Gedanken und Projekte für eine erneuerte Kirche

Hat Jesus Priester eingesetzt und dürfen diese nur Männer sein?

Zur Zeit gibt es – nicht zuletzt aufgrund des sogenannten “Synodalen Weges” – eine nicht abbrechende Diskussion darüber, ob Jesus wirklich Priester eingesetzt hat bzw. diese für die Kirche überhaupt notwendig sind oder auch warum diese immer Männer sein müssen.

Viele Frauen in der katholischen Kirche fragen sich nämlich, ob es nicht ungerecht sei, dass Frauen nicht Priester werden dürfen.

Und die evangelische Kirche und viele Freikirchen bezweifeln überhaupt, dass das Priestertum biblisch, d. h. aus der Bibel begründbar sei bzw. dass Jesus Priester eingesetzt hat.

Das Wort “Priester” leitet sich eigentlich vom griechischen Begriff “Presbyter”, d. h. übersetzt “Ältester” ab. Älteste werden im Neuen Testament bereits erwähnt (siehe 1.Tim 5,17, Tit 1,5 Apg 11,30) und waren damals von den Aposteln als lokale Leiter der Ortsgemeinden bzw. als Unterstützung der Bischöfe ernannt worden. Diese Älteste wurden (i. d. R. ) durch Handauflegung (“Weihe”) eingesetzt und standen ggf. auch in Vertretung der Apostel bzw. Bischöfe dem “Brotbrechen” (Abendmahl bzw. Eucharistie) vor.

Genauso wie die Bischöfe als Nachfolger der Apostel hatten sie (und haben sie auch heute noch als Priester) teil am hohenpriesterlichen Amt Jesu Christi (siehe Katechismus der Katholischen Kirche, §1544).

D. h. im Gegensatz zu den alttestamentarischen Priestern, die aufgrund ihrer Abstammung (von Levi bzw. Aaron) ihr Priestertum erhielten, üben die Priester des Neuen Testaments nicht ihr eigenes, persönliches Priestertum aus, sondern dasjenige Jesu Christi, das folgendermaßen in der Bibel beschrieben wird:

8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt; 9 zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden 10 und wurde von Gott angeredet als Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. 11 Und jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können. 12 Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt; 13 seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden. 14 Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt.

Hebräer 5,8–14 (EÜ)

Denn nur Jesus selbst konnte durch Darbringung seiner selbst als das einzig wahre und vollständige und für immer wirksames Opfer, die Menschen mit Gott versöhnen. Und an diesem Dienst der Versöhnung nehmen die Priester als Repräsentanten Jesu Christi teil, indem sie das Abendmahl bzw. die Eucharistie feiern, dabei Instrument zur Vergegenwärtigung des Opfer Jesu Christi werden (durch die vom Heiligen Geist gewirkte Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi, vgl. Mt 26,26–28) und in der Beichte die Vergebung der Sünden im Namen Jesu zusprechen.

Der Priester hat die priesterliche Aufgabe zwischen dem Volk und Gott zu “vermitteln”. Und zwar in dem Sinne, dass er in Vertretung des Volkes Gott Opfer (-gaben) darbringt:

Denn jeder Hohepriester wird aus den Menschen genommen und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen.

Hebräer 5,1 (EÜ)

und andererseits in Vertretung bzw. besser Repräsentation Jesu, Brot und Wein im Abendmahl bzw. der Eucharistie

Inwiefern wurden die Priester jetzt aber von Jesus selbst eingesetzt? Dies geschah (nach katholischem Glauben) durch Berufung der 12 Apostel, den ersten Bischöfen und Priestern und das Anhauchen als Vorausbild für das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten:

12 Es geschah aber in diesen Tagen, dass er auf einen Berg ging, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott. 13 Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel: 14 Simon, den er auch Petrus nannte, und dessen Bruder Andreas, Jakobus, Johannes, Philippus, Bartholomäus, 15 Matthäus, Thomas, Jakobus, den Sohn des Alphäus, Simon, genannt der Zelot, 16 Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde.

Lukas 6,12–16 (EÜ)

und

Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.”

