Nach Teil 2 (Die Erschaffung der Welt) folgt hier Teil 3 zum „Praktischen Kommentar zur Biblischen Geschichte“ (1913) von Dr. Friedrich Justus Knecht.

Die Erschaffung und der Fall der Engel (Gen 3, 1-5, 24; Off 20,1-2; Judas 6ff)

Aus dem ersten Satze der vorigen Geschichte habt ihr gelernt, daß Gott außer der sichtbaren Welt auch eine unsichtbare Welt erschaffen hat, nämlich die Scharen der Engel. In dieser Geschichte wird nun erzählt, wie Gott die Engel erschaffen hat und wie ein Teil der Engel gesündigt hat und verdammt worden ist.

Erzählung und Erklärung

Gott hat auch unsichtbare, geistige Wesen1 in großer Zahl2 erschaffen und mit vorzüglichen Gaben ausgestattet3. Wir nennen sie Engel. Alle waren anfangs gut4 und glücklich.

Es geschah aber, daß viele Engel hoffärtig5 wurden und Gott nicht mehr gehorchen wollten. Da erhob sich6 ein großer Streit im Himmel. Michael7 und die guten Engel stritten gegen die bösen Engel. Die bösen Engel wurden überwunden8 und vom Himmel in die Hölle hinabgestürzt. Der oberste der bösen Engel heißt Satan9 oder Teufel.

Jene Engel, welche treu geblieben sind10, hat Gott mit der ewigen Seligkeit belohnt11. Sie schauen immerfort das Angesicht des himmlischen Vaters.

Auslegung

Natur der Engel; unendliche Vollkommenheit Gottes. Hat Gott nichts andres als die sichtbare Welt erschaffen? Wie waren die Engel, als Gott sie erschaffen hatte? (73 u. 74.) Die Engel sind Geister. Auch Gott ist ein Geist. Was ist Gott? (29.) Warum nennen wir Gott einen Geist? (30.) Auch die Engel haben hohen Verstand, große Weisheit, viele Wissenschaft; aber ist ihr Verstand unendlich? Sind sie allwissend und allweise? Ihr Wille ist heilig und hat viel größere Kraft (Macht) als unser Wille; sind sie aber unendlich heilig? Sind sie allmächtig? Und von wem haben sie alle ihre guten Eigenschaften? Zwischen Gott und dem höchsten Engel ist also noch ein unendlicher Abstand (unendlich großer Unterschied). Erstens hat Gott alle seine Vollkommenheiten oder guten Eigenschaften aus und durch sich selbst von Ewigkeit her; die Engel aber sind von Gott im Anfange der Zeit erschaffen und haben alles von Gott empfangen. Zweitens haben die Engel zwar viele, aber nicht alle guten Eigenschaften, und die, welche sie besitzen, gehen nur bis zu einem gewissen Grade (oder Maße); Gottes Vollkommenheiten aber sind unendlich groß, ohne Maß und Zahl, er besitzt alle möglichen guten Eigenschaften im höchsten (unendlichen) Grade. Warum nennen wir Gott unendlich vollkommen? (31.)

Amt der Engel. Auch die Engel sind, wie alles andre, zur Ehre oder Verherrlichung Gottes erschaffen. Sie lieben und loben Gott ohne Aufhören und vollziehen seinen heiligen Willen. Darum heißt es auch im Vaterunser: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!“ Durch wen geschieht Gottes Wille im Himmel? . . . Der Name ,,Engel“ bedeutet Bote oder Botschafter (Abgesandter), und diesen Namen tragen die guten Geister, weil Gott sie aussendet, um die Menschen zu beschützen und ihnen seinen Willen zu verkündigen. Wie sind die guten Engel gegen uns gesinnt? (77.) Was sind wir unsrem heiligen Schutzengel schuldig? (79.) Da die Engel reine Geister sind, so können wir sie mit unsren leiblichen Augen nicht sehen; aber wenn es Gottes Wille ist, daß die Menschen die Engel sehen und hören sollen — also besonders, wenn sie als Botschafter gesandt werden–, so können sie eine menschenähnliche Gestalt annehmen. Denke z. B. an den hl. Erzengel Gabriel, welcher dem Zacharias und der hl. Maria erschienen ist.

