Nach Teil 3 (Die Erschaffung und der Fall der Engel) folgt hier Teil 4 zum „Praktischen Kommentar zur Biblischen Geschichte“ (1913) von Dr. Friedrich Justus Knecht.

Dieser (und der darauf folgende) Teil ist m.E. sehr wichtig, um den christlichen Glauben mit all den Konsequenzen (überhaupt) verstehen zu können. Deshalb auf jeden Fall lesen! 😉

Mit diesem Teil habe ich übrigens begonnen, den Text leicht an den heutigen Sprachgebrauch anzupassen (z.B. wird statt „Weib“ jetzt „Frau“ wiedergegeben).

Die Erschaffung des Menschen. Das Paradies. (Gen 2)

Hier wird erzählt, wie Gott die ersten Menschen — zuerst den Mann und danach die Frau — erschaffen und für sie das Paradies eingerichtet hat.

Erzählung und Erklärung

Als Gott den Menschen schaffen wollte, sprach er: ,,Lasset uns den Menschen machen1 zu unsrem Bilde und Gleichnisse!2 Er soll herrschen3 über alle Tiere und über die ganze Erde!“ Und Gott bildete4 aus Staub der Erde den Menschen5 und hauchte ihm den Odem des Lebens ein6. So7 wurde der Mensch zum lebenden Wesen. Gott nannte ihn Adam, d. h. Mann aus Erde.

Gott der Herr hatte in Eden das Paradies gepflanzt8. Dies war ein herrlicher Garten mit schönen und fruchtbaren Bäumen9. In der Mitte standen der Baum des Lebens10 und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen11. Ein Fluss ging aus von Eden und bewässerte den Garten. In diesen Garten der Wonne setzte Gott den Menschen, daß er ihn bebaue12 und bewahre13. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: „Von jedem Baum des Gartens darfst du essen14. Aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben!“15

Adam war noch der einzige Mensch. Da sprach Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei16. Wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die ihm gleiche!“ Und Gott führte alle Tiere zu Adam, und Adam gab jedem seinen Namen17. Aber es fand sich keine Gehilfin, die ihm gleich war18. Darum ließ Gott einen tiefen Schlaf über Adam kommen19, nahm eine von dessen Rippen und bildete daraus eine Frau. Als Adam erwachte, führte ihm Gott die Frau zu. Und Adam sprach: „Das ist nun Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.“20

So schuf Gott den Menschen nach seinem Bilde, als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete Adam und seine Frau und sprach: „Seid fruchtbar und vermehrt euch und erfüllt die Erde und macht sie euch untertan!“21

Adam und Eva lebten im Paradies ganz glücklich. Sie waren heilig und gerecht22 und wussten nichts vom Bösen.

Auslegung

Gott ist gütig. Zähle die Wohltaten und Gnaden auf, welche Gott dem Adam und der Eva erwiesen hat! (Vgl. die Anwendung.)

Zweifache Ebenbildlichkeit des Menschen. Der Mensch ist das vornehmste Geschöpf Gottes auf Erden, „denn Gott hat ihn zum Ebenbild seines eigenen Wesens gemacht“ (Weish 2,23). Und weil der Mensch ein Ebenbild oder Abbild Gottes ist, so ist er Gott ähnlich. Diese Ähnlichkeit ist aber eine zweifache: eine natürliche und eine übernatürliche. Darum gebrauchte Gott auch zwei Ausdrücke: „zu unsrem Bilde und Gleichnisse“. Wenn etwas ein Bild von einer Person oder Sache sein soll, so muss es dieser Person oder Sache einigermaßen ähnlich sein Gleichnis kommt her von gleichen (gleich aussehen) und bezeichnet einen höheren Grad von Ähnlichkeit. Wenn eine Person einer anderen recht ähnlich ist, so sagen wir, jene gleiche dieser. Durch den Ausdruck „Bild“ wird also auf die natürliche, durch das Wort „Gleichnis“ auf die übernatürliche Ähnlichkeit des Menschen mit Gott hingewiesen. Die natürliche Ähnlichkeit (die natürliche Ebenbildlichkeit) des Menschen mit Gott besteht darin, dass der Mensch einen Geist besitzt, welcher im Leibe wohnt und ihn belebt. Wie nennt man den Geist des Menschen? (Seele). In der Natur des Geistes aber liegt es, dass er 1. unsterblich ist, 2. Vernunft und 3. freien Willen hat. Durch diese drei Eigenschaften ist die menschliche Seele dem ewigen (1) Gott, welcher die höchste Vernunft (2) und der höchste und freiste Wille (3) ist, einigermaßen ähnlich, ein Abbild oder Ebenbild von Gott. Die Seele ist es, die im Menschen denkt und will und ihre Gedanken, Wünsche und Stimmungen durch Sprache kundgibt. Das Tier hat keine Sprache, weil es keine geistige Seele hat. In der Ebenbildlichkeit mit Gott besteht der Adel und die hohe Würde des Menschen.

