Auch das ist wahr und muss Ernst genommen werden, was Jesus über das Gericht sagt (Mt 13,47-50 z. B.).
Der Hl. Augustinus (354-430), Bischof von Hippo (Nordafrika) und Kirchenlehrer, schreibt dazu in „Abhandlung über Psalm 95, 14-15“ (zitiert aus Evangelium Tag für Tag):

„Er richtet den Erdkreis gerecht und die Nationen nach seiner Treue.“ (Ps 96,13) Welche Gerechtigkeit und Treue ist gemeint? Er wird die von ihm Auserwählten bei sich zusammenführen (Mk 13,27); die Anderen wird er aussondern; denn er wird die einen zu seiner Rechten versammeln und die Anderen zur Linken (Mt 25,33). Was ist gerechter, treuer als das? Wer vor der Ankunft des Richters kein Erbarmen zeigen wollte, wird vom Richter auch kein Erbarmen erwarten. Diejenigen, die Erbarmen zeigen wollten, werden Erbarmen erfahren (Lk 6,37). Denn zu denen zu seiner Rechten wird er sagen: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.“ Und er erkennt ihnen Werke der Barmherzigkeit zu: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben…“ (Mt 25,31f.). Soll der Richter etwa nicht gerecht sein, bloß weil du nicht gerecht bist? Soll Wahrheit nicht wahr sein, weil es schon einmal vorkommt, dass du lügst? Wenn du auf einen gerechten Richter treffen willst, dann sei barmherzig, bevor er kommt. Vergib, wenn du beleidigt worden bist; gib alles her, was du im Überfluss besitzt… Gib, was du ihm schuldest: „Denn was hast du, das du nicht empfangen hättest?“ (1 Kor 4,7). Barmherzigkeit, Demut, Dankbarkeit, Frieden, Nächstenliebe – das sind sehr gottgefällige Opfergaben. Wenn es das ist, was wir mitbringen, können wir die Ankunft des Richters zuversichtlich erwarten: Ihn, „der den Erdkreis gerecht richtet und die Nationen nach seiner Treue“.

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