Was ist Liebe? Was ist göttliche Liebe? Wie sollen wir lieben?

Liebe ist sicherlich nicht einfach nur das Leben nach irgendwelchen festen Regeln, seien es auch schöne und gute christliche Regeln. Die Liebe, die Gott in uns erwecken will ist noch viel größer. Sie ist nicht rein menschlich, sondern übermenschlich. Sie geht über unser eigenes Vermögen zu lieben hinaus. So sollen wir z. B. auch bereit sein, unsere Feinde zu lieben. Und das ist weder leicht, noch menschlich. Das ist göttlich.

Maximilian Kolbe (1894-1941), Franziskaner, Märtyrer, beschreibt es noch herausfordernder. Und hat es in seinem Leben ja auch vorgelebt.

Was auch immer wir tun werden, selbst wenn es eine mehr als heroische Tat wäre, die die Grundfesten allen Übels auf dieser Erde erschüttert, wird diese Tat nur in dem Maße von Wert sein, wie unser Wille mit dem Willen der Immaculata und durch sie mit dem Willen Gottes im Einklang steht … Es ist die Liebe in ihrer ganzen Tiefe (jenseits des Gefühls, obwohl dieses auch schön ist), die uns durch die Immaculata in Gott umgestalten muss, die uns verzehren und durch uns die Erde in Brand setzen und alles Böse in ihr vernichten und verbrennen muss. Dies ist das Feuer, von dem der Erlöser sagte: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12,49). Verzehrt von diesem Feuer der göttlichen Liebe (ich wiederhole: geht es hier nicht um süße Tränen oder Gefühle, sondern um den Willen, selbst inmitten von Ekel und Antipathie), werden wir die ganze Welt in Brand stecken! Liebe ruht nie, sondern breitet sich aus wie das Feuer, das alles verbrennt. Und wir – alle Menschen – müssen danach streben, von diesem Feuer der Liebe entflammt zu werden, und es in allen Seelen, die in der Welt sind und noch sein werden, brennen zu lassen. Das ist das Ideal, das wir anstreben müssen. Wir müssen uns an die Worte Jesu erinnern: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen“ (Lk 12, 49). Wir unsererseits müssen alles tun, damit diese Liebe von Tag zu Tag stärker auflodert.

Gespräche von 2/1932, vom 20.06.1937 und 22.10.1938 (Entretiens spirituels inédits, éd. Lethielleux 1974, p. 36–37, rev.; ins Dt. trad. © Evangelizo)
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