Welches ist das vorzüglichste Geschöpf auf Erden? Wie heißen die ersten Menschen, die Gott erschaffen hat? Auf welche Weise schuf Gott den Adam? Woraus bildete Gott den Leib der Eva? Wie hat Gott den Menschen bei seiner Erschaffung ausgezeichnet? Wie vielfach war das Ebenbild Gottes? Worin bestand das natürliche Ebenbild Gottes? (82.-88.)

Diese Gaben heißen natürliche Gaben, weil sie zur Natur der menschlichen Seele gehören; ebendeshalb können sie auch nicht verloren gehen, wohl aber können sie verdorben und verunstaltet werden. Gott hat aber in seiner maßlosen Liebe den Menschen nicht zu einem bloß natürlichen, irdischen Glück bestimmt, sondern zu seiner Anschauung und zur ewigen Teilnahme an seiner göttlichen Herrlichkeit und Seligkeit. Diese Bestimmung (dieses Ziel) ist übernatürlich, weil der Mensch von Natur aus keinen Anspruch auf die himmlische Seligkeit (die nur Gott natürlich ist) hat und sie mit seinen natürlichen Kräften nicht erreichen kann. Darum hat Gott den Menschen von Anfang an (zu den natürlichen Gaben noch) übernatürliche Gaben verliehen, durch welche derselbe ein übernatürliches Ebenbild (Gleichnis) Gottes geworden ist. Die vorzüglichste dieser die menschliche Natur hoch erhebenden Gaben war die heiligmachende Gnade. Gott hat nämlich der Seele des ersten Menschen den Heiligen Geist eingehaucht, und dadurch war der Mensch ein Kind Gottes und ein Erbe des Himmels (d.h. der Himmel war ihm sicher, solange er im Gnadenstand verblieb). Die Gnade verlieh der Seele des Menschen eine übernatürliche Schönheit. Der Heilige Geist erhöhte auch die natürlichen Kräfte der Menschenseele: er erleuchtete die Vernunft des ersten Menschen, so dass dieser eine höhere Erkenntnis besaß (d.h. dass er Gott und die Werke Gottes viel besser erkannte, als es der natürlichen Kraft seiner Vernunft möglich gewesen wäre), und er heiligte den freien Willen des Menschen, so dass er nur das Gute wollte und keine Lust zum Bösen hatte (nie von böser Lust versucht war). Darum sagt auch die Heilige Schrift (die Biblische Geschichte): „Sie waren (durch) die übernatürliche Gaben) heilig und gerecht und wussten nichts vom Bösen.“ Wie das Sein, so haben sie auch das Gutsein (die Heiligkeit) von Gott empfangen. Der Leib des erste Menschen besaß ebenfalls übernatürliche Gaben. Von Natur aus ist er hinfällig, den Krankheiten und dem Tode unterworfen, weil er aus Stoffen der Erde zusammengesetzt, alles Irdische aber vergänglich ist. Solange aber der erste Mensch im Stande der Gnade blieb, war sein Leib unsterblich und frei von allen Krankheiten und Mühseligkeiten. Wären die Stammeltern im Stande der Gnade geblieben, so wären sie nicht gestorben, sondern vom irdischen Paradies mit Leib und Seele in das himmlische Paradies versetzt worden.

Was ich euch über die übernatürlichen Gaben gesagt habe, ist im Katechismus mit kurzen Worten zusammengefasst in den zwei Fragen: „Worin bestand das übernatürliche Ebenbild Gottes? Welche anderen Gaben waren bei den ersten Menschen mit diesem übernatürlichen Ebenbild Gottes verbunden? (89 f.)

