Im Teil 2 haben wir Probleme behandelt, die sich ergeben, wenn man die Bibel buchstäblich auslegt bzw. die literarischen Gattungen bei historischen Angaben nicht beachtet.

In diesem letzten Teil werden wir untersuchen, welche Probleme sich bei den Wunderberichten und den (scheinbaren) inhaltlichen Widersprüchen ergeben.

3) Das Problem mit Wunderberichten

Manche Theologen behaupten, dass man den Bericht über die Brotvermehrung (Joh 6,1-14) nicht wörtlich nehmen dürfe, sondern dass dieser nur eine „religiöse Aussage“ machen wolle. D.h. sie meinen, dass Jesus nicht wirklich die Brote und Fische auf wundersame Weise vermehrt hat. Sie behaupten, dass die frühe christliche Gemeinde diese Geschichte nur erfunden habe, um z.B. die Menschen zu lehren ihre Güter zu teilen.

Ganz abgesehen davon, dass es in dieser Geschichte nichts gibt, was diese Interpretation wirklich rechtfertigen würde, ist bei dieser Auslegungsmethode problematisch, dass das Wort Gottes nicht ernst genommen wird. Es werden Wunder einfach ausgeschlossen. Da diese Passage eine historische Erzählung ist, können wir sicher sein, dass sie wahrheitsgetreu ein tatsächliches Ereignis in Jesu Leben wiedergibt. Es ist keine Legende, die in der frühen christlichen Gemeinde entstanden ist. Es ist keine übertriebene, teilweise auf Wahrheit basierende Geschichte. Da der biblische Verfasser beabsichtigte ein Ereignis in Jesu Leben zu erzählen, muss die gesamte Geschichte in allen Teilen frei von jedem Irrtum sein und all das mitteilen, was der Autor beabsichtigt hatte auszusagen, da „alles, was die inspirierten Verfasser (…) aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat“ (Dei Verbum , Nr. 11).

Hierbei muss betont werden, dass sogar die kleinen Details einer historischen Geschichte frei von Fehlern ist. Folglich wissen wir, dass Jesus die Mahlzeit aus fünf Gerstenbroten und zwei Fischen vervielfachte und dass 12 Körbe mit Brot übrig blieben. Genauso wie es eben die Geschichte erzählte. Was als bloße „Hintergrundinformation“ erscheinen mag ist wichtig, weil selbst diese Details von Gott inspiriert wurden und deshalb glaubwürdig sind. Falls außerdem ein biblischer Autor bei „kleinen Details“ bzgl. Jesu Leben irren könnte, wie könnte man dann ihm vertrauen, wenn er von größeren und viel schwerer zu glaubenden Dingen wie der Auferstehung berichtet?

Weiterhin darf man nicht vergessen, dass historische Genauigkeit eines Zeugnisses für die Juden wichtig war. Somit können wir ähnliche Standards bzgl. der biblischen Berichte erwarten.

3) Das Problem mit Widersprüchen

Manche sagen, dass es Widersprüche innerhalb der Bibel gibt und folgern daraus, dass die Bibel nicht zu 100% fehlerfrei sein kann. Beispielsweise sagt Jesus in Mk 2,26, dass Abijatar Hohepriester war als David das Schaubrot aß während 1 Sam 21,2 sagt, dass Ahimelech zu jener Zeit Priester war. Auf den ersten Blick scheint eine offensichtlicher Widerspruch vorzuliegen.

Wenn wir jedoch berücksichtigen, dass Abijatar der Sohn von Ahimelech war (1 Sam 23,6) und dass die Hohepriesterschaft von Vater und Sohn gemeinsam ausgeübt wurde (vgl. Lk 3,2; Joh 18,13), dann sehen wir, dass Jesu Ausage (wie von Markus aufgezeichnet) korrekt ist. D.h. sowohl 1 Sam 21,1 als auch Mk 2,26 ist rich, da sowohl Ahimelech als auch Abijatar als Vater und Sohn Hohepriester genannt wurden.

Es gibt dutzende von schwierigen Passagen in der Bibel, die oberflächlich betrachtet fehlerhaft oder widersprüchlich erscheinen.  Bei vielen davon kann einfach gezeigt werden, dass sie miteinander vereinbar sind. Bei einigen wenigen ist das etwas schwieriger zu verstehen. Aber wir müssen dabei bedenken, dass Gott bewusst Schwierigkeiten in die heiligen Texte gebracht hat, um uns zu demütigen. Denn wir sollen Gottes Inspiration der Bibel mehr vertrauen als unseren eigenen Fähigkeiten sie zu studieren und zu verstehen. Papst Pius XII schrieb dazu:

Gott habe in den von ihm inspirierten Heiligen Büchern absichtlich Schwierigkeiten gelassen, damit wir zu eifrigem Studium und Forschen angespornt und, der Grenzen unseres Geistes uns heilsam bewusst, in der geziemenden Demut geschult werden. (Divino Afflante Spiritu, § 4 – Die Behandlung schwieriger Fragen).

Schlussendlich fordert uns die Kirche auf eine ehrfurchtsvolle Haltung der Hl. Schrift gegenüber zu haben. Der Hl. Augustinus würde niemals den biblischen Autoren den kleinsten Fehler vorwerfen, selbst im winzigsten Detail nicht. Wenn er auf Schwierigkeiten in der Bibel stoß – Schwierigkeiten, die selbst sein großer Intellekt nicht lösen konnte – dann schloss er daraus nicht, dass ein Fehler in der Bibel war. Stattdessen akzeptierte er den schwierigen Test dennoch als wahr, da er demütig genug war, seine eigenen Grenzen dem inspirierten und irrtumsfreien Wort Gottes gegenüber zu begreifen. Er schrieb (an Hieronymus):

Ich gestehe deiner Liebe, unter allen Büchern sind es einzig die Schriften, welche bereits kanonische heißen, denen ich eine solche Hochachtung und Verehrung darbringe, dass ich fest glaube, keiner ihrer Verfasser habe beim Schreiben in einem Punkte geirrt. Und wenn ich diesen Schriften auf etwas stoße, was mit der Wahrheit in Widerspruch zu sein scheint, so schließe ich daraus ohne Bedenken nur so viel, dass entweder die Handschrift fehlerhaft ist, oder dass der Übersetzer den Sinn der Worte nicht getroffen, oder dass ich sie gar nicht verstanden habe. (Ep. 82, 1 und sonst öfter., zitiert aus Providentissimus Deus)

Quellen:

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