Um was geht es eigentlich im christlichen Glauben?

In manchen Gottesdiensten bzw. Predigten habe ich den Eindruck, dass es „nur“ darum geht ein guter Mensch zu sein oder zu werden. Da geht es um Fairness, Hilfe für Bedürftige und Solidarität mit den Schwachen. Alles nicht falsch, aber brauche ich dazu einen Glauben an Gott? Geht das nicht auch ohne?

Oder es wird gesagt, dass Gott uns im Leben begleitet, auch in schweren Zeiten. Auch nicht falsch. Aber ist das alles?

Oder es wird betont, dass Gott uns bedingungslos liebt und uns annimmt wie wir sind. Auch richtig. Aber gibt es nicht auch etwas zu verändern?

Ich finde, dass der katholische Gottesdienst eigentlich sehr schön und ausgewogen erlebbar macht, um was es geht.

Er beginnt mit dem Schuldbekenntnis, was deutlich macht, dass wir nicht vollkommen sind und immer wieder der Vergebung bedürfen. Dass wir uns beständig verändern müssen. Aber für was? Um einfach nur ein guter Mensch zu sein und sich darüber gut fühlen zu können?

Nein, es geht um die Vorbereitung, um Jesus Christus (in der Kommunion) begegnen zu können. Jesus ist vollkommen. Vollkommen als Mensch und vollkommen als Gott. Und er sehnt sich nach einer Beziehung mit uns. Darum geht es. Und eigentlich nur darum. Alles andere ist Beiwerk, notwendige Dinge, damit wir mit ihm leben können. In Freundschaft. In Liebe. In Leidenschaft.

Und natürlich macht die Sünde, sofern sie nicht immer wieder bereut (und in der Beichte vergeben) wird, es sehr schwer bis unmöglich, mit Jesus (dauerhaft) eine echte Freundschaft und eine tiefe Gemeinschaft zu haben. Nur deshalb ist die Moral (und zwar so wie sie Gott sieht) so wichtig. Aber Moral ohne Ziel, Moral ohne den Wunsch Jesus kennen und lieben zu lernen ist leer. Sie führt letztendlich nicht zum Ziel und Sinn unseres Lebens.

Auch ich vergesse das immer wieder. Was bringt es gut sein zu wollen, aber Jesus nicht begegnen zu wollen? Das wäre wie eine Ehe, in der man sich zwar in allem korrekt verhält, aber seinen Ehepartner nicht wirklich liebt und keine Sehnsucht nach ihm hat. Hätte man da den Sinn der Ehe nicht vollkommen missverstanden und das Ziel verfehlt? Hätte man den wahren Schatz, für den man sich eigentlich abmüht nicht völlig vergessen?

So möchte ich mir dieses Jahr vornehmen, wieder mehr Jesus selbst im Fokus zu haben, ihn zu lieben und mich von ihm lieben zu lassen.

 

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