Was macht einen echten, lebendigen Glauben aus? Reicht es, das Richtige zu glauben – oder kommt es auf die Werke an? Und welche Rolle spielt dabei das Verhältnis zur Kirche?

Der heilige Bernhard von Clairvaux führt uns mitten hinein in diese Fragen. Er zeigt: Weder Glaube ohne Werke noch Werke ohne Glauben genügen. Erst die Liebe macht den Glauben lebendig und die Werke fruchtbar.

Dabei geht er noch einen Schritt weiter: Wer Gott wirklich liebt, der liebt auch seine Kirche. Ein Glaube, der sich von ihr distanziert, bleibt unvollständig.

Diese Predigt ist eine kraftvolle Einladung, Glauben, Liebe und Werke neu zusammenzudenken – und sie im eigenen Leben zur Einheit werden zu lassen.

Wenn ihr an Christus glaubt, so tut auch die Werke Christi, damit euer Glaube lebendig sei; die Liebe wird diesen Glauben beleben und die Tat ihn beweisen. Ihr, die ihr danach strebt, in Christus zu bleiben, müsst euch auch so verhalten wie er. Wenn ihr Ehre sucht, wenn ihr die Glücklichen dieser Welt beneidet, wenn ihr schlecht über Abwesende redet, Böses mit Bösem vergeltet – Christus hat so etwas nicht getan. Ihr sagt, dass ihr Gott kennt, aber eure Taten verleugnen ihn […]: „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen“, sagt die Schrift, „sein Herz aber ist weit weg von mir“ (Jes 29,13; Mt 15,8). […]
Nun reicht aber der Glaube, selbst wenn es der rechte ist, nicht aus, um einen heiligen, rechtschaffenen Menschen hervorzubringen, wenn dieser Glaube nicht in der Liebe wirksam ist. Wer keine Liebe hat, ist nicht in der Lage, die Braut, die Kirche Christi zu lieben. Und die Werke, selbst wenn sie in Rechtschaffenheit vollbracht werden, vermögen ohne Glauben nicht, das Herz gerecht zu machen. Einem Menschen, der Gott nicht gefällt, kann man keine Rechtschaffenheit zuschreiben, denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6). Wer Gott nicht gefällt, dem wird auch Gott nicht gefallen. Wem aber Gott gefällt, der kann Gott nicht missfallen. Und wem Gott nicht gefällt, dem gefällt auch die Kirche, seine Braut, nicht. Wie könnte also jemand gerecht sein, wenn er weder Gott noch seine Kirche liebt, von der es heißt: „Die Gerechten lieben dich“ (Hld 1,3 Vulg).
Dem Heiligen genügt weder der Glaube ohne die Werke noch die Werke ohne den Glauben, um die Rechtschaffenheit der Seele zu bewirken. Wir, Brüder, die wir an Christus glauben, müssen versuchen, einen geraden Weg zu gehen. Lasst uns gemeinsam Herz und Hände zu Gott erheben, damit wir ganz gerecht befunden werden, indem wir die Richtigkeit unseres Glaubens durch gerechte Taten bestätigen, die Braut-Kirche lieben und vom Bräutigam geliebt werden, unserem Herrn Jesus Christus, Gott, gepriesen in alle Ewigkeit.

Hl. Bernhard von Clairvaux (1091-1153), Zisterziensermönch und Kirchenlehrer, 24. Predigt über das Hohelied (ins Dt. übers. © evangelizo)
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