Wahre Liebe 

In Joh 10,11ff spricht Jesus von der wahren Liebe, von der wahren Liebe eines geistlichen Leiters. Er nennt ihn in einem Gleichnis den „guten Hirten“ im Gegensatz zum „bezahlten Knecht“. Der gute Hirte ist angetrieben von seiner Liebe zu den Menschen, die er zum Glück, zum Heil führen will. Der bezahlte Knecht liebt vor allem sich selbst und will nur Ansehen und von den Menschen geliebt sein. Ihm geht es nicht wirklich um das Wohlergehen seiner Anvertrauten. 

Wieviele  Theologen und geistliche Leiter, d. h. Diakone, Priester und Bischöfe geht es im Prinzip nur um sich selbst? Wieviele Pastoren und Pfarrer wollen nur gefallen als auch mal den unbequemen Weg zu gehen? Welche geistlichen Leiter führen uns tatsächlich zur Wahrheit, zu Jesus selbst (Joh 14,6)?

Es ist so traurig wie flach die Frohe Botschaft, das Evangelium in vielen Kirchengemeinde geworden ist! Wie sehr man sich dem gesellschaftlichen Mainstream anpasst und nur das kritisiert, was der Mainstream kritisiert! So wird in manchen Predigten z. B.  „für die Demokratie“ gekämpft. Das ist an sich nicht schlecht. Gemeint ist aber lediglich ein Kampf gegen politisch Andersdenkende.

Wer kämpft aber für Jesu Anliegen? Wer setzt sich ein dafür, dass die Menschen wieder verstehen, dass sie Jesus brauchen? Nicht als Bestätiger ihres Lebensstils, sondern als ihr Heiland, als ihr Retter. Diese Botschaft ist für all diejenigen, die meinen keinen Retter zu brauchen unbequem, gar störend. Aber es ist nun mal die Wahrheit. Und nur die Wahrheit macht uns frei und führt uns ins wahre Paradies. Der bezahlte Knecht kann uns nicht helfen, denn er tut seinen Job nicht aus Liebe. Nicht aus Liebe zur Wahrheit und damit auch nicht aus Liebe zu Jesus und den Menschen.

Einige Theologen, auch und vor allem an den Hochschulen nutzen die „moderne Bibelwissenschaft“, um alle möglichen Glaubenslehren abzuändern oder abzuschaffen.  Damit es die Gläubigen „einfacher“ haben! Statt den Menschen die schwierigen und oft herausfordernden Stellen in der Bibel tiefer gehend zu erläutern (und das ist mühsam und nicht immer einfach!), definieren sie einfach selbst was Wahrheit ist, nämlich einzig ihre persönliche Meinung. Da werden nicht die Kirchenväter befragt, da werden stattdessen einfache Lösungen durch Umdeutungen angeboten, bloße Behauptungen aufgestellt oder „bibelwissenschaftliche“ Hypothesen zu unumstößliche Tatsachen erklärt. Und wer anders denkt oder glaubt ist dann eben dumm, ungebildet oder noch schlimmer „fundamentalistisch“. Ist das tatsächlich wahre Liebe?

Thomas von Aquin (1225-1274), Dominikaner, Theologe und Kirchenlehrer, hat zu diesem Thema folgendes geschrieben:

Der Dienst des guten Hirten ist Liebe. Deshalb sagt Jesus, dass er „sein Leben hingibt für die Schafe“. Denn man muss wissen, was ihn unterscheidet: dem guten Hirten geht es um das Wohl der Schafe, der schlechte sucht seinen eigenen Vorteil. Genau das sagt der Prophet: „Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden?“ (Ez 34,2). Wer die Herde nur zu seinem eigenen Vorteil nutzt, ist kein guter Hirt […] Ein guter Hirt, der diesen Namen verdient, erduldet vieles für die Herde, über die er wacht. Ein Beispiel dafür ist Jakob: „Bei Tag fraß mich die Hitze, der Frost bei Nacht“ (Gen 31,40) […] Das Wohl der geistigen Herde aber ist noch wichtiger als das Leben des Hirten; deshalb muss der Hirt, wenn die Herde in Gefahr ist, sein Leben zum Heil der Herde riskieren. Der Herr hat gesagt: „Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe“; er gibt sein eigenes Leben hin, indem er barmherzig seine Autorität ausübt […] Christus hat uns dafür ein Beispiel gegeben: „Er hat sein Leben für uns hingegeben. So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben“ (vgl. 1 Joh 3,16). (Kommtar zu Joh 10,3; zitiert aus Evangelium Tag für Tag)

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