Passend zum heutigen Evangeliumstext über den geizigen Reichen und dem armen Lazarus (Lk 16,19-31) hat der Mönch und Bischof Gregor von Nyssa (um 335-395) eine mich sehr betroffen machende (Fasten-) Predigt gehalten:

Jedes Wort der Heiligen Schrift lädt uns zur Nachfolge des Herrn ein, der uns in seiner gütigen Allmacht geschaffen hat; wir aber verkehren alles um, zu unserem eigenen Nutzen, wir messen alles daran, ob es uns gefällt. Wir weisen uns Güter selber zu und legen den Rest für unsere Erben zurück. Um Menschen in Not geht es dabei nicht. Um die Armen scheren wir uns nicht. In unseren Herzen ist kein Erbarmen!Sehen wir, dass jemand in unserer Nähe nichts zu essen und auch keine Möglichkeit hat, sich das Nötige zu beschaffen, so denken wir nicht daran, ihm aus seiner Misere herauszuhelfen; wir nehmen ihn so wahr, wie etwa eine Grünpflanze, die mangels Wasser dabei ist, kläglich auszutrocknen. Und dabei wissen wir nicht, wohin mit unserem Geld, und könnten vielen mit unserem Reichtum helfen. So wie die Ergiebigkeit einer einzigen Quelle viele ausgedehnte Felder bewässern kann, so ist der Reichtum eines Hauses in der Lage, viele Arme vor dem Elend zu retten, sofern die Sparsamkeit und der Geiz des Menschen dies nicht vereiteln: wie ein Felsbrocken, der in einen Bach fällt und dessen Lauf umleitet.Lasst uns nicht ausschließlich die Bedürfnisse des Fleisches befriedigen, sondern nach Gottes Willen leben.

(1. Predigt über die Liebe zu den Armen: PG 46,463-466,  zitiert aus Evangelium Tag für Tag)

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