{"id":9580,"date":"2023-03-09T20:31:41","date_gmt":"2023-03-09T19:31:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=9580"},"modified":"2024-08-29T08:11:25","modified_gmt":"2024-08-29T06:11:25","slug":"was-lehrt-die-katholische-kirche-eigentlich-ueber-die-irrtumslosigkeit-der-bibel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=9580","title":{"rendered":"Was lehrt die katholische Kirche eigentlich \u00fcber die Irrtumslosigkeit der Bibel?"},"content":{"rendered":"<div class=\"shariff\" data-title=\"Was lehrt die katholische Kirche eigentlich \u00fcber die Irrtumslosigkeit der Bibel?\" data-info-url=\"http:\/\/ct.de\/-2467514\" data-backend-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/plugins\/shariff-sharing\/backend\/index.php\" data-temp=\"\/tmp\" data-ttl=\"60\" data-service=\"gftr\" data-services='[\"googleplus\",\"facebook\",\"twitter\",\"reddit\",\"info\"]' data-image=\"\" data-url=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=9580\" data-lang=\"de\" data-theme=\"colored\" data-orientation=\"horizontal\"><\/div>\n<p>Nicht nur von Nichtchristen, sondern mittlerweile auch von Christen selbst wird die Zuverl\u00e4ssigkeit und Glaubw\u00fcrdigkeit der Bibel bzgl. ihrer historischen Aussagen angezweifelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Enth\u00e4lt die Bibel nicht auch viele Mythen anstatt realer bzw. historisch zuverl\u00e4ssiger Begebenheiten? Wie ernst muss man z. B. den Sch\u00f6pfungsbericht oder die Erz\u00e4hlung \u00fcber die Sintflut nehmen? <\/p>\n\n\n\n<p>Und was lehrt eigentlich die katholische Kirche \u00fcber die Irrtumslosigkeit der Bibel? Hat nicht zuletzt das 2. Vatikanische Konzil die Irrtumslosigkeit der Bibel auf nur diejenigen Inhalte eingeschr\u00e4nkt, die f\u00fcr unser Seelenheil relevant sind, also auf Themen des Glaubens und Moral? <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Im folgenden werden die wichtigsten offiziellen Aussagen der katholischen Kirche zu diesem Thema wiedergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt dazu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>105 Gott ist der Urheber [Autor] der Heiligen Schrift. ,,Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift schriftlich enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>,,Denn die heilige Mutter Kirche h\u00e4lt aufgrund apostolischen Glaubens die B\u00fccher sowohl des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen f\u00fcr heilig und kanonisch, weil sie, auf Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben, Gott zum Urheber [Autor] haben und als solche der Kirche \u00fcbergeben sind&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html\">DV 11<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>106 Gott hat die menschlichen Verfasser [Autoren] der Heiligen Schrift inspiriert. ,,Zur Abfassung der Heiligen B\u00fccher aber hat Gott Menschen erw\u00e4hlt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen F\u00e4higkeiten und Kr\u00e4fte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er &#8211; in ihnen und durch sie wirksam &#8211; selbst wollte, als wahre Verfasser [Autoren] schriftlich zu \u00fcberliefern&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html\">DV 11<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>107 Die inspirierten B\u00fccher lehren die Wahrheit. ,,Da also all das, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt gelten mu\u00df, ist von den B\u00fcchern der Schrift zu bekennen, da\u00df sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte&#8221; (<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html\">DV 11).