Kann man der Bibel wirklich vertrauen oder ist sie – zumindest teilweise – lediglich ein Märchen- oder Mythenbuch? Die moderne Theologie tendiert ja oft zu Letzterem. Was lehrt die Kirche denn dazu?

Die (kath.) Kirche lehrt (entgegen vieler anders lautender Meinungen), dass die Bibel frei von Irrtümern ist (zumindest, wenn sie korrekt interpretiert wird).
Gott ist der eigentliche Autor der Hl. Schrift. Die Bücher der Bibel wurden zwar von Menschen geschrieben, diese wurden dabei jedoch vom Hl. Geist „inspiriert“ (vgl. Joh 20, 31; 2. Tim. 3,16; 2. Petr 1, 19-21; 2. Petr 3,15-16). Sie teilen uns damit ohne jegliche Fehler Gottes rettende Wahrheit mit.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn ohne diese Sicherheit wäre die Bibel keine zuverlässige Quelle der Wahrheit, sondern lediglich eine Sammlung von Schriften, die neben einer Menge von Übertreibungen, Fehlern und Erfindungen auch theologische richtige Gedanken beinhalten würden (wie es leider heute viele „aufgeklärte“ Theologen verstehen und lehren) .
Die Kirche lehrt, dass die Hl. Schrift tatsächlich das Wort Gottes ist. Durch die Bibel offenbart Gott sich selbst und teilt uns seinen Heilsplan mit.
Die kirchlichen Lehre über die biblische Unfehlbarkeit basiert auf der Inspiration durch den Hl. Geist. Die Bibel unterscheidet sich hier von jedem anderen Buch. Sie ist einzigartig, weil sie Gott als Autor hat. Wie auch Paulus sagt:

Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit; so wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit und gerüstet sein. (2 Tim 3, 16-17).

Inspiration bedeutet wörtlich „Gott-gehaucht“. Gott benutzte menschliche Autoren, die „(…) all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam – geschrieben haben wollte (…) “ überlieferten. (Vatikanum II, Dei Verbum, Nr. 11). Die Hl. Schrift enthält echte Worte Gottes ausgedrückt in Worten von Menschen (ebd., Nr. 13+16).
Da die Worte der Hl. Schrift von Gott selbst inspiriert wurden, hat die Kirche schon immer gelehrt, dass jeder Teil der Bibel ohne Fehler ist. Andernfalls hätte man Gott einen Irrtum zuweisen müssen, der doch die höchste Wahrheit ist und „weder täuschen noch getäuscht werden kann“.
Papst Leo XIII hat in seiner Enzyklika „Providentissimus Deus“ von 1893 erklärt:

Aber weit entfernt, dass bei der göttlichen Inspiration ein Irrtum unterlaufen könne, schließt sie schon an und für sich nicht bloß jeden Irrtum aus, sondern schließt ihn als verwerflich ebenso notwendig aus, als es notwendig ist, dass Gott, die höchste Wahrheit, überhaupt nicht Urheber einer Irrtums ist. – Das ist der alte und beständige Glaube der Kirche, wie er auch durch feierliche Erklärung der Konzilien zu Florenz und Trient ausgesprochen, zuletzt bekräftigt und noch deutlicher erklärt worden ist auf dem Vatikanischen Konzil, welches geradezu gesagt hat: „Die Bücher des Alten und Neuen Testaments müssen vollständig, mit all ihren Teilen, wie sie im Dekret desselben Konzils (von Trient) aufgezählt und in der alten lateinischen Vulgata-Ausgabe enthalten sind als heilige und kanonische anerkannt werden. Die Kirche aber hält sie für heilige und kanonische Bücher nicht deshalb, weil sie durch bloß menschliche Tätigkeit zustande gekommen, durch ihr Ansehen gutgeheißen worden wären, noch auch bloß deshalb, weil sie die Offenbarung ohne Irrtum enthalten, sondern aus dem Grund, weil sie unter Eingebung des Heiligen Geistes verfasst, Gott zum Urheber haben.“ (Sess. III, c. II de revel.) (Nr. 20)