Gott ist gütig. Aus Liebe hat Gott die Engel erschaffen und sie mit natürlichen Gaben und übernatürlichen Gnaden überhäuft . . . Was heißt: Gott ist gütig? (46.)

Gott ist gerecht. Aus der Bestrafung der bösen und der Belohnung der guten Engel könnt ihr Gottes Gerechtigkeit erkennen. Was heißt: Gott ist gerecht? (43.) Wie hat Gott die gefallenen Engel bestraft? Wie lange müssen sie in der Hölle bleiben? Ja, ewige Qualen müssen sie leiden, für immer und ewig sind sie von Gott getrennt und verstoßen, weil sie in ihrem Trotze gegen Gott verstockt und deshalb unverbesserlich sind. „Gott hat der Engel, welche sündigten, nicht geschont, sondern mit Ketten der Hölle sie in den Abgrund gezogen und der Pein übergeben“ (2 Petr 2, 4). Blieben die Engel alle gut und glücklich? Womit hat Gott die treu gebliebenen Engel belohnt? (75 f.)

Bosheit der Todsünde. Gott straft ,,nach Verdienst“, er straft nicht zu hart. Wenn er also die gefallenen Engel zur ewigen Qual der Hölle verdammt hat, so könnt ihr daraus ersehen, was für ein schreckliches Übel die Sünde in Gottes Augen ist. Eine einzige Todsünde verdient ewige Strafe! Woraus erkennen wir am besten, wie böse und strafwürdig die Todsünde ist? (408.)

Folgen der Sünde. Bedenket auch, was die Sünde aus den Engeln gemacht hat· Vor ihrem Sündenfalle waren sie Freunde und Lieblinge Gottes, überaus schön, ganz heilig und voll Liebe zum Guten, reich an Glück und Herrlichkeit; seit ihrem Falle aber sind sie Feinde Gottes, abscheuliche, häßliche, boshafte, ewig unglückselige Teufel. Das hat die Sünde getan! Wer kann nun noch meinen, die Sünde (besonders die Todsünde) sei eine Kleinigkeit, Gott werde es nicht so strenge damit nehmen? Nein, die Todsünde ist keine Kleinigkeit, sondern sie ist das größte Übel; sie hat Engel zu Teufeln gemacht und sie ins ewige Verderben gestürzt. Welches sind die Folgen der Todsünde? (409.)

Hoffart. Was war am Ungehorsam der gefallenen Engel schuld? …Ja, statt Gott die Ehre zu geben, von dem sie alles empfangen hatten, wurden sie stolz auf ihre hohen Gaben und sprachen mit ihrem Anführer (Satan oder Luzifer): „Über die Sterne Gottes will ich meinen Thron setzen, dem Höchsten (d.h. —?) will ich gleich sein“ (Jes 14, 14). Darum sagt auch die Heilige Schrift: „Die Hoffart ist der Anfang aller Sünde“ (Sir 10,15), und: „Der Stolz geht vor dem Verderben her und der Hochmut vor dem Falle“ (Spr 16, 18). Was kommt also nach dem Hochmute? Wann sündigt man durch Hoffart? (414.)

Seligkeit der Engel. Die treu gebliebenen Engel hat Gott überreichlich belohnt. Sie schauen Gott von Angesicht zu Angesicht, erfreuen sich unaufhörlich an der unendlichen Schönheit und Herrlichkeit Gottes und sind dadurch unaussprechlich glücklich und selig. Und diese himmlische Seligkeit genießen sie schon seit Jahrtausenden und werden sie genießen in alle Ewigkeit. So belohnt Gott die, welche treu ihm dienen und dem Bösen widerstehen.

