Wie im Teil 1 angekündigt möchte ich mich heute mit dem Büchlein „Was lehrt uns die Bibel?“ beschäftigen, in dem die Zeugen Jehovas im Anhang auf Seite 213 behaupten, dass die Dreieinigkeit Gottes eine falsche Lehre sei (siehe den betreffenden Auszug unten).

Aus dem Büchlein „Was lehrt uns die Bibel?“ der Wachturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, Selters/Ts. (Aufl. Dez. 2018) , S. 213

Bereits der zweite Satz enthält einen gravierenden Fehler. Es wird behauptet, dass in Kolosser 1,15-16 stehen würde, dass „Gott der Schöpfer“ Jesus „erschuf“. Schauen wir uns doch mal an, was da tatsächlich steht:

15 Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. 16 Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen.

Kol 1,15-16 (EÜ)

Wo steht da, dass Jesus „erschaffen“ wurde? Nein, er ist der „Erstgeborene“, er wurde GEBOREN bzw. GEZEUGT. Das ist NICHT das Gleiche wie ERSCHAFFEN. Jesus ist KEIN Geschöpf oder ein (geschaffener) Engel! Jesus wurde von Gott, dem Vater gezeugt (bzw. ist von Gott ausgegangen vor aller Ewigkeit) und wurde dann (vor ca. 2000 Jahre mit der Empfängnis Mariens durch den Heiligen Geist) Mensch. Und wie sollte „alles [] durch ihn und auf ihn hin erschaffen“ sein, wenn er doch selbst nur ein Geschöpf wäre?

Jesus existierte von Anfang an mit Gott wie im Johannes-Evangelium zu lesen ist:

Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.

Joh 1,1 (EÜ)

Und in diesem Vers im Johannes-Evangelium wird zudem der dritte Satz im Text der Zeugen Jehovas widerlegt: Jesus ist nämlich sehr wohl der „allmächtige Gott“, er ist aber nicht gleich dem Vater (sondern eben der Sohn).

Weiter heißt es im vierten Satz, dass Jesus nie behauptet hätte, dass er und Gott „gleichrangig“ wären. Und das ist auch richtig, denn Jesus ist als Sohn dem Vater untergeordnet, aber ist dennoch Gott! Das ist vielleicht nicht einfach zu verstehen, aber es hat auch niemand gesagt, dass die Dreieinigkeit Gottes eine einfache Lehre wäre 😉

Im Johannes Evangelium hat Jesus ganz klar von sich gesagt, er wäre Gott bzw. mit ihm eins:

Ich und der Vater sind eins.

Joh 10,30 (EÜ)

Und genau das sagt auch die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes aus: obwohl Jesus als Sohn nicht der Vater ist, sind beide dennoch eins, d.h. gleichen Wesens, aber unterschiedlich in Person.

Wenn Jesus nun wie von den Zeugen Jehovas erklärt sagt „Der Vater ist größer als ich“ (Joh 14,28) wiederspricht das keineswegs der Lehre der Dreieinigkeit. Denn der Vater ist von der Rangstufe (der Zeugende) höher als Jesus (dem Gezeugten), vor allem auch größer als der Mensch Jesus (Jesus ist ja Gott und Mensch zugleich).

Und auch in 1. Kor 15,28, wo Paulus schreibt, dass sich Jesus Gott unterwerfen wird, nachdem alles Gott dem Vater unterworfen wurde, ist das kein Widerspruch. Denn natürlich kann sich Jesus als der Sohn (und als Gottmensch, der die Menschheit mit Gott vereint), dem Vater unterwerfen, obwohl er wie der Vater Gott ist. Denn Jesus folgt dem Willen Gottes vollkommen (vgl. z.B. Joh 5,19).

Denn wenn Jesus nicht Gott wäre, wie hätte er dann Sünden vergeben können, was doch nur Gott tun kann (Mk 2,5-7)?
Und wenn Jesus nicht Gott wäre, warum hat er dann dem Apostel Thomas nicht widersprochen als er ihn als sein „Herr und Gott“ bezeichnete (Joh 20,28-29)?

Weiterhin argumentieren die Zeugen Jehovas, dass das Wort „Dreieinigkeit“ in der Bibel nicht vorkäme und es deshalb eine Irrlehre wäre.
Was ist denn das für eine Logik?
Ist die Quantentheorie deshalb falsch, weil das Wort nicht in der Bibel steht?
Genauso gut könnte ich behaupten, dass das Wort „Jehova“ nicht in der Bibel vorkommt und deshalb die ganze Lehre der Zeugen Jehovas falsch sei (im hebräischen Alten Testament sind nämlich lediglich die Konsonanten des Wortes für Gott, d.h. „JHWH“ – von den meisten deutschen Übersetzungen mit „Jahwe“ oder „Herr“ wiedergegeben – aufgeschrieben und man kann deshalb auch nicht mehr mit Sicherheit sagen wie das Wort von den Juden damals ausgesprochen wurde).

Und schließlich wird behauptet, dass der Heilige Geist „keine Person“ sei.
Und wie lässt sich dann die folgende Bibelstelle erklären?

Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, den ihr als Siegel empfangen habt für den Tag der Erlösung!

Eph 4,30 (EÜ)

Wie soll man denn eine unpersönliche „Kraft Gottes“ betrüben können?
Und selbst wenn man die Lehre der Dreieinigkeit in Frage stellt oder eine andere Meinung oder Glauben darüber hat. Diese Lehre einfach als „Irrlehre“ hinzustellen ist mit diesem biblischen Befund überhaupt nicht zu rechtfertigen.

Die Zeugen Jehovas lehren noch viele andere Dinge, die biblisch nicht wirklich begründbar sind und eher deutlich machen, dass sie selbst die Bibel – zumindest in einigen Teilen – nicht wirklich verstanden haben.

Vielleicht werde ich in den nächsten Wochen weitere falsche Lehren der Zeugen Jehovas behandeln. Was man aber tatsächlich von ihnen lernen und gerne nachahmen sollte ist ihre Ernsthaftigkeit im Glauben und ihren Eifer, diesen weiter zu geben.

In diesem Sinne gilt wie immer:

Prüft alles und behaltet das Gute!

1. Thess 5,21 (EÜ)

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