Johannes 20,21–23 (EÜ)

D. h. Jesus hat aus seiner Gefolgschaft von Männern und Frauen 12 Männer ausgewählt, die ihn nach seinem Weggang in den Himmel nicht nur in der Welt verkünden solle, sondern auch repräsentieren und seinen Dienst der Versöhnung in seinem Namen fortführen sollen.

Und da Jesus explizit nur Männer für diesen Dienst ausgewählt hat, obwohl genügend tief gläubige Frauen in seiner Gefolgschaft waren, inklusive seiner Mutter Maria, weiht die katholische Kirche auch heute noch nur Männer zu Bischöfen bzw. Priestern.

Siehe auch den 3 Minute Catechism über den katholischen Priester.

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Über den Glauben und das Gebet

  1. Schau mal in die Geschichte…… Priester waren verheiratet, d.h. hatten Frau und Kinder, und das Amt ging normalerweise vom Vater auf dem Sohn. So einfach war das jahrhunderte lang.

  2. Stef

    In diesem Artikel ging es eigentlich nicht um den Zölibat, sondern um die theologischen Grundlagen für das katholische Priestertum.

  3. Philip

    Die Priester in Hebräer 5 ist das levitische Priestertum, siehe z.B. Hebräer 7,11:

    > Wäre nun die Vollendung durch das levitische Priestertum gekommen – denn unter diesem hat das Volk das Gesetz empfangen –, wozu war es dann noch nötig, einen andern als Priester nach der Ordnung Melchisedeks einzusetzen, anstatt einen nach der Ordnung Aarons zu benennen?

    Wenn man den kompletten Hebräerbrief liest, dann merkt man, dass mit den Priestern hier nicht die Apostel gemeint sein können, sondern eben die Priester, die im Jerusalemer Tempel den Opferdienst verrichten.

    • Stef

      Richtig, habe ich ja auch nicht behauptet.
      Das katholische Priestertum hat sich tatsächlich erst unter dem Einfluss des Heiligen Geistes entwickelt. Die Theologie dazu passt aber dennoch.
      Ganz ähnlich hat sich auch erst später die Theologie zur Dreifaltigkeit Gottes entwickelt. Im katholischen Glauben erwartet man das Wirken des Heiligen Geistes auch noch in nachbiblischen Zeiten. Gewährleistet muss jedoch sein, dass sich der Glaube mit der Zeit nicht widerspricht, sondern im Gegenteil sich entfaltet und vertieft.

  4. Philip

    Das römisch-katholische Priestertum wird also nicht in der Bibel erwähnt. Das Argument ist daher nur, dass es “passend” zur Bibel wäre. Das ist natürlich ein viel schwächeres Argument und überzeugt mich nicht.
    Dreifaltigkeit Gottes ist biblisch, weil sich diese Punkte konsistent aus der Bibel ableiten lassen:
    1. Es gibt nur einen Gott.
    2. Der Vater ist Gott.
    3. Der Sohn ist Gott.
    4.Der Heilige Geist ist Gott.
    5. Der Vater ist nicht der Sohn.
    6. Der Sohn ist nicht der Heilige Geist.
    7. Der Vater ist nicht der Heilige Geist.

  5. Für Dich ist die Dreifaltigkeit Gottes kein Problem, für die Menschen damals war das jedoch nicht so offensichtlich bzw. einleuchtend. Nicht umsonst wurde darüber lange gestritten. Und selbst heute gibt es noch christliche Sekten wie z. B. die Zeugen Jehovas, die auf Basis der Bibel glauben, dass Jesus nicht wirklich Gott, sondern lediglich ein Geschöpf Gottes, nämlich ein Engel sei.
    D. h. letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, was er oder sie glauben kann oder will.
    Und ja, der Glaube an das katholische Priestertum ist nicht zwingend. Es widerspricht aber auch nicht der Bibel und kann sich sogar daraus herleiten. Und nur darum ging es mir.