<\/a><\/p>\n<cite><a href=\"http:\/\/www.intratext.com\/IXT\/DEU0035\/__PV.HTM\">Katechismus der Katholischen Kirche (2007), II Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schrift, 105-107<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Damit wird zwar klar ausgesagt, dass die ganze Bibel vom Heiligen Geist inspiriert wurde und Gott der eigentliche Autor ist, aber inhaltlich scheint sich die Irrtumslosigkeit &#8211; so viele heutige katholische Theologen &#8211; nur auf Teile zu beziehen, die &#8220;Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte&#8221; (Zitat aus <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/archive\/hist_councils\/ii_vatican_council\/documents\/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html\">Dei Verbum, 2. Vatikanischen Konzil 1965<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<p>Um ein klareres Bild von der katholischen Lehre zur Irrtumslosigkeit der Bibel zu erhalten, gehen wir zur\u00fcck zu den ersten expliziten \u00c4u\u00dferungen der katholischen Kirche zu diesem Thema. <\/p>\n\n\n\n<p>Das 1. Vatikanische Konzil lehrt dazu:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die B\u00fccher der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments aber m\u00fcssen vollst\u00e4ndig, mit all ihren Teilen als heilige und kanonische angenommen werden, so wie sie im Dekret des eben genannten Konzils aufgez\u00e4hlt werden und in der alten lateinischen Ausgabe, der Vulgata, vorliegen. Wenn die Kirche sie als heilige und kanonische B\u00fccher wertet, so geschieht das nicht deshalb, als ob diese, durch rein menschliches Bem\u00fchen zustande gekommen, durch ihre Autorit\u00e4t nachtr\u00e4glich gutgehei\u00dfen worden w\u00e4ren; noch auch lediglich darum, weil sie die Offenbarung irrtumslos enthalten; sondern aus dem Grund, weil sie auf Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben sind und daher Gott zum Urheber haben, und als solche der Kirche \u00fcbergeben worden sind.<\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/www.kathpedia.com\/index.php\/Dei_filius_(Wortlaut)\">1. Vatikanisches Konzil (1870), De Filius 2,14 &#8220;Autorit\u00e4t der Schrift<\/a>&#8221; <\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft also, dass die gesamte Bibel, nicht nur das Neue Testament, sondern auch das Alte Testament, vom Heiligen Geist inspiriert ist und damit Gott selbst als Autor hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Papst Leo XIII. hat sp\u00e4ter aufgrund der anhaltenden Bibelkritik und der mangelnden Anerkennung der historischen Glaubw\u00fcrdigkeit der Bibel ein Rundschreiben &#8220;\u00dcber das Studium der Heiligen Schrift&#8221; verfasst, aus dem die allerwichtigsten Passagen im Folgenden zitiert werden:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>IV. Wie die Heilige Schrift studiert werden soll<\/p>\n\n\n\n<p>(&#8230;) <\/p>\n\n\n\n<p>10. (&#8230;) Fr\u00fcher n\u00e4mlich hatte man es vornehmlich mit Leuten zu tun, welche auf ihr Privaturteil gest\u00fctzt die g\u00f6ttlichen \u00dcberlieferungen und das Lehramt der Kirche verwarfen und die Schrift als einzige Offenbarungsquelle und als h\u00f6chste Glaubensrichterin betrachteten. Heutzutage aber haben wir gegen die Rationalisten zu k\u00e4mpfen, welche gewisserma\u00dfen deren S\u00f6hne und Erben sind und ebenfalls auf ihre subjektive Ansicht bauen. Sie haben sogar noch diese von ihren V\u00e4tern ererbten \u00dcberreste des christlichen Glaubens g\u00e4nzlich beiseite geworfen. Denn die Existenz einer g\u00f6ttlichen Offenbarung, einer Inspiration und Heiligen Schrift stellen sie ganz und gar in Abrede; das sind nach ihrer Behauptung durchweg nur Erzeugnisse des Menschengeistes und Erdichtungen. Ja, sie sollen nicht wahre Erz\u00e4hlungen historischer Tatsachen sein, sondern einf\u00e4ltige