehre kommt; ja, die Einsicht in das Wesen der Irrlehren ist ein\nunentbehrlicher Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Kirchengeschichte aller Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine <em>Irrlehre<\/em> entsteht\nin der Weise, da\u00df der Mensch sich in der Erfassung oder dem Verst\u00e4ndnis der\ng\u00f6ttlichen Offenbarung irrt und dann diesen Irrtum festh\u00e4lt, weitertr\u00e4gt und so\nsich selbst an die Stelle des von Christus eingesetzten und vom Heiligen Geist\ngeleiteten Lehramtes setzt. Der Irrtum selbst entsteht vielfach so, da\u00df der\nMensch von den geoffenbarten Wahrheiten die eine oder die andere in den\nVordergrund stellt, nur mehr gerade diese sieht und andere dar\u00fcber vergi\u00dft oder\ngar leugnet und damit das Bild der g\u00f6ttlichen Offenbarung verzerrt und\nverst\u00fcmmelt. Darauf deutet auch die griechische, h\u00e4ufig gebrauchte Bezeichnung\nf\u00fcr Irrlehre, das Wort \u201eH\u00e4resie&#8221;; ins Deutsche \u00fcbersetzt hei\u00dft es\n\u201eAuswahl&#8221;. Zum <em>Irrlehrer<\/em> wird\nder irrende Mensch, wenn er seinen Irrtum nicht an der Lehre der Kirche\nberichtigt, sondern seine eigene, pers\u00f6nliche Meinung \u00fcber die Entscheidung des\nkirchlichen Lehramtes stellt. Der Irrtum ist ein Mangel menschlicher\nErkenntnis; die Irrlehre in dem Sinne, wie dieses Wort in der Kirchengeschichte\ngebraucht wird, ist im Grund eine s\u00fcndhafte \u00dcberhebung des menschlichen\nGeistes.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Lauf des zweiten Jahrhunderts tauchten nun haupts\u00e4chlich zwei\nIrrlehren auf. Die eine, ihr griechischer Name lautet Gnostizismus, selber&nbsp; wieder in sich vielfach gespalten,\nbehauptete, es g\u00e4be eine vom Glauben verschiedene, nur wenigen zug\u00e4ngliche\nreligi\u00f6se Erkenntnis, und so wie es einen ewigen guten Gott g\u00e4be, g\u00e4be es auch\nein selbst\u00e4ndiges, ebenso ewiges B\u00f6se. Die andere gro\u00dfe Irrlehre des zweiten\nJahrhunderts hei\u00dft Montanismus; sie war eine Schw\u00e4rmerei, nach der die Christen\nunter Anleitung einiger, besonderer Offenbarungen sich r\u00fchmender Personen in ganz\nverstiegener Strenge leben und sich an einem Ort Kleinasiens versammeln\nsollten, um die bestimmt vorausgesagte Ankunft des J\u00fcngsten Gerichtes und des\nhimmlischen Jerusalems zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>So werden wir schon in der Geschichte des zweiten Jahrhunderts mit jener Sorge des Reiches Gottes bekannt, die eine der allerschwersten und vordringlichsten ist, mit der Sorge um die Bewahrung der Gl\u00e4ubigen vor Irrlehren und um die Zur\u00fcckf\u00fchrung der ausgebrochenen Schafe in die H\u00fcrde des Herrn. Dieser Sorge wurde nun die Kirche auch im Lauf der folgenden Jahrhunderte, bis zum heutigen Tag, niemals ledig. Aber diese Sorge ist ihr h\u00f6chster Ruhm; denn Gott ist die Wahrheit und die Kinder Gottes m\u00fcssen darauf schw\u00f6ren und darin leben und darin sterben k\u00f6nnen: \u201e Wir sind im wahren Christentum.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Fortsetzung folgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Kapitel \u201cDie Verfolgungen unter den Kaisern Marc Aurel und Commodus\u201d folgt heute das zehnte Kapitel aus dem Abschnitt \u201eDie Kirche und die r\u00f6mische Staatsgewalt\u201c aus dem Buch \u201cGeschichte der Kirche Christi\u201d von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-6724","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-1Ks","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6724"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6724\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6725,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6724\/revisions\/6725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}