Der Leib des Menschen ist zwar kein Ebenbild Gottes (und kann keines sein – warum? Hat denn Gott einen Leib?), aber er hat dennoch hohe Vorzüge. Er ist die Wohnung und das Werkzeug der unsterblichen Seele. Er ist feiner, schöner, vollkommener und zu jedem Werke geschickter als der Körper irgend eines Tieres. (Denke z.B. an die Kunstfertigkeit der menschlichen Hand, die „das Werkzeug aller Werkzeuge“ ist, und an die Schönheit der menschlichen Stimme!) Er steht und geht aufrecht und erhebt seine Augen zum Himmel, für welchen der Mensch bestimmt ist. Er ist das vorzüglichste aller körperlichen Wesen, das Meisterwerk der sichtbaren Schöpfung. Darum soll der Mensch auch seinen Leib in Ehren halten, ihn nicht durch Schmutz und Sünde verunreinigen. „Verherrlicht und tragt Gott in eurem Leibe!“ (1 Kor 6,20).

Der Mensch soll herrschen über die Tiere und über die ganze Erde. Eigentlich gehört die Erde Gott dem Herrn. „Des Herrn ist die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und alle, die darauf wohnen“ (Ps 23,1). Gott aber hat die Erde dem Menschen übergeben, damit dieser als Ebenbild Gottes die Güter der Erde nach Gottes Willen benutze. Die Flüsse und die Berge, die Felder und die Wälder, die Pflanzen und die Tiere sind zum Besten des Menschen erschaffen und sollen diesem dienen zur Erhaltung und Verschönerung seines Lebens und zur Ausübung guter Werke. Wir müssen deshalb die Güter der Erde (Gold und Silber, Speise und Trank etc.) zum Guten benutzen und dürfen sie nicht zum Bösen missbrauchen! Herrschen soll der Mensch über die irdischen Dinge, nicht ihnen dienen, nicht ihr Sklave sein; sein Sinnen und Trachten soll über die Erde hinausgehen und auf die übernatürlichen, ewigen Güter gerichtet sein. Wir sollen die irdischen Güter so gebrauchen, dass wir die überirdischen Güter (welche?) nicht verlieren. (Der Geizige herrscht nicht über die Erde, sondern dient ihr.) – Auch über die Tiere soll der Mensch herrschen nach Gottes Willen. Es ist aber Gottes Wille, dass wir gegen die Tiere nicht grausam seien. „Der Gerechte sorgt auch für sein Vieh, aber das Herz des Gottlosen ist grausam“ (Spr. 12,10). Also keine Tierquälerei!

Zweifacher Tod. Mit den Worten: „Sobald du davon isst, wirst du sterben“, hat Gott dem Menschen einen zweifachen Tod angedroht: den Tod der Seele und den Tod des Leibes. Der leibliche Tod ist nicht gleich nach der Sünde eingetreten, denn Adam lebte noch lange auf Erden und wurde 930 Jahre alt, aber er war von dem Augenblick an, da er die Sünde vollbracht hatte, dem Tode unterworfen, hinfällig und sterblich.

Der Tod der Seele hingegen war da, sobald die Sünde vollbracht war. Ja, kann denn die Seele sterben, d.h. ihr Leben verlieren? Man muss zwischen dem natürlichen und übernatürlichen Leben der Seele unterscheiden. Das natürlich Leben kann die Seele nie verlieren, weil sie unsterblich ist. Das übernatürliche Leben aber oder das Gnadenleben (das Leben in der Gnade und Freundschaft Gottes) verliert die Seele, sobald sie eine schwere Sünde begeht. Dieser Verlust des Gnadenlebens ist der geistige Tod der Seele und führt zum ewigen Tod (zur Verdammnis). Deshalb wird auch die schwere Sünde, welche den geistigen Tod herbeiführt, Todsünde genannt. Indem Gott also vorhersagte: „Sobald du davon isst, wirst du sterben“, hat er dem Adam angedroht, derselbe werde – wenn er das Gebot übertrete – 1. die Unsterblichkeit seines Leibes und 2. die heiligmachende Gnade verlieren.