Phantasiegebilde oder Geschichtsl\u00fcgen; nicht Prophetien und g\u00f6ttliche Ausspr\u00fcche, sondern teils erdichtete, den Ereignissen nachfolgende Vorhersagungen, teils durch Naturkr\u00e4fte erzeugte Vorahnungen; nicht Wunder im wahren Sinne und Erweise g\u00f6ttlicher Kraft, sondern Staunen erregende Dinge, welche die Naturkr\u00e4fte keineswegs \u00fcbersteigen, oder Blendwerke von Mythen; die Evangelien und apostolischen Schriften sollen ganz andern Verfassern angeh\u00f6ren. \u2013 Dergleichen ungeheuerliche Irrt\u00fcmer sind es, durch welche, wie sie sich tr\u00e4umen, die hochheilige Wahrheit der g\u00f6ttlichen B\u00fccher ersch\u00fcttert werden soll; diese n\u00f6tigen sie als die ausgemachten Entscheidungen einer neuen Art, der sogenannten \u201efreie Wissenschaft\u201c auf.<\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Rundschreiben Providentissimus Deus<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">\u00dcber das Studium der Heiligen Schrift (1893)<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Leo XIII.<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Papst Leo XIII. sagt also, dass sich die katholische Kirche zun\u00e4chst mit den Protestanten auseinandersetzen musste, die das katholische Lehramt ablehnten und sich nur auf ihre eigene (pers\u00f6nliche) Bibelauslegung st\u00fctzten. Jetzt aber, quasi als deren Nachfolger, m\u00fcsse man sich gegen die sogenannten Rationalisten wehren, die den katholischen Glauben in Gefahr br\u00e4chten. Dies seien Menschen, die sich genauso wie die Protestanten nur auf ihre eigenen &#8220;subjektiven&#8221; Meinungen st\u00fctzen und den von den Glaubensv\u00e4tern \u00fcberlieferten Glauben quasi vollst\u00e4ndig ablehnen bzw. als nicht normativ betrachten w\u00fcrden. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Rationalisten w\u00fcrden die g\u00f6ttliche Inspiration der Bibel ablehnen und alles \u00dcbernat\u00fcrliche f\u00fcr menschliche Erfindungen bzw. Fantasiegeschichten halten. Genauso w\u00fcrden sie die Autorenschaft vieler Schriften in der Bibel bezweifeln. F\u00fcr sie z\u00e4hle nur die &#8220;freie Wissenschaft&#8221;, bei der der Glaube der Kirche nicht ma\u00dfgeblich sei. <\/p>\n\n\n\n<p>Weiter schreibt er, dass auch wenn einige Dinge in der Bibel aufgrund deren Alters und auch weil sie g\u00f6ttliche &#8220;Geheimnisse&#8221; enthalte nicht einfach zu verstehen seien, man dennoch  bei der Auslegung der Heiligen Schrift nicht einfach (oder zu vorschnell) vom w\u00f6rtlichen Sinne abweichen solle:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>V. Die Heilige Schrift und die Theologie;<br \/>die Interpretation; die V\u00e4ter<\/p>\n\n\n\n<p>14 (&#8230;) Hierbei ist jedoch wohl darauf zu achten, dass bei den heiligen B\u00fcchern zu den \u00fcbrigen Ursachen der Schwierigkeit, welche sich gew\u00f6hnlich dem Verst\u00e4ndnisse des alten Schrifttums jeder Art entgegenstellen, noch einige besondere hinzukommen. Denn den Worten derselben liegen infolge Eingebung des Heiligen Geistes viele Dinge zu Grunde, welche die Fassungskraft und Sch\u00e4rfe der menschlichen Vernunft himmelweit \u00fcbersteigen, n\u00e4mlich g\u00f6ttliche Geheimnisse und vieles andere, was damit zusammenh\u00e4ngt; ja zuweilen ist ein Gedanke zu umfassend und zu verborgen, als dass ihn der Buchstabe ausdr\u00fccken k\u00f6nnte und die Gesetze der Hermeneutik ihn erraten lie\u00dfen. Zugleich erweckt der Wortsinn sicherlich noch andere Gedanken, teils um Glaubenss\u00e4tze zu beleuchten, teils um Lebensvorschriften zu empfehlen. Demnach ist nicht zu verkennen, dass die heiligen B\u00fccher in ein gewisses religi\u00f6ses Dunkel eingeh\u00fcllt sind, so dass man ihnen nur