Bilder der Engel. Ihr habt schon öfters Bilder von Engeln gesehen – wo? Wo in der Kirche? Auch in eurer Biblischen Geschichte sind Engelbilder, z. B. S. 1. Wie sind hier die Engel abgebildet? Als Knaben mit Flügeln, zwei von ihnen spielen auf einer Harfe. In Nr. 1 des N. T. ist der heilige Erzengel Gabriel dargestellt als ein Jüngling, ebenfalls mit Flügeln, ferner mit einer Lilie in der Hand und mit einem Strahlenkranz um das Haupt. Warum werden die Engel so abgebildet ? Als Knaben oder Jünglinge werden sie dargestellt, weil sie nie alt werden, sondern ewig jung und unsterblich sind. Die Flügel deuten an, daß die Engel schnell sind wie der Gedanke und daß sie schnell und willig Gottes Befehle erfüllen. Die Harfen erinnern daran, daß die Engel ohne Ende Gott lobsingen. Die Lilie ist das Sinnbild (Zeichen) ihrer Unschuld, der Strahlenkranz deutet auf ihre himmlische Herrlichkeit hin. Oft werden auch die Engel als jugendliche Köpfe ohne Leib abgebildet, um auszudrücken, daß sie Verstand und freien Willen, aber keinen Körper haben.

Die Zahl der Engel, welche Gott erschaffen hat, ist außerordentlich groß. Der Prophet Daniel sah im Geiste die treu gebliebenen Engel und schriebs:,,Tausendmal tausend (d.h. 1 Million) dienten ihm (Gott), und zehntausendmal hunderttausend (d.h. 1000 Millionen) standest vor ihm“ (Nr. 87 des A. T.). Damit will der Prophet sagen, daß er unzählbar viele Engel gesehen habe. Wie die Sterne des Himmels verschieden sind an Größe und Glanz, so ist auch unter den heiligen Engeln ein Unterschied Sie werden nach ihrer Weisheit, Macht und Herrlichkeit in neun Abteilungen oder Chöre unterschieden. Diese Chöre sind — von unten angefangen — : 1. Engel, 2. Erzengel. 3. Kräfte, 4. Mächte, 5.Herrschaften, 6. Oberherrschaften, 7. Thronen, 8. Cherubim, 9. Seraphim.

Prüfung der Engel. Die Engel sind schon von Natur aus am meisten Gott ähnlich, weil sie hochbegabte, reine Geister sind. Zu ihren natürlichen Gaben hat ihnen Gott noch die übernatürliche Gabe der heiligmachenden Gnade gegeben, so daß sie ganz heilig und überaus schön waren. Sie besaßen bereits ein hohes Glück und sollten sich durch ihre Treue im Dienste Gottes die ewige, übernatürliche Glückseligkeit verdienen. Gott will aber keine gezwungenen Diener; deshalb hat er den Engeln freien Willen gegeben. so daß sie frei zwischen dem Guten und dem Bösen wählen, sich für oder gegen Gott entscheiden konnten. Als es nun zur Entscheidung (durch die Prüfung) kam, da machten manche Engel von ihrer Freiheit einen schlechten Gebrauch: sie empörten sich gegen Gott, verloren die heiligmachende Gnade und wurden in die Hölle gestürzt, weil ihr Wille ganz verkehrt, ganz böse (verstockt) geworden war· Die treuen Engel aber, welche die Prüfung gut bestanden hatten, wurden in der heiligmachenden Gnade für immer befestigt und gelangten zur unmittelbaren Anschauung Gottes, d.h. zur übernatürlichen, ewigen Glückseligkeit

Der heilige Erzengel Michael ist der Patron (Schützer) der streitenden Kirche. – Michaelsverein zur Unterstützung des Heiligen Vaters. – Lied: O unbesiegter Gottesheld etc. (Psalt. 244.)