Sittliche Vollkommenheit. Deshalb, sagt der hl. Leo, hat Gott den Menschen zu seinem Bilde erschaffen, damit der Mensch seinem Schöpfer als seinem Vorbild in allem nacheifere. So ist schon in der Natur des Menschen seine hohe sittliche Würde und jene Forderung begründet, die Jesus in der Bergpredigt (N.T., Nr. 23 Abs. 3; Mt 5,48) gestellt hat: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Insbesondere sollen wir unsrem Gott und Schöpfer ähnlich werden in der Liebe, im tätigen Wohlwollen gegenüber unseren Mitmenschen. Warum sollen wir den Nächsten lieben? (250.)

Die himmlische Seligkeit. Das Leben des ersten Menschen im irdischen Paradies war ein Vorbild vom Leben der Seligen im Himmel. Im Paradies lebten die Menschen ganz glücklich, Friede war in ihnen und außer ihnen, weil sie Frieden hatten mit Gott; sie hatten Überfluss an allem, kannten keinen Mangel, keinen Schmerz, keinen Verdruss und lebten in ungestörter Freude und Freundschaft unter sich und mit Gott. So ist auch das Leben der Seligen im Himmel ein überaus glückliches; dort ist keine Klage, kein Leiden, nichts als Friede, Freude, Glück und Herrlichkeit. Im Paradies verkehrte Gott mit den ersten Menschen wie ein Vater mit seinen Kindern; im Himmel schauen die Seligen Gott von Angesicht zu Angesicht und sind mit ihm in innigster Liebe vereinigt. Aber nun kommt der Unterschied: Das Glück des irdischen Paradieses konnte verloren gehen (wodurch?), kann aber das Glück der Seligen im Himmel auch verloren gehen? Zudem ist das Glück der Seligen im Himmel unvergleichlich schöner und herrlicher, als das irdische gewesen ist. Wie wird das Leben der Seligen im Himmel beschaffen sein? (236.)

Der Mensch ist wesentlich vom Tier verschieden, denn er ist belebt vom Hauche Gottes, von der geistigen Seele. Von keinem Tiere, sondern nur vom Menschen wird gesagt, dass Gott ihm den Odem des Lebens eingehaucht hat.

Dreifaltigkeit. In den Worten Gottes „Lasst uns … machen“ ist angedeutet, dass in Gott mehrere Personen sind.

Der Zweck des Gebotes (Verbotes) war ein zweifacher.

1. Wie die Engel, so musste auch der Mensch eine Prüfung bestehen, weil er ebenfalls mit freiem Willen begabt war. Was tat Gott, um den Menschen zu prüfen? Er gab ihm das Verbot und offenbarte ihm seinen göttlichen Willen, damit der Mensch sich diesem in freier Entscheidung unterwerfe. Und da Adam der Stammvater und Vertreter des Menschengeschlechts war, so hing von seiner Entscheidung nicht nur sein eigenes Geschick ab, sondern auch das Schicksal seiner Nachkommen. (Wenn ein Vater sein Vermögen verspielt oder verbraucht, so ist es auch für seine Kinder verloren.)

Sodann sollte 2. die übernatürliche Glückseligkeit, zu welcher der Mensch bestimmt war, für ihn nicht bloß ein unverdientes Geschenk der göttlichen Güte sein, sondern auch ein verdienter Lohn der göttlichen Gerechtigkeit für seine treue Liebe und seinen Gehorsam.

Einheit der Menschheit. Warum hat Gott die Eva aus einer Rippe Adams gebildet? 1. Weil alle Menschen, auch Eva, von Adam abstammen sollten. 2. Weil Mann und Frau (Eheleute) zusammengehören und ein Herz und eine Seele sein, d.h. in Liebe und Eintracht leben sollen.

Die Ehe. Indem Gott dem Adam die Frau als Gehilfin gab und über beide seinen Segen aussprach, hat er den Ehestand eingesetzt. Weil dieser von Gott eingesetzt ist, so ist er ein heiliger Stand. Jesus Christus hat ihn noch mehr geheiligt und zu einem heiligen Sakrament erhoben. Gott selbst hat den Mann und die Frau verbunden, „was aber Gott verbunden hat“, sagt der göttliche Heiland, „das soll der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6). Die Ehe ist deshalb unauflöslich, d.h. Mann und Frau sollen bis zum Tode in Einigkeit und Liebe verbunden bleiben. Nebst dem Sabbat ist die Ehe die älteste und ehrwürdigste Einrichtung der Menschheit. Wer hat die Ehe eingesetzt? Was hat Christus zur Heiligung des Ehestandes getan? (616 f.)