unter F\u00fchrung eines Wegmeisters vordringen kann[31]. Dieses aber geschah durch g\u00f6ttliche F\u00fcgung (das ist n\u00e4mlich die allverbreitete Ansicht der heiligen V\u00e4ter), damit man sie mit gr\u00f6\u00dferem Verlangen und Eifer durchforschte und die daraus mit M\u00fche entnommenen Dinge tiefer in Geist und Herz einpr\u00e4ge. (&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p>15 Doch soll er deshalb nicht w\u00e4hnen, dass ihm der Weg verlegt sei, in der Forschung und Erkl\u00e4rung, wo eine gerechte Ursache vorhanden ist, noch weiter zu gehen, wenn er nur den von Augustinus wohlweislich gegebenen Vorschrift gewissenhaft nachkommt, dass man n\u00e4mlich von dem Literalsinn, der sich gewisserma\u00dfen aufdr\u00e4ngt, keineswegs abgehen d\u00fcrfe, sofern nicht ein Vernunftgrund sein Festhalten hindert oder nicht zwingende Notwendigkeit vorliegt, ihn preiszugeben<a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm#anmerkung39\"><sup>[39]<\/sup><\/a><\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Rundschreiben Providentissimus Deus<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">\u00dcber das Studium der Heiligen Schrift (1893)<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Leo XIII.<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Papst Leo XIII. geht danach auf die Bibelkritik ein, die dazu neige, lediglich den eigenen Vorlieben bzw. der eigenen vorgefassten Meinungen zu folgen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>VI. Die Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift;<br \/>die \u201eh\u00f6here Kritik\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>17. (&#8230;) Gerade jene viel gepriesene h\u00f6here Kritik wird endlich dahin aufschlagen, dass ein jeder bei dem Auslegungsgesch\u00e4fte seiner eigenen Neigung und vorgefassten Meinung folgt. Bei diesem Verfahren wird sich weder \u00fcber die Schriften das gesuchte Licht verbreiten noch ein Nutzen f\u00fcr die Wissenschaft erwachsen; wohl aber jenes sichere Merkmal des Irrtums zu Tage treten, welches das ist die Mannigfaltigkeit der Meinungen und die Verschiedenheit der Auffassung, und wirklich bieten bereits die V\u00e4ter dieser neuen Methode selbst dieses Schauspiel. Weil ferner die meisten von den Lehrs\u00e4tzen einer falschen Philosophie und des Rationalismus angesteckt sind, werden sie sich nicht scheuen, aus den heiligen B\u00fcchern die Weissagungen, die Wunder und alles \u00dcbernat\u00fcrliche zu beseitigen. (&#8230;) <\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Rundschreiben Providentissimus Deus<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">\u00dcber das Studium der Heiligen Schrift (1893)<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Leo XIII.<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Weiterhin kritisiert der Papst, dass viele Naturwissenschaftler ihre Fachkenntnisse missbrauchen, um die Bibel zu diskreditieren. Stattdessen sei bei (scheinbaren) Widerspr\u00fcchen zwischen Naturwissenschaft und der biblischen Aussagen zu zeigen, dass entweder die Bibel falsch verstanden wurde oder dass die naturwissenschaftlichen Aussagen nicht stichhaltig w\u00e4ren:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>VII. Die physikalische Wissenschaft<\/p>\n\n\n\n<p>18 Gehen wir zum zweiten Punkte \u00fcber, so hat man den Kampf mit Leuten aufzunehmen, welche unter Missbrauch ihrer Kenntnisse in der physikalischen Wissenschaft die heiligen B\u00fccher nach allen Richtungen durchsp\u00e4hen, um den Verfassern Unwissenheit in solchen Dingen vorzuwerfen und die Schriften selbst zu tadeln. Da nun diese Verd\u00e4chtigungen sinnf\u00e4llige Dinge betreffen, werden sie desto gef\u00e4hrlicher, wenn sie