Anwendung

Gott ist gerecht, er bestraft die Sünde. Und doch machst du dir so wenig daraus, zu sündigen und Gott zu beleidigen. Du bist noch jung und hast doch schon manche Sünde begangen und Strafe von Gott verdient. Darum bereue deine Sünden, bitte Gott um Verzeihung, nimm dir fest vor, freiwillig keine Sünde mehr zu begehen, und wenn du in Versuchung kommst, eine Todsünde zu begehen, so denke an die gefallenen Engel und ihre ewige Qual! Lieber sterben, als eine Todsünde begehen. Fürchte den gerechten Gott – Halte treulich sein Gebot!

Der Fall der bösen Geister und ihre Strafe soll dir zur Warnung, die Treue der guten Engel und ihre Belohnung soll dir zur Aufmunterung dienen. Wenn du gegen Gott ungehorsam bist, seine Gebote nicht beobachtest und aus der Sünde dir nichts machst, so wirst du zu den verdammten Geistern in die Hölle kommen. Wenn du aber treu bist im Dienste Gottes und dich nach Kräften vor der Sünde hütest, so hast du ein heiteres Gemüt, Frieden im Herzen und wirst einst zu den heiligen Engeln in die himmlische Glückseligkeit kommen. Wem hast du bisher nachgeahmt — den bösen oder den guten Engeln? …

Besonders hüte dich vor der Hoffart; sie ist, wie die Heilige Schrift sagt, „vor Gott und den Menschen verhaßt“ (Sir 10, 7). Sei also nicht stolz und eingebildet auf deine Kleider-, deine Gestalt, deine Kenntnisse, das Vermögen deiner Eltern, sondern gib in allem Gott die Ehre und sei Gott dankbar für alles Gute, denn von ihm hast du alles empfangen! Je mehr Gutes dir Gott gegeben hat, desto mehr sollst du ihn lieben und ihm danken. Jage alle eiteln und stolzen Gedanken auf der Stelle fort, prahle nicht und bete recht oft: Von dir, o Gott, kommt jede Gabe – Dir dank ich, was ich bin und habe!

Fortsetzung siehe Teil 4 (Die Erschaffung des Menschen. Das Paradies.).

1„Wesen“ ist etwas, was ist (da ist oder existiert). Der Stein ist ein Wesen, der Baum ist ein Wesen, das Tier ist ein Wesen. Diese Dinge sind körperliche und sichtbare Wesen. Die Engel aber sind keine körperlichen Wesen, sondern „geistige“, d. h. sie sind lauter (nichts als) Geist, sie haben Verstand und freien Willen, aber keinen Leib. Und warum heißen sie ,,unsichtbare“ Wesen? . . . Weshalb können wir sie nicht sehen?

2d. i. eine ganze Welt von Engeln, oder (wie der Katechismus sagt) unzählige Engel.

3Gott hat sie ausgerüstet mit so herrlichen Gaben, daß sie einen Vorzug haben vor allen andern Geschöpfen (vornehmer sind als alle anderen erschaffenen Wesen). Diese Gaben sind besonders: hoher Verstand, große Kraft und vor allem die heiligmachende Gnade.

4d. h. sie liebten und wollten nur das Gute, nur das, was Gott gefällt. Statt ,,sie waren gut“ könnte man auch sagen: sie waren heilig. Wodurch waren sie heilig (was hat sie heilig gemacht) ?

5d.h. stolz oder hochmütig.

6Oder entstand.

7d.h. „Wer ist wie Gott ?“, einer der höchsten Engel und der Anführer der guten Engel.

8oder besiegt von den guten Engeln.

9d.h. Widersacher.

10wem? (Gott dem Herrn)

11Die Engel waren von Anfang an glücklich, aber ihr Glück war noch nicht vollkommen, denn sie konnten es verlieren, wie wir an den gefallenen Engeln sehen; nachdem aber die guten Engel sich standhaft gezeigt und die bösen Engel überwunden hatten, bekamen sie zum Lohne die (übernatürliche) ewige Glückseligkeit des Himmels, welche sie nie mehr verlieren können.

Fortsetzung siehe Teil 4 (Die Erschaffung des Menschen. Das Paradies.).

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