  6. Und übrigens gibt es sehr viele Belege aus der frühen Kirche für die dreifaltige Leitung der Ortsgemeinden durch Bischöfe, Älteste (Presbyters=Priester) und Diakone.
    Z.B.:
    “1. Gleicherweise sollen alle die Diakonen achten wie Jesus Christus, wie auch den Bischof als das Abbild des Vaters, die Presbyter aber wie eine Ratsversammlung Gottes und wie einen Bund von Aposteln. Getrennt von diesen kann man von keiner Kirche reden. ” (Ignatius an die Trallianer, 3. Kap., ca. 200 n.Chr. siehe https://bkv.unifr.ch/de/works/105/versions/121/divisions/49142/UHJlc2J5dGVy)
    und
    “Yea, further, that best master-builder of His, Paul himself, has laid our foundation, that is, the foundation of the Church and has put us in trust of the law, ordaining ministers, and presbyters, and bishops in the same, and describing in the places severally assigned to that purpose, in what manner and with what character the ministers of God ought to conduct themselves, of what repute the presbyters ought to be possessed, and how they should be constituted, and what manner of persons those also ought to be who desire the office of bishop.” (ca. 320 n.Chr aus “Acts of the Disputation with Manes (Archelaus)”, siehe https://www.newadvent.org/fathers/0616.htm)
    und
    “Hear this, you of the laity also, the elect Church of God. For the people were formerly called the people of God, Exodus 19:5-6 and an holy nation. Hebrews 12:23 You, therefore, are the holy and sacred Church of God, enrolled in heaven, a royal priesthood, an holy nation, a peculiar people, a bride adorned for the Lord God, a great Church, a faithful Church. Hear attentively now what was said formerly: oblations and tithes belong to Christ our High Priest, and to those who minister to Him. Tenths of salvation are the first letter of the name of Jesus. Hear, O Holy Catholic Church, who has escaped the ten plagues, and has received the ten commandments, and has learned the law, and has kept the faith, and has believed in Jesus, and has known the decad, and has believed in the iota which is the first letter of the name of Jesus, and art named after His name, and art established, and shinest in the consummation of His glory. Those which were then the sacrifices now are prayers, and intercessions, and thanksgivings. Those which were then first-fruits, and tithes, and offerings, and gifts, now are oblations, which are presented by holy bishops to the Lord God, through Jesus Christ, who has died for them. For these are your high priests, as the presbyters are your priests, and your present deacons instead of your Levites;” (Apostolic Constitutions (Book II), ca. 390 n.Chr, siehe https://www.newadvent.org/fathers/07152.htm )

    • Und hier noch das letzte Zitat in deutscher Übersetzung:
      “Höret Dieß auch, ihr Laien, die ihr die auserwählte Kirche Gottes bildet; denn auch das frühere Volk wurde Gottes Volk und ein heilig’ Volk genannt, 8und ihr seid also die hochheilige Kirche Gottes, eingeschrieben im Himmel, 9 das königliche Priesterthum, 10 das heilige Volk, das Volk der Auserwählung, die geschmückte Braut Gottes des Herrn. O du große, gläubige Kirche! Vernimm nochmals, was früher gesagt worden: Auflagen und Zehnten und Erstlinge gehören dem Hohenpriester, Christo und seinen Dienern. Höre, heilige, katholische Kirche, die du jenen zehn Plagen entkommen bist und jene zehn Worte d. i. den Dekalog erhalten hast und das Gesetz gelernt und an Jesum glaubst und dich nach seinem Namen nennst und bei der Vollendung seiner Glorie fest stehest und glänzest: was einst Opfer, das sind jetzt Gebete und Bitten und Danksagungen, was damals Erstlinge und Zehnten und Auflagen und Gaben, sind jetzt Opfergaben, welche von heiligen Bischöfen Gott dem Herrn dargebracht werden durch Jesum Christum, der für sie gestorben ist. Denn diese sind eure Hohenpriester, eure Priester sind die Presbyter, und eure Leviten sind jetzt die Diakonen und eure Vorleser und die Sänger und die Ostiarier euere Diakonissinen und Wittwen und Jungfrauen und Waisen: Dieser aller Oberer aber ist der Hohepriester. ” (siehe Die apostolischen Konstitutionen.

      Zweites Buch: Von dem Klerus., Abs. 25, https://bkv.unifr.ch/de/works/235/versions/256/divisions/91655)

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