zur Kenntnis des Volkes und besonders der studierenden Jugend gelangen. Ja wirklich, wenn diese einmal die Ehrfurcht vor der g\u00f6ttlichen Offenbarung in einem einzigen Hauptpunkte verloren hat, wird sie leicht in allen St\u00fccken allen Glauben an dieselbe verlieren. Allzu bekannt ist es ja, dass die Naturwissenschaften, so sehr sie sich bei angemessenem Vortrage dazu eignen, die den Gesch\u00f6pfen eingepr\u00e4gte Herrlichkeit des h\u00f6chsten Werkmeisters erkennen zu lassen, ebenso m\u00e4chtig sind, die Grundlehren der gesunden Philosophie auszurotten und die Sitten zu verderben, falls sie auf verkehrte Art in die zarten Gem\u00fcter eingesenkt werden. Deshalb wird f\u00fcr den Lehrer der Heiligen Schrift die Kenntnis der Naturwissenschaften ein gutes Hilfsmittel sein, um dadurch auch derartige gegen die g\u00f6ttlichen B\u00fccher gerichteten Trugschl\u00fcsse leichter zu entlarven und zu widerlegen. \u2013 Sicherlich wird zwischen dem Theologen und Naturforscher kein wahrer Zwiespalt eintreten, wenn nur beide sich auf ihr Grenzgebiet beschr\u00e4nken, indem sie nach der Mahnung des heiligen Augustinus sich davor h\u00fcten, \u201edass sie etwas ohne Grund behaupten und das Unbekannte als bekannt ausgeben\u201c[50]. Wenn sie aber verschiedener Ansicht sind, hat derselbe Lehrer f\u00fcr das Verhalten des Theologen die allgemeine Regel aufgestellt: \u201eIn allen F\u00e4llen, wo die Gelehrten ihre Behauptungen \u00fcber die Natur der Dinge durch stichhaltige Gr\u00fcnde beweisen k\u00f6nnen, wollen wir zeigen, dass dieselben mit den Lehren der Heiligen Schrift nicht in Widerspruch stehen. So oft sie aber in irgend einem ihrer Werke eine unseren Schriften, d.h. dem katholischen Glauben widersprechende Behauptung, vorbringen, wollen wir, wenn dies irgendwie m\u00f6glich ist, zeigen oder ohne allen Zweifel glauben, dass es grundfalsch ist.\u201c[51] (&#8230;)<\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Rundschreiben Providentissimus Deus<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">\u00dcber das Studium der Heiligen Schrift (1893)<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Leo XIII.<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Papst Leo XIII. weist zudem eindr\u00fccklich darauf hin, dass die Inspiration der Bibel durch den Heiligen Geist nicht nur auf einige Teile der Bibel beschr\u00e4nkt werden darf und man nicht behaupten d\u00fcrfe, dass sich die Verfasser der jeweiligen Schriften geirrt h\u00e4tten. Denn wenn Gott selbst der eigentliche Autor der Heiligen Schrift sei, k\u00f6nne diese kein Irrtum beinhalten, da ja Gott unfehlbar sei:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>VIII. Die Unvereinbarkeit der Inspiration mit dem Irrtum<\/p>\n\n\n\n<p>20. (&#8230;) Doch bei alldem w\u00e4re es durchaus frevelhaft, die Inspiration nur auf einige Teile der Heiligen Schrift zu beschr\u00e4nken, oder zuzugeben, dass der heilige Verfasser selbst geirrt habe. Denn auch das Verfahren jener M\u00e4nner ist nicht zul\u00e4ssig, welche diese Schwierigkeiten dadurch \u00fcberwinden, indem sie ohne Anstand zugeben, dass die g\u00f6ttliche Inspiration sich auf weiter nichts als auf Gegenst\u00e4nde des Glaubens und der Sitten beschr\u00e4nke, weil sie von der falschen Ansicht befangen sind, wenn es sich um die Wahrheit der Lehren handelt, sei nicht so sehr zu erforschen, was Gott gesagt habe, als vielmehr zu erw\u00e4gen, warum er es gesagt habe. Denn die B\u00fccher allesamt und vollst\u00e4ndig, welche die Kirche als heilige und Kanonische anerkennt, mit all ihren Teilen sind unter Eingebung des Heiligen Geistes verfasst. Aber weit entfernt, dass bei der g\u00f6ttlichen Inspiration ein Irrtum unterlaufen