Der Mann ist das Oberhaupt der Familie. Dem Adam hat Gott selbst den Namen gegeben, wer aber hat der Frau den Namen gegeben? … Warum wird Gott es so angeordnet haben? Weil der Mann das Oberhaupt der Frau sein und diese dem Mann folgen soll.

Der Baum der Erkenntnis war ein Vorbild des Kreuzes Christi.

1. An jenem hat Satan gesiegt, indem er die Stammeltern zum Ungehorsam gegen Gott verführte; am Holz des Kreuzes ist Satan besiegt worden durch Christus, der „gehorsam war bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8); an jedem hat die Sünde, an diesem das Heil (die Erlösung) seinen Anfang genommen.

2. Auch das Kreuz auf Golgotha ist zum Baume der Erkenntnis geworden, denn aus dem bitteren Leiden und Sterben Jesu Christi erkennen wir die Bosheit und die ungeheure Schuld der Sünde sowie die unendliche Heiligkeit und Gerechtigkeit unseres Gottes.

3. Wie es am Baume der Erkenntnis sich entscheiden sollte, ob die Menschen das Gute oder das Böse erwählten, so ist Christus der Gekreuzigte „gesetzt zum Fall und zur Auferstehung“ (Nr. 6 des N.T.; Lk 2,34). Die an den Gekreuzigten glauben und ihm nachfolgen, werden das ewige Leben erlangen, jene aber, die nicht an den gekreuzigten Heiland glauben und ihm nicht nachfolgen, werden zur Hölle fahren.

Die Frucht vom Baum des Lebens war ein Vorbild des heiligsten Sakramentes. Warum hieß jener Baum Lebensbaum? … Wie durch seine Frucht das Leben des Leibes erhalten wurde, so wird durch den Genuss des heiligsten Sakramentes, dieser Frucht vom Lebensbaum des Kreuzes, durch die heilige Kommunion das übernatürliche Leben (das Gnadenleben) der Seele erhalten und vermehrt und die Seele des ewigen Lebens würdig gemacht. „Wer von diesem Brot (von welchem?) isst“, sagt der göttlichen Heiland (Nr. 36 des N.T.; Joh 6,51), „der wird leben in Ewigkeit.“ (Über den „Baum des Lebens im himmlischen Paradies“ s. den letzten Satz in Nr. 110 des N.T.)23

Als Ebenbild Gottes hat der Mensch eine erhabene Stellung in der sichtbaren Welt. Alle Körper, sagt Pascal, das Firmament, die Gestirne, die Erde und ihre Reiche sind nicht zu vergleichen mit dem geringsten aus der Geisterwelt, denn der Geist erkennt dies alles und sich selbst, der Körper aber nichts. Über alle Körper und alle Geister zusammen mit all ihren Erzeugnissen sind nicht mit der geringsten Bewegung der göttlichen Liebe zu vergleichen, die einer unendlich erhabeneren Ordnung angehört. Alle Körper zusammen wären nicht im Stande, einen einzigen Gedanken hervorzubringen; es ist unmöglich und gehört einem anderen Gebiet an. Und alle Körper und alle Geister wären nicht im Stande, eine einzige Regung wahrer Liebe hervorzubringen; es ist unmöglich und gehört einem andern, übernatürlichen Gebiet an.

Anwendung

Die Güte Gottes gegen uns Menschen ist unendlich groß. Bedenke, wie sehr Gott den Menschen erhöht und bevorzugt hat! Er hat ihn zu seinem Ebenbild erschaffen und die ganze Erde zu seinem Dienste bestimmt; er hat ihm eine unsterbliche Seele, die heiligmachende Gnade und das schöne Paradies gegeben und dazu ewige Glückseligkeit im Himmel versprochen. Die Menschen sollten jene Throne im Himmel einnehmen, welche die gefallenen Engel verloren hatten. Und alles dieses war nicht bloß für die ersten Menschen bestimmt, sondern auch für die Nachkommen. Seht also, wie gut es der liebe Gott mit allen Menschen gemeint hat! „Dankt dem Herrn, denn er ist gut, denn in Ewigkeit währt (dauert) seine Barmherzigkeit.“ (Ps 117,1) „Lasst uns Gott lieben, weil er uns zuerst geliebt hat! (1 Joh 4,19) Bei allem, was du heute tust, denke: „O Gott, alles dir zuliebe!“

