Wie wir trotz unterschiedlicher Meinungen, Persönlichkeiten und Überzeugungen gemeinsam Kirche gestalten können.
Jesus beruft keine Gleichgesinnten
Wenn wir auf die zwölf Apostel schauen, fällt etwas Erstaunliches auf: Jesus hat keineswegs eine Gruppe von Menschen ausgewählt, die alle ähnlich dachten, dieselben Überzeugungen vertraten oder aus vergleichbaren gesellschaftlichen Verhältnissen stammten.
Im Gegenteil: Unter seinen Aposteln finden wir beispielsweise Simon, genannt der Zelot, und Matthäus, den ehemaligen Zöllner.
Simon war vermutlich ein Mann, dem die jüdische Identität, das Gesetz Gottes und die Unabhängigkeit seines Volkes besonders am Herzen lagen. Matthäus hingegen hatte als Zöllner für ein System gearbeitet, das viele seiner Landsleute ablehnten und als ungerecht empfanden.
Zwei Menschen, die sich unter normalen Umständen möglicherweise als Gegner betrachtet hätten. Und doch berief Jesus beide in denselben Kreis seiner engsten Mitarbeiter.
Nicht ihre Übereinstimmung machte sie zu einer Gemeinschaft, sondern ihre gemeinsame Beziehung zu Jesus Christus.
Christus ist der Eckstein
Im Brief an die Epheser lesen wir:
„Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.“ (Eph 2,19)
Und wenig später heißt es:
„Der Eckstein ist Christus Jesus selbst.“ (Eph 2,20)
Dieses Bild vom Bauwerk ist besonders eindrucksvoll. Ein Gebäude besteht aus vielen unterschiedlichen Steinen. Sie haben verschiedene Formen, Größen und Eigenschaften. Aber erst durch ihre Verbindung entsteht ein tragfähiges Ganzes.
Für die Kirche bedeutet das: Wir müssen nicht alle gleich sein. Wir dürfen unterschiedliche Persönlichkeiten, Begabungen, Erfahrungen und Sichtweisen mitbringen.
Entscheidend ist, dass wir uns gemeinsam an Christus orientieren. Er ist das Fundament unserer Einheit.
Was bedeutet das für unsere Kirche heute?
Gerade in unseren Kirchengemeinden erleben wir, wie unterschiedlich Menschen sein können.
Die einen möchten Bewährtes bewahren, andere wünschen sich Veränderungen. Manche legen besonderen Wert auf Liturgie und Tradition, andere auf Gemeinschaft, soziale Verantwortung oder neue Wege der Glaubensverkündigung.
Auch im persönlichen Umgang gibt es Unterschiede: Manche sind zurückhaltend, andere leidenschaftlich und direkt. Manche handeln lieber, andere wollen zunächst gründlich nachdenken.
Aus solchen Unterschieden können Spannungen und Konflikte entstehen. Gerade dort, wo Menschen mit großer Überzeugung und persönlichem Engagement zusammenarbeiten.
Doch vielleicht sollten wir uns häufiger fragen:
Was verbindet uns eigentlich? Und warum engagieren wir uns gemeinsam in der Kirche?
Wenn unsere Antwort Jesus Christus ist, dann haben wir bereits eine gemeinsame Grundlage, die tiefer reicht als viele unserer Meinungsverschiedenheiten.
Das bedeutet nicht, dass wir Konflikte verdrängen oder jede Auffassung unwidersprochen stehen lassen sollten. Auch um den richtigen Weg müssen wir miteinander ringen. Aber wir können lernen, einander zuzuhören, die Beweggründe des anderen zu verstehen und trotz unterschiedlicher Ansichten gemeinsam nach dem Willen Gottes zu suchen.
Einheit bedeutet nicht Gleichförmigkeit
Papst Benedikt XVI. hat in seiner Generalaudienz vom 11. Oktober 2006 auf die Verschiedenheit der Apostel hingewiesen. Er betonte, dass Jesus Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen und religiösen Schichten berief.
Für Benedikt liegt darin eine wichtige Botschaft für die Kirche: Die Verschiedenheit der Menschen muss ihre Gemeinschaft nicht zerstören. In Christus kann sie vielmehr zu einer Bereicherung werden.
Das ist ein anspruchsvoller Gedanke. Denn es fällt uns oft leichter, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ähnlich denken wie wir.
Doch eine lebendige Kirche braucht unterschiedliche Begabungen und Perspektiven. Sie braucht Menschen, die neue Ideen entwickeln, ebenso wie Menschen, die kritisch hinterfragen. Menschen, die organisieren, und solche, die sich im Stillen um andere kümmern.
Nicht jeder muss alles können. Nicht jeder muss alles gut finden.
Aber jeder sollte sich mit seinen Gaben einbringen dürfen und dabei Wertschätzung erfahren.
Gemeinsam an Gottes Kirche bauen
Vielleicht liegt hier auch ein Schlüssel für die Zukunft unserer Kirchengemeinden.
Wir sollten weniger danach fragen, wer mit seinen Vorstellungen recht behält, und stärker danach, wie wir gemeinsam dem Auftrag Jesu dienen können.
Wie können wir Menschen für den Glauben begeistern? Wie können wir Gemeinschaft stärken? Wie können wir denen helfen, die Unterstützung brauchen? Und wie können wir einander ermutigen, statt uns durch gegenseitige Kritik zu entmutigen?
Dazu braucht es Offenheit, Geduld, gegenseitigen Respekt und manchmal auch die Bereitschaft, eigene Vorstellungen zurückzustellen.
Vor allem aber braucht es die gemeinsame Ausrichtung auf Jesus Christus.
Denn die Kirche ist nicht unser persönliches Projekt. Sie ist Gottes Werk, an dem wir mitbauen dürfen.
Ein Gedanke zum Schluss
Jesus hat seine Apostel nicht ausgewählt, weil sie perfekt zusammenpassten. Er hat sie berufen, miteinander seinen Weg zu gehen.
Das sollte auch uns Mut machen.
Wir werden nicht immer einer Meinung sein. Wir werden einander manchmal enttäuschen, missverstehen oder an unsere Grenzen bringen.
Aber wenn wir uns immer wieder gemeinsam Christus zuwenden, kann aus unserer Verschiedenheit etwas Wertvolles entstehen: eine Gemeinschaft, in der unterschiedliche Menschen mit ihren besonderen Gaben an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.
Nicht weil wir alle gleich denken, sondern weil wir an denselben Christus glauben.
Und vielleicht beginnt genau dort die Einheit, die unsere Kirche heute so dringend braucht.
Biblische Grundlagen: Epheser 2,19–22; Lukas 6,12–19
Weiterführender Impuls: Papst Benedikt XVI., Generalaudienz vom 11. Oktober 2006 über die Apostel Simon und Judas Thaddäus.
Das Titelbild und der Text wurden mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.
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