k\u00f6nne, schlie\u00dft sie schon an und f\u00fcr sich nicht blo\u00df jeden Irrtum aus, sondern schlie\u00dft ihn als verwerflich ebenso notwendig aus, als es notwendig ist, dass Gott, die h\u00f6chste Wahrheit, \u00fcberhaupt nicht Urheber einer Irrtums ist. \u2013 Das ist der alte und best\u00e4ndige Glaube der Kirche, wie er auch durch feierliche Erkl\u00e4rung der Konzilien zu Florenz und Trient ausgesprochen, zuletzt bekr\u00e4ftigt und noch deutlicher erkl\u00e4rt worden ist auf dem Vatikanischen Konzil, (&#8230;) <\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Rundschreiben Providentissimus Deus<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">\u00dcber das Studium der Heiligen Schrift (1893)<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/stjosef.at\/dokumente\/providentissimus_deus.htm\">Leo XIII.<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Genauso best\u00e4tigt Papst Pius Xll. im Jahr 1950 &#8211; genauso wie die P\u00e4pste Leo XIII. und Benedikt XV. vorher, dass sich die geglaubte Unfehlbarkeit der Bibel nicht nur auf Fragen der Moral und des Glaubens beziehen w\u00fcrden und dass bei der Auslegung der Bibel die Kirchenv\u00e4ter und das katholische Lehramt zu beachten seien und der w\u00f6rtliche Schriftsinn nicht einfach eigenm\u00e4chtig aufgegeben werden d\u00fcrfe:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>5. Missverstandene Auslegung der Heiligen Schrift<\/p>\n\n\n\n<p>22 Kehren wir zu den neuen Ansichten zur\u00fcck, die oben ber\u00fchrt wurden. Mehrere Dinge werden von einigen vorgetragen und den Herzen eingefl\u00f6\u00dft zum Schaden der g\u00f6ttlichen Autorit\u00e4t der Heiligen Schrift. Sie verdrehen k\u00fchn den Sinn der Definition des Vatikanischen Konzils \u00fcber Gott als den Urheber der Heiligen Schrift und erneuern den bereits \u00f6fters verworfenen Satz, nach dem sich die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift nur auf die Gegenst\u00e4nde bezieht, die \u00fcber Gott, und Fragen der Moral und der Religion handeln. In falscher Weise sprechen sie \u00fcber einen menschlichen Sinn der heiligen B\u00fccher, unter dem nach ihrer Exkl\u00e4rung der g\u00f6ttliche Sinn verborgen liege. Bei der Auslegung der Heiligen Schrift wollen sie der Analogie des Glaubens und der \u201d\u00dcberlieferung\u201d keine Rechnung tragen, so dass mehr die Lehre der heiligen V\u00e4ter und des kirchlichen Lehramtes zu messen sei nach der Heiligen Schrift \u2013 die von den Exegeten in rein menschlicher Weise erkl\u00e4rt werden m\u00fcsse \u2013, als die Heilige Schrift zu erkl\u00e4ren: sei nach dem Sinn der Kirche, die aber von Christus dem Herrn als H\u00fcterin und Erkl\u00e4rerin des ganzen von Gott offenbarten Glaubensschatzes aufgestellt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>23 Au\u00dferdem m\u00fcsste der w\u00f6rtliche Sinn der Heiligen Schrift und ihre Auslegung, die von so vielen und so gro\u00dfen Exegeten unter der Aufsicht der Kirche ausgearbeitet wurde, nach ihrer falschen Ansicht einer neuen Schrifterkl\u00e4rung weichen, die sie die symbolische oder geistige nennen; nach dieser Exegese w\u00fcrden endlich einmal die B\u00fccher des Alten Testamentes, die heute wie ein verschlossener Brunnen in der Kirche verborgen l\u00e4gen, allen ge\u00f6ffnet werden. Auf die gleiche Weise, so behaupten sie, verschwinden alle Schwierigkeiten, die nur f\u00fcr solche ein Hindernis bilden, die am w\u00f6rtlichen Sinn der Heiligen Schrift festhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>24 Jeder sieht, wie sich alle diese Ansichten von den Grunds\u00e4tzen und Normen der Schrifterkl\u00e4rung entfernen, die mit Recht aufgestellt wurden von Unseren Vorg\u00e4ngern sel. Angedenkens, Leo XIII. in der Enzyklika \u201dProvidentissimus\u201d, von Benedikt XV. in der Enzyklika \u201dSpiritus Paraclitus\u201d und von Uns selbst in der Enzyklika \u201eDivino afflante spiritu\u201d.