Der Ausspruch der göttlichen Majestät, dass die Seele nach Gottes Bild geschaffen ist, genügt uns, um uns von der großen Würde und Schönheit der Seele eine Vorstellung machen zu können (hl. Theresia). Darum halte die edle Seele rein, beschmutze sie nicht mit Sünden!

Auch du sollst ein natürliches und übernatürliches Abbild von Gott sein, d.h. vernünftig und heilig, nicht tierisch und sündig…

(Fortsetzung folgt)

1d.h. wir wollen machen. Als Gott die übrigen sichtbaren Geschöpfe ins Dasein rief, da sprach er einfach: Es werde! (Es werde Licht! Es sollen Fische werden! etc.) Als er aber den Menschen erschaffen wollte, da ging er sozusagen mit sich selbst zu Rate und sprach mit einer gewissen Feierlichkeit: „Lasset uns etc. !“ Braucht denn Gott sich zu besinnen und lange zu überlegen (oder beraten), wie er etwas am besten machen könne ? Warum hat er aber doch vor Erschaffung des Menschen so gesprochen ? Um zum voraus anzuzeigen, daß der Mensch nicht wie die andern sichtbaren Geschöpfe sein werde, sondern daß er einen hohen Vorzug vor diesen haben und das vornehmste unter allen sichtbaren Wesen sein werde.

2d.h. so, daß er ein Bild (Abbild) von uns sei und uns gleiche.

3d.h. Herr sein.

4„Bilden“ heißt: etwas mit Kunst machen oder verfertigen. Gott selbst hat aus Erde den menschlichen Leib kunstreich gemacht.

5d.h. den Leib des Menschen.

6d.h. die Seele, die den Leib belebte. Der Mensch besteht also aus Leib und Seele. Die Seele ist nicht aus Erde gebildet, sondern sie ist ein Geist, ein Hauch Gottes.

7Wie, wodurch ist der Mensch lebendig geworden? (Dadurch, dass Gott, als er den menschlichen Leib bildete, ihm zugleich die Seele einhauchte.) Die Seele ist für den Leib der Grund des Lebens, ohne sie kann der Leib nicht leben. Sobald die Seele vom Leibe scheidet, dann stirbt dieser. Die Seele stirbt nicht, kann nicht sterben, weil sie ein einfaches (nicht zusammengesetztes) geistiges Wesen ist.

8Dieses Paradies (Lustgarten oder Wonnegarten) war auf der Erde (in Asien). Man nennt es deshalb das irdische Paradies. Gibt es noch ein anderes Paradies? Ja, der Himmel als Ort der ewigen Seligkeit wird ebenfalls Paradies genannt; dies ist das überirdische oder himmlische Paradies.

9d.h. mit Zierbäumen und Fruchtbäumen.

10So hieß der Baum, weil seine Frucht den Leib des Menschen vor Krankheit und Tod bewahrte, ihm die Unsterblichkeit sicherte, solange der Mensch Gott gehorchte.

11Oder Baum der Prüfung, an dem sich zeigen sollte, ob der Mensch sich für das Gute oder für das Böse entscheide. Der Baum an sich war gut, er war ja von Gott gepflanzt, und solange der Mensch von diesem Baum nicht aß, durfte er die Frucht vom Baum des Lebens genießen. Durch den Genuss der Frucht vom Baum des Lebens sollte das leibliche Leben und durch Enthaltsamkeit von der Frucht des Baumes der Erkenntnis das geistige (übernatürliche) Leben erhalten werden.

12Der Mensch sollte im Paradies arbeiten und so seine geistigen und körperlichen Kräfte entwickeln. Vor dem Sündenfall war die Arbeit dem Menschen nur angenehm.

13Für sich, damit er ihn nicht verliere durch die List des Teufels und Übertretung des göttlichen Willens.