Papst Pius XII bekräftigte erneut die Irrtumslosigkeit der Bibel in seiner Enzyklika „Divino Afflante Spiritu“ von 1943. Er verglich die Irrtumslosigkeit der Schrift mit der Sündlosigkeit Christi:

Wie nämlich das wesenhafte Wort Gottes den Menschen in allem ähnlich geworden ist, „die Sünde ausgenommen“ (Hebr 4,15), so sind auch Gottes Worte, durch menschliche Zungen ausgedrückt, in allem der menschlichen Sprache ähnlich geworden, den Irrtum ausgenommen. (Nr. 37)

Genauso bestätigen das 2. Vatikanische Konzil als auch der Katechismus der Katholischen Kirche die Tatsache, dass die Inspiration Gottes keinen Raum für irgendeinen Irrtum in der Bibel zulässt:

Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, daß sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte (5).
(Dei Verbum, no. 11; Katechismus, Nr. 107).

Ist diese Irrtumslosigkeit der Hl. Schrift nur auf Aussagen über den Glauben oder Moral beschränkt? Oder gilt diese auch bzgl. z. B. geschichtlicher Aussagen?
Papst Leo XIII sagte dazu, dass die Inspiration und Irrtumslosigkeit der Bibel nicht nur auf religiöse Aussagen beschränkt sein kann:

Doch bei alldem wäre es durchaus frevelhaft, die Inspiration nur auf einige Teile der Heiligen Schrift zu beschränken, oder zuzugeben, dass der heilige Verfasser selbst geirrt habe. Denn auch das Verfahren jener Männer ist nicht zulässig, welche diese Schwierigkeiten dadurch überwinden, indem sie ohne Anstand zugeben, dass die göttliche Inspiration sich auf weiter nichts als auf Gegenstände des Glaubens und der Sitten beschränke, weil sie von der falschen Ansicht befangen sind, wenn es sich um die Wahrheit der Lehren handelt, sei nicht so sehr zu erforschen, was Gott gesagt habe, als vielmehr zu erwägen, warum er es gesagt habe. Denn die Bücher allesamt und vollständig, welche die Kirche als heilige und Kanonische anerkennt, mit all ihren Teilen sind unter Eingebung des Heiligen Geistes verfasst. (Providentissimus Deus, Nr. 20).

Die Bibel ist also nicht nur ohne Irrtum bzgl. „religiöse Wahrheiten“, sondern bzgl. aller beabsichtigten Aussagen.
Papst Benedikt XV betont in „Spiritus Paraclitus“ (1920) ebenfalls die Freiheit jeglichen Irrtums in der Bibel. Er geht sogar soweit mit dem Hl. Hieronymus zu sagen, dass „belief in the biblical narrative is as necessary to salvation as is belief in the doctrines of the faith” (Nr. 24) bzw. in dt. Übersetzung: “(…) die Dinge, welche die Bibel als Geschehnisse erzählt, gleichwie die heilsnotwendigem Glauben anzunehmenden Lehren zu glauben verlangt“ (Nr. 24).
Nach expliziter Verurteilung aller Meinungen, die die Irrtumslosigkeit nur auf sog. „religiöse“ Elemente der Bibel zu beschränken, zitiert er den Hl. Hieronymus, den „Vater der Bibelwissenschaft“, der vor mehr als
als 1500 Jahren schrieb: “[i]t would be wholly impious to limit inspiration to only certain portions of Scripture or to concede that the sacred authors themselves could have erred” (Nr. 21) bzw. in dt. Übersetzung „Unrecht wird es in jedem Falle sein, die göttliche Eingebung nur auf einzelne Teile der Heiligen Schrift zu beschränken und zuzugeben, dass der heilige Verfasser selbst geirrt habe.“ (Nr. 21)
Es lohnt sich, die zitierten kirchlichen Dokumente vollständig zu lesen, vor allem wegen der ausführlicheren Begründungen.

Jetzt werden viele aber einwenden, dass die Bibel doch nachgewiesene historische und naturwissenschaftliche Fehler und eine ganze Reihe von inhaltlichen Widersprüche enthalte. Diese Thematiken werden wir in den folgendem Teil 2 und Teil 3 dieses Artikels behandeln.

Quellen:

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