<\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/www.stjosef.at\/dokumente\/humani_generis.htm\">Enzyklika &#8220;Humani generis&#8221;<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.stjosef.at\/dokumente\/humani_generis.htm\">\u00fcber einige falsche Ansichten, die die Grundlagen der katholischen Lehre zu untergraben drohen (12. August 1950)<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Was macht man jedoch, wenn die Bibel scheinbar logische, historische oder naturwissenschaftliche Widerspr\u00fcchen enth\u00e4lt?<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf antwortete bereits der Kirchenvater Augustinus (354-430) in einem Brief an den Bibelgelehrten Hieronymus:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>(&#8230;) nur den B\u00fcchern der Heiligen Schrift, die als kanonische anerkannt sind, habe ich gelernt, eine solche Ehrfurcht zu erweisen, da\u00df ich felsenfest glaube, keiner ihrer Verfasser sei bei der Abfassung in einem Irrtum gewesen. Und wenn ich in ihnen auf eine Stelle sto\u00dfe, die mir mit der Wahrheit nicht \u00fcbereinzustimmen scheint, so zweifle ich keinen Augenblick, da\u00df entweder die Abschrift fehlerhaft ist oder da\u00df der \u00dcbersetzer den Gedanken des Originals nicht genau ausgedr\u00fcckt hat oder da\u00df ich die Sache nicht verstanden habe. <\/p>\n<cite><a href=\"https:\/\/bkv.unifr.ch\/de\/works\/cpl-262\/versions\/ausgewahlte-briefe-erster-teil-bkv\/divisions\/350\">Augustinus, Briefe 82,2<\/a><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und was das konkret f\u00fcr die Sch\u00f6pfungsgeschichte und die Evolutionstheorie bedeutet, wird in einem Folgebeitrag behandelt (siehe bis dahin auch <a href=\"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/?p=5066\">Evolution oder Sch\u00f6pfung?<\/a>) <\/p>\n\n\n\n<p>Literatur: <a href=\"https:\/\/amzn.eu\/d\/05Xh4yK\">Catholic Bible Dictionary<\/a> (Stichwort: Inspiration), Scott Hahn, 2009)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur von Nichtchristen, sondern mittlerweile auch von Christen selbst wird die Zuverl\u00e4ssigkeit und Glaubw\u00fcrdigkeit der Bibel bzgl. ihrer historischen Aussagen angezweifelt. Enth\u00e4lt die Bibel nicht auch viele Mythen anstatt realer bzw. historisch zuverl\u00e4ssiger Begebenheiten? Wie ernst muss man z. B. den Sch\u00f6pfungsbericht oder die Erz\u00e4hlung \u00fcber die Sintflut nehmen? Und was lehrt eigentlich die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9615,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[103,104,105,41],"tags":[],"class_list":["post-9580","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bibel","category-bibel-wissenschaft","category-bibelauslegung","category-katholische-kirche"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/www.projekt-kirche.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/pexels-johnmark-smith-250609-scaled.jpg?fit=2560%2C1707&ssl=1","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p4Sdv6-2uw","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9580"}],"version-history":[{"count":52,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9580\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10070,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9580\/revisions\/10070"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9615"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9580"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.projekt-kirche.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}