14Dieses erste Wort Gottes an den Menschen enthält eine Gabe und ein Gebot. Darin offenbart sich Gott als Vater und als Herr. Als Vater gibt Gott das Paradies mit all seinen Früchten: „Iss nach Herzenslust etc.“. Sollte der Mensch diesen gütigen Vater nicht aus ganzem Herzen lieben? Um ihm zu zeigen, dass er von seinem Schöpfer abhängig bleibe und diesem Gehorsam schulde, und ihn zu prüfen, ob er dankbar und gehorsam sei, gab ihm Gott auch ein Gebot. Welches? War dieses Gebot leicht zu beachten? Warum? (Weil andere Früchte im Überfluss da waren). Durch Befolgung dieses einzigen und leichten Gebotes sollte der Mensch Gott als seinen Herrn anerkennen und seine dankbare Liebe gegen den freigiebigen Vater bekunden.

15d.h. dem Tod verfallen (sterblich) sein. Diese Drohung fügte Gott hinzu, damit der Mensch ja das Gebot (bzw. Verbot) halte. Aus der angedrohten Todesstrafe konnte der Mensch erkennen, dass es eine sehr große Sünde sein würde, wenn er von dem verbotenen Baum essen würde, dass er eine schwere Verpflichtung habe, das leichte Gebot zu beachten. (So wusste – erkannte – der erste Mensch schon vor dem Sündenfall, dass die Enthaltung von der Frucht des Baume Gott wohlgefällig, d.h. gut, der Genuss der Früchte aber Gott missfällig, d.h. böse sei und den Tod bringe.)

16Für wen ist es nicht gut? Für den Menschen. Warum nicht? Weil er sich mit den Tieren nicht recht unterhalten und freuen kann, da diese keine Vernunft haben und nicht sprechen können. Darum sagt Gott, er wolle ihm eine Gehilfin machen, „die ihm gleiche“, die also die gleiche Natur (einen menschlichen Leib und eine Seele) habe wie Adam. Bevor nun Gott die Frau bildete, ließ er alle Tiere des Paradieses zu Adam kommen; warum wohl? Erstens sollte Adam seine Herrschaft über die Tiere dadurch ausüben, dass er jedem „seinen“, d.h. den passenden (seinen Eigenschaften entsprechenden) Namen gab. Zweitens sollte er sich überzeugen, dass kein Tier ihm gleiche, dass er seiner Natur nach hoch über den Tieren stehe. Drittens sollte Adam sich einsam fühlen unter den Tieren und das Bedürfnis nach der Gesellschaft eines ihm gleichen Wesens, also eines anderen Menschen, empfinden, damit er Gott dem Herrn für die Erschaffung der Eva um so dankbarer wäre.

17Er konnte also sprechen, seine geistige Tätigkeit durch die von Gott verliehene Sprache offenbaren.

18Er erkannte, dass zwischen ihm (dem Menschen) und den Tieren eine unausfüllbare Kluft war, da kein Tier mit ihm sprechen konnte.

19Es war ein Schlaf der Entzückung, in welchem die Bedeutung des göttlichen Werkes für sich und für alle Zukunft erkannte (Reischl).

20d.h. ein menschlicher Leib, wie ich einen habe, ein Wesen, das mir ganz gleich ist. Adam hatte eine große Freude darüber, dass er nun nicht mehr der einzige Mensch auf Erden war.

21d.h. sie sollten Kinder bekommen und diese wieder Kinder usw., so dass nach und nach die ganze Erde von Menschen bewohnt würde, die alle von Adam abstammen.

22weil sie die heiligmachende Gnade besaßen.

23„Selig alle, die dieser Kirche angehören und als lebendige Glieder in ihr verharren! Jesus Christus, der König der Könige, wird sie als seine Brüder anerkennen. Mit ihm und allen Engeln und Heiligen werden sie wohnen im neuen Himmel und auf der neuen Erde und werden essen vom Baum des Lebens im himmlischen Paradies“, Kurze Biblische Geschichte (für die unteren Schuljahre der katholischen Volksschule), Dr. Friedrich Justus Knecht, 22. Aufl., 1911, Herdersche Verlagshandlung, Freiburg

Fortsetzung siehe Teil 5 (Der Sündenfall. Die Verheißung des Erlösers (1. Teil))

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